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Flugzeugträger dienen dazu, den Krieg in alle Welt zu tragen
Heute jährt sich zum zehnten Mal der offizielle Kriegsbeginn im Irak. Am 20. März 2003 überfielen die USA, flankiert von einer Koalition der Willigen, das Land. Mit Begründungen, die genauso fadenscheinig und gefälscht waren wie schon in den Jahren 1990/91. Damals überfielen die USA den Irak schon einmal. Den Ausschlag für den Überfall in den 1990ern gab die Aussage einer verlogenen heulenden Schlampe vor dem US-Kongress, die sich als kuwaitische Krankenschwester ausgab. Sie wolle beobachtet haben, wie irakische Soldaten Frühchen aus den Brutkästen rissen und auf den Boden warfen. Na für sowas fängt man doch gerne einen Krieg an. In Wahrheit war die fünfzehnjährige Nijirah al-Sabah die Tochter des kuwaitischen Botschafters in den USA und hatte in ihrem jungen Leben wohl nie einen Schwesternkittel an.

Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst, heißt es. Man möchte verbessernd hinzufügen, dass die Wahrheit längst gestorben ist wenn der Krieg beginnt. So auch 2003, vor der Operation Iraqi Freedom. Die Propaganda hatte bestens vorgesorgt. Der Großteil der US-Amerikaner war fest davon überzeugt, Saddam Hussein hätte seine Finger an 9/11 im Spiel gehabt. Alle wussten, der Irak besitze mobile Massenvernichtungswaffen und könne sie gegen die USA einsetzen. Die überwältigende Mehrheit der US-Bevölkerung befürwortete einen Angriffskrieg. US-Außenminister Colin Powell versuchte mit einer Art zusammengebastelter Powerpoint-Präsentation den UN-Sicherheitsausschuss von der Gefährlichkeit der irakischen Massenvernichtungswaffen zu überzeugen. Und das, obwohl UN-Waffeninspekteure vor Ort das genaue Gegenteil feststellten. Sie fanden keine einzige der »Weapons of Mass Destruction« (WMD), von denen Powell vor dem Ausschuss fabulierte. David Kelly, ein britischer Waffeninspekteur, starb eines heimtückischen Selbstmordes nachdem er Manipulationen an den Untersuchungsberichten in einem BBC-Interview beklagte.

Der Krieg begann, auch ohne UN-Mandat. Großbritannien beteiligte sich maßgeblich. Der britischen Regierung unter Tony Blair lag ein gemeinsames Gutachten aller 27 Rechtsexperten des Auswärtigen Amtes vor, nach dem ein Angriff auf den Irak als völkerrechtswidrig eingestuft wurde. Doch wen schert das Völkerrecht, wenn USA und »Internationale Hochfinanz« zu den Waffen rufen.
Siehe: examiner.com – All 27 UK Foreign Affairs lawyers: Iraq war unlawful. Obama, politicians, US media: no response (eng.)
Es hätte keines Gutachtens bedurft. Selbst der Dümmste hätte kapieren müssen dass der Überfall auf den Irak Unrecht war. Dennoch fanden sich neben den USA und Großbritannien 46 weitere Staaten, die an dem Raubzug mehr oder weniger freiwillig teilnahmen. Alle zusammen auf Deutsch »Koalition der Willigen« genannt. Die Bezeichnung wandelte sich im Internet schnell zu »Koalition der Billigen«. Mitglieder der Koalition am 21.03.2003 in alphabetischer Reihenfolge:

Afghanistan, Albanien, Aserbaidschan, Äthiopien, Australien, Bulgarien, Costa Rica, Dänemark, Dominikanische Republik, El Salvador, Eritrea, Estland, Georgien, Großbritannien, Honduras, Island, Italien, Japan, Jordanien, Kolumbien, Kuwait, Lettland, Litauen, Marshallinseln, Mazedonien, Mikronesien, Mongolei, Nicaragua, Niederlande, Palau, Panama, Philippinen, Polen, Portugal, Ruanda, Rumänien, Salomonen, Singapur, Slowakei, Spanien, Südkorea, Tschechische Republik, Türkei, Uganda, Ukraine, Ungarn, USA und Usbekistan.
(Costa Rica ließ sich 2004 von der Liste entfernen, weil es keine Truppen besitzt und lediglich politische Unterstützung angeboten hatte.)

