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Wie lange bin ich jetzt schon ADAC-Mitglied? Das war so etwa 1988 oder 89, da hatte ich es in einem Anfall von maximaler Zerstreutheit völlig vertranspiriert zu tanken. Was eine Glanzleistung im Ignorieren des Faktischen darstellte. Denn mein damals nagelneuer Omega – Friede seinem Recycling – besaß neben dem obligatorischen Warnlämpchen einen der ersten Bord-Computer. Letzterer konnte mir sogar sehr genau vorrechnen, wie lange es dauert bis ich mangels Kraftstoff liegenbleibe. Der Ermahnungen im Vorfeld gab es also genügend, allein die Autobahntankstelle Holzkirchen war noch etliche Kilometer entfernt. So weit reichte das Benzin nicht mehr. Wenigstens schaffte ich es in die Nähe der nächsten Notrufsäule.

Notrufsäule deshalb, weil die Morgenröte der für einen einfachen Arbeitnehmer erschwinglichen Mobiltelefone noch vier oder fünf Jährchen auf sich warten ließ. Weitaus zeitiger war der Mann vom ADAC zur Stelle, der meinem Automobil Pistensaft aus einem Reservekanister kredenzte. Erleichtert und dankbar für die schnelle und außerdem kostenlose Hilfe fragte ich nach der Mitgliedschaft im Club. Tja, so sah mein Einstieg beim ADAC aus. Habe mittlerweile meine beiden Autos dort versichert und bezahle mit deren Kreditkarten. Einen Gelben Engel brauchte ich seit dem unvergessenen Auftakt kein einziges Mal mehr (dreimal auf Holz geklopft).

Natürlich weiß ich nicht, wie die übrigen 19 Millionen Mitglieder zum ADAC gekommen sind. Ebensowenig, wie der Großteil von ihnen über die aktuellen Ereignisse in und um den Club denkt. Nachdenklich macht es allemal. Nein, nicht der Lapsus mit den geschönten Teilnehmerzahlen bei der Wahl des Lieblingsautos der Deutschen. Dem ADAC war es offenbar peinlich, wenn sich von 19 Millionen Mitgliedern gerade mal eine Handvoll bequemten an einer Abstimmung teilzunehmen. Da wurden die Zahlen halt ein wenig extrapoliert, ohne das Abstimmungsergebnis an sich zu ändern. Klar hat das ein leises G’schmäckle. Doch nimmt man bei diversen Themen in Tagesnachrichten und anderen Veröffentlichungen weit üblere Gerüche wahr.

Viel eher macht nachdenklich, warum plötzlich die geballte Kraft der »Deutschen Qualitätsmedien™« eine Mücke zu einem elefantösen Skandal hochstilisiert. Jene Journaille deren wesentliche Alltagsleistung darin besteht, die vorgefertigten Meldungen internationaler Agenturen per Kopieren und Einfügen wiederzukäuen. Doch wenn es darum geht dem ADAC jetzt eine reinzuwürgen, raffen sie sich geradewegs zu journalistisch-investigatorischen Höchstleistungen auf. Herrje; was wird uns aus Politik, Wissenschaft und Finanzwelt tagtäglich alles vorgelogen. Aber da trauen sie sich anscheinend nur ran, wenn sie aus dem Hintergrund ein Zeichen kriegen. Dem ADAC soll indes am Zeug geflickt werden. Manche machen bereits offen Vorschläge, wie sich die Mitgliedschaft dort mittels Leistungen anderer Anbieter vermeiden lässt. Wie es heißt, beschäftigt sich ein Gericht mit dem Status des ADAC als Verein. Zugegeben an der Stelle; von einem Verein hat der Bürger landläufig andere Größenvorstellungen.

