Diese Webseite verwendet im Normalbetrieb keine Cookies. Es sei denn, Sie schreiben hier Kommentare. Oder Sie versuchen sich anzumelden.cookies policy.     HABS KAPIERT

Mann, war das mal wieder ein Aufreger. »You know – fuck the EU!«, soll die US-Diplomatin Victoria Nuland in einem Telefonat mit dem US-Botschafter in Kiew gesagt haben. Welcher ihr mit einem »Exactly!« beipflichtete. Es ging in dem Gespräch unter anderem um das Herumeiern der EU in der gegenwärtigen ukrainischen Krise. Und wer hat’s abgehört? Nein, nicht die Schweizer. Auch nicht die NSA. Genau genommen weiß es keiner so genau. Aber schön zu sehen wenn die Amerigauner mal erfahren wie das ist.

Die veröffentlichte Meinung in den »Deutschen Qualitätsmedien™« war gespalten. Die einen zürnten über eine derart unverblümte Aussprache. Andere gaben Politikerstimmen wieder, die zwischen »inakzeptabel« und »unakzeptabel« changierten. Wieder andere Medien übten sich in einer etwas diplomatischeren Übersetzung der Aussage. Da las man von »… vergiss die EU«, »… pfeif auf die EU« oder ähnlich schwachen Versuchen. Dabei ist »… fuck the [whatever]« geläufig und genau das wonach es sich anhört; nämlich Gossensprache. Was vielleicht einige Rückschlüsse auf den generellen Hintergrund von US-Diplomaten zuließe. Aber gut, man soll ja nicht fahrlässig verallgemeinern.

Was ist an diesem »… fuck the EU« eigentlich so schlimm? Immerhin hat Frau Nuland nur dienstlich mit einem Botschafter telefoniert, und nicht – wie seinerzeit Ronald Reagan bei einer Mikrofonprobe – die atomare Vernichtung Russlands angekündigt (»… we begin bombing in five minutes …«). Dabei ist der Inhalt des Telefonats mit dem US-Botschafter in Kiew viel eher ein Grund sich aufzuregen. Es sollte mittlerweile jedem bekannt sein, wer hinter all den seltsamen Revolutionen in der jüngeren Vergangenheit steckt. Egal ob Tunesien, Libyen, Ägypten, Syrien oder Ukraine. Immer wieder tauchen die Abkürzungen CIA und NGO auf. Sprich: US-Geheimdienste und Nichtregierungsorganisationen (Non Governmental Organizations). Mindestens im Falle Syriens und der Ukraine auch mit Beteiligung von Deutschen Organisationen. Und das ist der eigentliche Skandal.

Man mag von der Regierung Assad in Syrien oder von der Regierung Janukowytsch in der Ukraine halten was man will. Doch sind dies Regierungen souveräner Staaten, deren Völker laut UN-Charta ein Recht auf Selbstbestimmung und Nichteinmischung haben. Assad wird indes vom Westen wegen seiner Nähe zum Iran bekämpft, Janukowitsch wegen seiner Nähe zu Russland. Wenn die jeweiligen Völker damit nicht zufrieden sind, müssen sie selbst etwas dagegen tun. Stattdessen sorgen die USA und die EU in diesen Ländern für Aufruhr. Geben dem Vernehmen nach den Demonstranten sogar Taschengeld, wenn sie sich an den Protesten beteiligen. Die Deutsche Konrad-Adenauer-Stiftung entblödet sich nicht, einen Preisboxer ins Rennen um die ukrainische Staatsführung zu schicken. Was wiederum den USA nicht passt. Auch darum ging es in dem Telefonat zwischen Nuland und Botschafter Geoffrey Pyatt. Es gibt unter den westlichen Machtblöcken also ganz offensichtlich unterschiedliche Interessen im Gerangel um die Ukraine.

Auch wenn nicht wenige Ukrainer der Meinung sind, man solle das Janukowytsch-Regime im Dnepr ertränken, gibt es zugleich viele andere die das nicht so sehen. Denn sonst wären Janukowytsch und seine Leute nicht ins Amt gekommen. Man darf hoffen, dass die westlichen Intrigen und Manipulationen in keinen Bürgerkrieg münden. So wie in Syrien schon seit Jahren. Dort bekämpfen sich Regierung und sogenannte Oppositionelle. Letztere sind aber nicht etwa einfach politische Opponenten. Nur in einer kleinen Minderheit setzen sie sich aus unzufriedenen syrischen Bürgern zusammen. Der Großteil der dortigen Opposition wurde jedoch aus aller Herren Länder herbeigekarrt. Gotteskrieger, Al-Kaida-Mitglieder und sonstige Terroristen. Mord, Totschlag und Unterdrückung sind an der Tagesordnung. Autobomben, Selbstmordattentäter, selbst vor der Anwendung von Giftgas schrecken diese Oppositionellen nicht zurück.