Sieben Wochen nach dem offiziellen Kriegsbeginn, am 1. Mai 2003, landete George W. Bush medienwirksam als Kopilot mit einem Kampfjet auf dem Flugzeugträger USS Abraham Lincoln und verkündete in einer Rede den Sieg über das Regime in Bagdad. Und natürlich die Befreiung des irakischen Volkes. Über ihm prangte an der Brücke des Flugzeugträgers ein Plakat mit der Aufschrift »Mission accomplished«. Auf Deutsch: Mission erfüllt. Von erfüllt konnte aber längst keine Rede sein. Im völlig destabilisierten Irak gingen die Kämpfe noch Jahre weiter. Die Schiiten rächten sich an den vorher bevorzugten Sunniten für die jahrzehntelange Unterdrückung. Bombenanschläge gehörten zum Tagesprogramm. Selbst das britische Militär mischte bei den Anschlägen fröhlich mit, wenn es sich davon taktische Vorteile versprach. Letzteres kam zutage als ein britisches Terrorkommando von Spezialkräften befreit werden musste, nachdem Polizisten der irakischen Marionettenregierung sie in flagranti verhaftet hatte.

Im April 2004 wurden Einzelheiten über das Folterlager Abu Ghuraib in der Nähe von Bagdad bekannt. Demnach haben US-Militärs Gefangene erniedrigt, missbraucht, gefoltert. In über 100 Fällen ging die Folter der Gefangenen systematisch bis zum Tod. Nach internationalen Protesten stellten die USA ein paar Bauernopfer aus der US-Army vor Gericht, die man dann auch zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilte. Niemand von denen musste die ganze Haftzeit absitzen. Die Versicherung der US-Regierung, von den Zuständen in Abu Ghuraib nichts gewusst zu haben, wurde schnell widerlegt. Folter gehört nicht erst seit Guantanamo zum Standardprogramm der USA.

Nach mehr oder weniger offiziellen Zahlen kostete der Krieg im Irak von 2003 bis 2011 28.800 bis 37.400 irakischen Kämpfern das Leben. Die Verwundeten hat niemand gezählt. Im gleichen Zeitraum hat die »Koalition der Willigen« 24.219 Soldaten verloren, 117.961 wurden verwundet. Am meisten litt wie üblich die Zivilbevölkerung. Je nach Quelle starben 115.000 bis 600.000 Zivilisten. Männer, Frauen und Kinder.

Nach der Einnahme von Bagdad hatte das US-Militär nichts Eiligeres zu tun als das Ölministerium zu sichern. Zugleich wurde seelenruhig dabei zugeschaut, wie sich Kriminelle Kulturgüter aneigneten. Sie plünderten das Nationalmuseum der Stadt, vernichteten Inventardatenbanken. Die irakische Nationalbibliothek wurde durch einen Brand völlig zerstört. Das gleiche gilt für uralte Baudenkmäler und Ausgrabungsstätten. Unersetzliche jahrtausendealte Kulturschätze aus den Anfängen menschlicher Zivilisation gingen für immer verloren oder landeten in den Händen von reichen kriminellen Kunstsammlern. Nur wenige Artefakte konnten sichergestellt werden.

Bis heute ist im Irak keine Ruhe eingekehrt, die Wirtschaft liegt am Boden. Die irakische Bevölkerung leidet großen Mangel. Zudem bereitet die von den USA und Großbritannien verwendete Munition aus abgereichertem Uran schwere Umweltprobleme. In der am heftigsten beschossenen Stadt Falludscha kommt jedes vierte Kind missgebildet zur Welt. Eine Folge des giftigen und immer noch strahlenden Urans. Nach Schätzungen einer norwegisch-niederländischen Untersuchungskommission würde eine Dekontamination des Irak 30 Millionen US-Dollar kosten. Eventuell ein paar Millionen mehr.

Das ist nichts im Vergleich zu den Kriegskosten selbst. Laut dem weltweit renommierten US-Wirtschaftswissenschaftler Joseph E. Stiglitz sollen sich die Kosten auf 3 Billionen US-Dollar belaufen (Stand 2008). Geld das der Steuerzahler aufbringen muss. Nutznießer sind wie üblich Konzerne und Banken. Im Wesentlichen die US-Ölindustrie, denn unter dem Boden des Irak befinden sich nach Saudi-Arabien die zweitgrößten Ölvorkommen der Erde. Natürlich auch die Rüstungsindustrie und Konzerne wie Halliburton.

Der damalige US-Präsident George W. Bush und sein Amtskollege, Premierminister Tony Blair, wurden in Malaysia in Abwesenheit wegen »Verbrechen gegen den Frieden« als Kriegsverbrecher verurteilt. Ein schwacher Trost, gemessen an dem Leid das beide nicht allein über das irakische Volk brachten.

Bonmot am Rande: In einem Interview Anfang diesen Jahres beklagte sich Ex-Premier Tony Blair darüber, dass die Leute auch 10 Jahre nach dem Irakkrieg noch immer sehr beleidigend zu ihm seien. »Hachgottele«, möchte man ausrufen. Und: »Reicht ihm ein Taschentuch. Mit Zyankali drin«. Zugleich stellt sich die Frage, womit jemand so einen wandelnden Haufen Müll einen solchen Menschen überhaupt noch beleidigen könnte.

MfG
Hans

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