Diese Webseite verwendet im Normalbetrieb keine Cookies. Es sei denn, Sie schreiben hier Kommentare. Oder Sie versuchen sich anzumelden.cookies policy.     HABS KAPIERT

»Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben«, soll Michail Gorbatschow anlässlich seines DDR-Besuches im Oktober 1989 gesagt haben. Nur finden sich keinerlei Tonaufnahmen die das belegen. In Wahrheit stammt der Satz wohl von Gennadi Gerassimow, dem persönlichen Sprecher Gorbatschows. Doch egal wer diese Redewendung letztlich in die Öffentlichkeit entließ; sie stimmt oder auch nicht. Es kommt immer auf die Umstände an. Man stelle sich nur die klassische Alltagssituation mit dem Piano vor, das den Kranschlaufen entschlüpft und der Schwerkraft folgend Kurs auf den Bürgersteig nimmt. Wer möchte da schon pünktlich drunterstehen?

Bei anderer Gelegenheit wäre es sicherlich besser, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Oder zur rechten Zeit das Richtige zu tun. Rechtzeitig einen Platz beim bevorstehenden NSU-Prozess reservieren, beispielsweise. Ja, ich weiß was Sie jetzt sagen wollen und sie haben recht. Der »National-Sozialistische Untergrund« (NSU) ist nur ein virtueller Mülleimer, in den verschiedene Behörden und Organisationen unliebsame Altlasten entsorgten. Einschließlich Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, die beiden nützlichen Idioten für die Schmutzarbeit. Der Dritten im Bunde, Beate Zschäpe, sowie vier weiteren Unterstützern des NSU soll nun ab 17. April in München der Prozess gemacht werden.
Siehe auch: Eigensinnig.org – ’s mannichelt wieder

Wie auch immer; wenn das Konstrukt einer bitterbösen Geheimorganisation namens NSU bestehen bleiben soll, braucht es natürlich einen fachmännischen Prozess. Denn sonst wäre die Farce ja eine Farce. In dem Prozess soll jetzt aber nicht darüber befunden werden, ob es den NSU wirklich gab und was der – mit welcher Intention – tatsächlich alles angestellt haben soll. Da scheinen sich wohl alle bereits einig. Man will herausfinden, wie nazi Beate Zschäpe war oder noch ist und ob sie von den behaupteten Umtrieben des NSU wusste. Sich eventuell sogar daran beteiligt hatte. Gleiches gilt auch für vier Unterstützer derer man habhaft werden konnte.

Ganz abgesehen von 129 weiteren Unterstützern, denen im Wesentlichen zur Last gelegt wird das Trio gekannt zu haben. Denn auch das ist nicht so ganz ohne, wenn man die unappetitliche Hexenjagd um die Deutsche Sportlerin Nadja Drygalla bei den Olympischen Spielen letztes Jahr erinnert.
Siehe: STUTTGARTER ZEITUNG.DE – Noch mehr V-Leute im NSU-Umfeld?

Nun sollte also im April der Prozess beginnen. Selbstverständlich öffentlich. Was wäre ein Schauprozess ohne Öffentlichkeit. Für Presse und andere Medien sind in dem Sitzungssaal 50 Plätze reserviert, um die sie sich bewerben konnten. Bereits am 4. März hatte das Oberlandesgericht (OLG) München den Zeitpunkt und die Akkreditierungsbedingungen auf seiner Webseite bekannt gegeben. Am 5. März verschickte das Gericht ab 8:56 Uhr zudem zur Erinnerung E-Post für die Akkreditierung und Platzreservierung an die Büros der in- und ausländischen Presse. Um 11:42 Uhr waren alle Plätze vergeben. Rechtzeitig beworben hatten sich mit Ausnahme von RTL Niederlande nur Pressevertreter aus Deutschland. Die Platzvergabe erfolgte in der Reihenfolge des Eingangs der Anträge. Die türkischen Pressevertreter haben sich viel zu spät um einen Platz bemüht. Vertreter anderer ausländischer Medien bewarben sich gar nicht erst und werden, wenn überhaupt interessiert, wohl auf Agenturmeldungen zurückgreifen.
Siehe: Oberlandesgericht München – Pressemitteilung Strafsachen vom 4. März 2013
Siehe auch den darin enthaltenen Verweis Sicherheitsverfügung [intern] (PDF)

In wenigstens zwei Fällen kam es in der Benachrichtigung am 5. März zu einer Panne. Bei der türkischen Zeitung »Sabah« und beim Deutschen »Spiegel« gab es einen Tippfehler in der E-Postadresse. Das wurde um 9:17 Uhr korrigiert. Beim »Spiegel« reagierte man umgehend, reichte am gleichen Tag um 9:36 Uhr den Akkreditierungsantrag ein und erhielt eine Reservierung unter den ersten 50. Die Zeitung »Sabah« bequemte sich erst am 6. März um 11:59 Uhr zu einer Reaktion und landete in der Liste auf Platz 75. Insgesamt bewarben sich 123 Pressevertreter, davon 8 türkische. Es bleibt zu spekulieren, wann die endlich in die Puschen kamen.