Wie wird es wohl in der Schweiz weitergehen? Dort hatten sich letzten Sonntag die wahlberechtigten Bürger mit einer hauchdünnen Mehrheit von 50,3 Prozent für eine strengere Reglementierung der Zuwanderung ausgesprochen. Ein Rückfall in Zeiten übelster Demokratie und Meinungsfreiheit. Sowas geht ja gar nicht. Weshalb sich hierzulande Volksverr … äh … treter aller politischer Couleur einig echauffierten ob solcher Machenschaften. Denn wahre Demokratie ist nicht, wenn die Bürger frei und geheim abstimmen. Demokratie gibt es nur, wo »Freiheitlich-Demokratische Grundordnung™« draufsteht. Nur dort wo die umfassende Desinformation des Volkes funktioniert, es Meinungs- und Denkverbote gibt, herscht wirklich »Demokratie™«. All das hat es in der Schweiz nicht. Zumindest wohl nicht in dem Maße wie bei uns. Ergo herrscht dort auch keine »Demokratie™«, sondern nur eine unkontrollierte Demokratie. Weshalb sich Wolfgang Schäuble – sinngemäß – zu der Äußerung hinreißen ließ, die Schweiz müsse sich nun auf Konsequenzen gefasst machen.

Man wird sehen wann es in Genf oder Zürich soweit ist, dass eine irgendwie geartete Opposition Plätze bevölkert und randalierend durch die Straßen zieht. Absurder Gedanke? Von wegen. Vor ein paar Wochen lud die FPÖ in Wien zum Akademikerball in die Wiener Hofburg. Mehr oder weniger ein Ersatz für den in früheren Jahren stattfindenen Korporationsball der österreichischen Burschenschafter, der von der Betreibergesellschaft der Hofburg kurzerhand abgesetzt wurde. 400 Ballgäste fanden sich in festlicher Abendkleidung ein. Außerdem 2.000 Polizisten um Gäste und Anwohner zu schützen. Unverhältnismäßig und provokant, wie linke Politiker hinterher beklagten. Denn es kamen ja nur 8.000 gewaltbereite linksextreme Chaoten, die den friedlichen Ablauf störten. Zusammenfassendes Zitat: »Verletzte Polizisten, eingeschlagene Schaufenster, beschädigte Autos, geschockte Touristen und ein Schaden von über einer Million Euro«. Unnötig zu erwähnen, dass viele Medien nur von Krawallen beim Akademikerball berichteten. Nichts jedoch von Tausenden Linksextremen, die zum Teil extra aus der BRD herangekarrt wurden.
Siehe auch: Grüne Gewalt: Nullstes Verständnis für Andersdenkende

Tja, so funktioniert eben »Freiheitlich-Demokratische Grundordnung™«. Syrien bekommt das zu spüren, die Ukraine, Österreich und eines Tages werden es auch die Schweizer begreifen – müssen. Dann ist Schluss mit Freiheit und »Unus pro omnibus, omnes pro uno«, Wilhelm Tell wird zum Terroristen degradiert und der Rütlischwur zu rechtsextremem Gedankengut … bis dahin: Felix Helvetia.

Irgendwo bin ich jetzt abgeschwoffen. Wo waren wir? Achja, »… fuck the EU«. Offen gesagt sind mir US-amerikanische Umgangsformen nicht besonders geläufig. Aber natürlich möchte ich Frau Nuland an dieser Stelle höflich auf Amerikaans zurückgrüßen. Mit einem herzlichen: »Thanks, and fuck you too!« 😉

MfG
Hans

Eine Antwort zu “»You know – fuck the EU!«”

  1. zdago sagt:

    @Immerhin hat Frau Nuland nur dienstlich mit einem Botschafter telefoniert

    na ja – ein freud’scher Versprecher ! Wovon das Herz voll ist, davon läuft der Mund über!
    Sie hat nur offen ausgesprochen, wie die US-Eliten über die europäischen Kolonien denken (und das zu Recht), und der Lauscher an der Wand …

    mfg zdago