Aber was hat der Club wirklich ausgefressen? Mit wem hat er sich angelegt, damit ihm so viel Niedertracht zuteil wird? Ich habe da so einen leisen Verdacht. Vielleicht mal ein Gedankenspiel:

Vor ein paar Jahren leistete der damalige Verkehrsminister Peter Ramsauer quasi einen Offenbarungseid. Er meinte dass für die Verkehrsinfrastruktur in seinem Verantwortungsgebiet alljährlich zwei Milliarden Euro fehlten. Eine Lösung war schnell zur Hand: Die Autobahnmaut für Pkw sollte es richten. Für den gewöhnlich desinformierten Dumpfbürger schien das völlig plausibel. Nicht so für den ADAC. Der rechnete vor, dass von 53 Milliarden Euro jährlicher Einnahmen aus dem Straßenverkehr gerade einmal 17 Milliarden in die Verkehrswege zurückflössen. Eine Pkw-Maut für Autobahnen, eventuell noch für andere Fernstraßen, hierzulande demgemäß die reine Abzocke wäre. Das Argument leuchtete damals sogar unserem Bundeshosenanzug in Berlin ein. Womit das Thema für’s Erste wieder in der Versenkung verschwand.
Siehe auch: Eigensinnig.org – Ramsauer! Oder wer spinnt hier?
Und: Eigensinnig.org – Ramsauer! Der Nachschlag vom ADAC.

Doch ist einer ganz schön naiv, zu glauben die Pläne von der Autobahnmaut für Pkw würden nun für alle Zeit in die Mottenkiste der Geschichte gesteckt. Denn dafür ist die Idee einfach zu gut. Nicht für den autofahrenden Bürger oder das Volk per se, aber für eine andere Klientel. Als nächster kramte König Horst I. von Bayern – Horst Seehofer – die Pläne letztes Jahr wieder hervor. Verbunden mit einer ganz perfiden Begründung: Die vielen Ausländer sollten endlich auf bundesrepublikanischen Autobahnen Maut bezahlen. So wie es Deutsche in ihren jeweiligen Urlaubsländern auch müssen. Wohl wissend, dass sich diese Maßnahme rechtlich nicht durchsetzen ließe. Denn das verstieße gegen den Gleichheitsgrundsatz in Europa und der BRD.

Ich habe mich auf Autobahnfahrten ein paarmal gezielt nach ausländischen Kennzeichen umgeschaut. Sie sind vorhanden, zweifellos. Seltsam wenn dem nicht so wäre. Viele fand ich an Lkw, die ohnehin vollautomatisch abkassiert werden. Ausländische Pkw, ob mit oder ohne Wohnwagen hinten dran, gab es auch. Aber nicht in dem Maße, dass man an eine Invasion glauben mochte. Außerdem traf ich an Tankstellen und in Rasthäusern auf viele Ausländer. Ergo ist es nicht so, als würden sie gar kein Geld hierlassen. Gut, zur Urlaubszeit sind ein paar Ausländer mehr auf Deutschlands Autobahnen unterwegs. Aber das müssen die Pisten eben hin und wieder aushalten. Schließlich haben wir das beste Fernstraßennetz Europas, wenn nicht der Welt.

3. Ausländische Fahrzeuge werden durch die Energiesteuer bereits umfassend an den Infrastrukturkosten beteiligt – sie bringen dem Staat damit fast das Doppelte an Einnahmen als sie an Kosten verursachen. Ohnehin wird der Anteil ausländischer Pkw an der gesamten Pkw-Fahrleistung auf deutschen Autobahnen häufig überschätzt: Er liegt im Jahresschnitt nur bei knapp sieben Prozent. Berechnungen belegen, dass mögliche Mautzahlungen ausländischer Pkw nicht einmal ausreichen würden, um die entstehenden Systemkosten zu decken.

Quelle: ADAC – Zur Sache, Pkw-Maut

König Horst ließ unterdessen nicht locker. Wenn er aus rechtlicher Perspektive die Ausländer nicht allein zur Kasse bitten kann – was er wohl auch nie wirklich beabsichtigt hatte -, dann solle auf Deutschlands Autobahnen eben eine Vignettenpflicht für Alle gelten. Für diese Maßnahme würde dann auch Brüssel sein Placet erteilen. Dem Deutschen Autofahrer stellte König Horst für den Erwerb des Pickerls zugleich eine Entlastung in Form eines Nachlasses von der Kfz-Steuer in Aussicht.