Wenige Tage später wurde aus dem seit Jahrzehnten geübten Vergabeverfahren ein Skandal produziert, weil die türkischen Medien keine reservierten Sitzplätze erhielten. Die türkische Hürriyet titelte auf Deutsch »Türkische Presse nicht erwünscht«. Es war von Rassismus die Rede, vom Ausschluss der türkischen Medien. Der türkische Botschafter schaltete sich ein, danach auch der türkische Außenminister. Türkische Politiker, sowie türkische Verbände innerhalb Deutschlands, verlangten einen Beobachterstatus während des Verfahrens. Stets willfährige Deutsche Politiker pflichteten den Forderungen bei, wohlwissend dass sie selbst dieses Privileg in einem Deutschen Gerichtssaal nicht für sich beanspruchen könnten.

Die saumselige Tageszeitung »Sabah« zog in der Zwischenzeit vor das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe und erstritt in einem Eilantrag, dass das OLG München eine angemessene Anzahl reservierter Sitzplätze für türkische und griechische Journalisten vorhalten müsse. Die Grundlage der Entscheidung hat freilich mit Verfassung, bzw. Grundgesetz, nichts zu tun. Damit ist sie wohl politisch, wie in jüngerer Zeit häufiger zu beobachten. Mit Recht hat das wenig gemein.

Fazit: »Sabah«, auf Deutsch »morgens«, ist morgens zu verschnarcht einen reservierten Platz im Gerichtssaal nach ortsüblichen Regeln zu erhalten. Nach über 26 Stunden wachten sie dort endlich auf und mussten feststellen, das es wohl etwas spät ist. Also bedient man sich der Rassismuskeule und politischem Druck, damit sie doch noch einen Platz ergattern.

Zwischenzeitlich hat das OLG München zu Plan B gegriffen und das Los entscheiden lassen. Das ist die zweite Option im Vergabeverfahren und keineswegs neu. Neu ist die vorsorgliche Reservierung von vier Plätzen, die unter den türkischen Medien verlost wurden. Nur für den Fall dass sich Göttin Fortuna auch »rassistisch« zeigen sollte und die Türken wieder leer ausgehen würden. Den Rest der Plätze loste man regelkonform zwischen den übrigen Antragstellern aus. Wobei Fortuna offensichtlich eine Kostprobe ihres Humors zum Besten gab. Die Welt, die FAZ, die Zeit, die Süddeutsche Zeitung und die linksextreme taz können beim Schauprozess mit dem Ofenrohr ins Gebirge schauen. Stattdessen kommen nun beispielsweise kabel eins, RTL 2, Brigitte, Radio Lotte Weimar und das unerwünschte Käseblättchen, das mir immer meinen Briefkasten verstopft, zum Zuge. Ob sich auch Vertreter einer Apothekenzeitschrift unter den Prozessbeobachtern befinden, lässt sich im Moment nicht feststellen.

Ja, wenns mal blöd läuft dann läufts richtig blöd. Aber wer sagt denn dass sich die taz damit abfinden will? Nach der ersten Runde – in der die Schnarchsäcke aus dem Morgenland nicht zum Zuge kamen – lamentierte die taz noch ob der großen Ungerechtigkeit, die den türkischen Medien widerfuhr. Nun, nach der zweiten Runde, lamentiert die taz weil ihr das Losglück nicht hold war. Dabei könnten die linksdrehenden Journaille-Kulturen doch froh sein über den günstig gebeugten Zufall für die Türken. Doch nein, jetzt geht es dem Vernehmen nach in Richtung Karlsruhe. Zum Beispiel um eine Videoübertragung in einen anderen Saal durchzusetzen. Was wohl nicht von sonderlich viel Erfolg gekrönt sein wird. Denn damit sind vorige Woche bereits einige Nebenkläger gescheitert. Das Bundesverfassungsgericht nahm die Klage nicht zur Verhandlung an. Das mischt sich in solchen Dingen nämlich nur ein wenn die Politik auf die richtigen Knöpfe drückt.
Siehe: FOCUS ONLINE – Bundesverfassungsgericht weist Klage ab – Keine Videoübertragung des NSU-Prozesses

Aber noch ist für die taz nicht alles verloren. Sie kann immer noch bei Hürriyet und Sabah abschreiben. Verdient hat sie es sich ja redlich. 😉

MfG
Hans

Eine Antwort zu “Empörte Schnarchsäcke und andere Vergnatzte”

  1. zdago sagt:

    Na ja – die Toten gehen ja mehr auf das Konto der türkischen organisierten Kriminalität – aber die deutsche Justiz ???

    Bin gespannt, ob man aus Deutschland jetzt noch Einwände gegen die türkische EU-Mitgliedschaft haben darf ?
    Ich befürchte, Merkel wird demnächst Begrüßungsgelder verteilen für jeden Türken – und die EU-Mitgliedschaft incl. Finanzspritzen !
    mfg zdago