Schlau, aber nicht schlau genug. Einerseits meldeten sich schnell die üblichen Verdächtigen zu Wort, denen es nicht einleuchten wollte warum der Besitzer eines angeblich so umweltfreundlichen Hybrid- oder Elektrofahrzeugs einem bösen Spritschlucker gleichgestellt sein soll. Doch auch die durchaus berechtigten Stimmen derer, die aus Berufsgründen die Autobahnen nutzen, wurden laut. Und wie wolle der Bund jene entschädigen, die Jahr und Tag nicht auf der Autobahn fahren? Denn die müssten ja dann die volle Kfz-Steuer entrichten. Und gibt es eine Garantie, dass die Steuererleichterung nicht früher oder später heimlich, still und leise wieder eingeebnet wird? Und, und, und schon wird es kompliziert.

Was treibt König Horst I. von Bayern eigentlich an, bei allem erwiesenen Nonsens der Maßnahme auf Deutschen Autobahnen eine Vignettenpflicht einführen zu wollen? Die Ausländer, die sich erfrechen kostenlos unsere Fernstraßen mitzunutzen? Glaube ich nicht. Das können wir locker ab. Ich schreibe bewusst »unsere Fernstraßen«. Denn noch gehören sie uns Bürgern, die Autobahnen und Bundestraßen. Doch wenn diese eines Tages dank Vignettenpflicht eine abgrenzbare Größe im Bundeshaushalt wären, könnte man in Berlin ja auf die Idee kommen das ganze Paket an die »Internationale Hochfinanz« zu verscherbeln. Die steht nämlich schon in den Startlöchern, um sich den Leckerbissen mit selbst erzeugtem Geld einzuverleiben. Erste Versuche einer Privatisierung sind in Bayern bereits im Gange. Der folgende Link zeigt, wie mit der Aneinanderreihung von Worthülsen und sinnfreien Begründungen ein an sich völlig überflüssiges Projekt verargumentiert wird. Als ob der Bund die A8 nicht allein ausbauen könnte.
Siehe auch: Pilotprojekt a+ – Autobahnplus

Nun hat der ADAC – der immerhin fast ein Viertel der Deutschen Bevölkerung vertritt – neuerlich den Versuch einer Pkw-Maut in Deutschland hintertrieben. Und damit den ersten Schritt eines möglichen Verkaufes des Deutschen Fernstraßennetzes an die »Internationale Hochfinanz«. Jener Hochfinanz, die es sich einerseits leisten kann mit schnell erzeugtem Geld (Fiat Money) alles auf der Welt zu kaufen. Die andererseits kontrolliert was die Presse berichtet, welche Meinung veröffentlicht wird, wer gut und wer böse ist. Mit denen legt man sich besser nicht an.

Wie oben erwähnt; ein Gedankenspiel. Es könnte die Vehemenz erklären, mit der der ADAC zurzeit medial verfolgt wird. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Und wer auf Wahrheit besteht – hier im Zusammenhang mit der Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur – sollte natürlich selbst besser nicht schummeln. Sonst kommt alle mediale Macht über einen, sobald auch nur die kleinste Information durchsickert. Welchen Nutzen hatte die Wahl zum »Gelben Engel« bislang überhaupt? Allein die geringen Teilnehmerzahlen belegen die kolossale Überflüssigkeit der Abstimmung. Wen es interessiert welches Auto das beliebteste in der BRD ist, der schaut sich einfach die Zulassungszahlen beim Kraftfahrt-Bundesamt an.

Dem oberen Management beim ADAC würde ich indes empfehlen, noch einmal die Schulbank zu drücken. Schwerpunkt: Krisenmanagement. Denn so dackelhaft, wie man mit dem aktuellen – und noch dazu selbst geschaffenen – Problem umgegangen ist, hat sich weiland Christian Wulff hervorgetan. Außerdem würde es dem ADAC nicht schaden, diversen unnötigen Tinnef über Bord zu werfen. Auf dass er weiterhin wachsam die Interessen seiner Mitglieder vertritt.

MfG
Hans

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