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Kommt ein altes Muttchen in die Bank und will ihr Geld nachzählen. Die freundliche Angestellte am Schalter lächelt und erklärt ihr, das wäre nicht nötig. Sie hätte doch ihre Kontoauszüge, da steht alles drauf. Das Muttchen bleibt hartnäckig und die anderen Bankkunden gucken schon. Der Filialleiter, der die Unruhe bemerkt hat, kommt hinzu. Nach einiger Diskussion mit der resoluten alten Dame lässt er sich den Betrag, den die alte Dame auf dem Konto haben müsste, in sein Büro bringen und bittet das Muttchen hinein, damit sie in aller Ruhe ihr Geld zählen könne. Muttchen setzt sich an den Besuchertisch, kramt ihre Lesebrille aus der Handtasche und fängt an zu zählen. Dabei beäugt sie kritisch jeden einzelnen Schein, hält ihn gegen das Licht. Doch plötzlich, nach den ersten drei Geldbündeln, hört sie auf, steckt ihre Brille wieder weg und meint zu dem verdutzten Filialleiter: »Na, lassen wir es mal gut sein für heute, junger Mann. Bis hierher hat es ja gestimmt«.

GoldEs gibt so Dinge, die lassen mich nachts nicht ruhig schlafen. Doch, ehrlich. Zum Beispiel der Verbleib der Deutschen Goldreserven. Nein, nein, nicht das Nazigold aus dem so genannten »Dritten Reich«. Wo das ist, kann sich jeder denken. Nämlich weg. Nun ja, vielleicht nicht ganz weg. Es hat jetzt nur jemand anders. Aber die BRD (West) häufte in den Zeiten des Wirtschaftswunders nach dem Zweiten Weltkrieg einen nicht unerheblichen Goldvorrat an. Den zweitgrößten Goldschatz der Welt, nach dem der USA. Besitzer dieses gigantischen Vermögens ist die Deutsche Bundesbank. Also wir alle, die wir die Nationalität »DEUTSCH« im Reisepass stehen haben.

Die derzeit noch 3.395,5 metrischen Tonnen Gold resultieren aus der Ära von »Bretton Woods«, in der sich der US-Dollar zu einem festgelegten Satz in Gold umtauschen ließ. Die Deutsche Bundesbank kaufte damals mit Dollarüberschüssen aus der Leistungsbilanz zwischen 1951 und 1968 4.000 Tonnen Gold zusammen. Beließ es aber an den Handelsplätzen in New York, London und Paris mit der Begründung, es sei dort wegen der Gefahr eines militärischen Konfliktes mit dem Warschauer Pakt sicherer. Eine Erklärung die seinerzeit einen Sinn ergab. Wäre der so genannte »Kalte Krieg« jemals heiß geworden, dann hätte er sich großteils auf Deutschem Boden abgespielt. So waren jedenfalls die strategischen Planungen angelegt. Und da war es besser, wenn dem bösen Feind kein riesiger Goldschatz in die Hände fallen konnte.

Es heißt, bei der Federal Reserve Bank of New York lagern gegenwärtig immer noch 45%, bei der Bank of England in London 13% und bei der Banque de France in Paris 11% der Deutschen Goldreserven. Nur 31% befänden sich physikalisch in Gewahrsam der Deutschen Bundesbank. Das wären gerade einmal knapp 1053 Tonnen. Den großen Rest hat von der Bundesbank, wie man liest, über all die Jahre noch nie jemand in Augenschein genommen. Es soll sich zwar um so genanntes Tresorgold handeln. Also um existierendes Metall, keine Goldzertifikate. Doch weiß niemand bei der Bundesbank, ob da nicht angemalte Pappkartons oder vergoldete Wolframbarren lagern. Seit 2007 wird von den USA selbst keine offizielle Kontrolle mehr durchgeführt. Paris und London blocken eine Kontrolle generell ab. Besichtigen kann man die Schätze auch nicht. Weder in New York, London, Paris noch in Frankfurt oder Mainz.

Die Bundesbank ihrerseits spricht seit 1998 in ihren Bilanzen von Gold und Goldforderungen. Macht aber keinen Unterschied zwischen physischem Eigentum und Forderungen. Da wo einem Buchhalter in der freien Wirtschaft ganz fürchterlich auf die Finger gehauen würde, lässt sich die Bundesbank zu offensichtlicher Schlamperei in der Bilanzierung verleiten? Und das bei solchen Werten?

Bis vor wenigen Jahren war die Lagerung der Deutschen Goldreserven ein gut gehütetes Geheimnis. Martin Hohmann (ehem. CDU) brachte im August 2002 Bewegung in die Aufklärung, als er die Parlamentarische Staatssekretärin des Bundesfinanzministeriums – Dr. Barbara Hendricks – über den Verbleib befragte. Nach einigem Herumgeschwurbel kam Monate später heraus, dass sich der größte Teil des Goldes überall auf der Erde befindet. Nur nicht da, wo es hingehört. Man mag sich seinen eigenen Reim darauf machen, warum Hohmanns – zweifellos nur mäßig inspirierte – Rede zum 3. Oktober 2003 in dem kleinen Örtchen Neuhof einen bundesweiten Skandal auslöste. Hohmann wurde aufgrund der Rede Antisemitismus vorgeworfen, obwohl er darin eigentlich das genaue Gegenteil aussagen wollte. Er wurde von den Medien regelrecht hingerichtet. Wer da wohl die Fäden gezogen haben mag?

In jüngerer Zeit versuchten die CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Mißfelder und Marco Wanderwitz, das Deutsche Gold im Ausland zu besichtigen. Dazu verlangte Mißfelder von Bundesbankpräsident Jens Weidmann eine Auflistung der Goldbarren und deren Seriennummern. Zunächst hieß es, es gäbe keine Listen. Später gab es dann doch Listen. Aber die wären geheim, wie man sagte. Überhaupt wolle die Bundesbank nicht das Vertrauensverhältnis mit der Federal Reserve Bank (Fed) gefährden und deshalb Mißfelders Besuchsabsichten nicht weiter unterstützen. Auch würden die Notenbanken in London und Paris keine Besucher vorlassen, weil sie keine Besuchsbereiche hätten. Mißfelder reiste trotzdem nach New York, mit einem Tross von Reportern, um sich selbst ein Bild zu machen. Ein Mitarbeiter der Fed ließ ihn zwar noch einen kurzen Blick in die riesigen Tresorräumlichkeiten werfen. Das Deutsche Gold durfte er jedoch nicht sehen. Das wäre auf einige der 122 dort befindlichen Stahlgitterabteilungen verteilt, sagte ihm der Mitarbeiter. Mißfelder reiste unverrichteter Dinge wieder ab. Zwischenzeitlich ist er zu dem Thema nicht mehr zu sprechen. Ob er wohl einen Hohmann-Effekt fürchtet?

Ähnlich wie vermutlich auch die CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach, die im Sommer diesen Jahres eine parlamentarische Anfrage nach der letzten »körperlichen Inaugenscheinnahme« des Goldes startete. Frau Steinbach gibt sich jetzt mit dem Vorhandensein einer jährlichen Buchinventur zufrieden. Ganz so als ob die Gute nicht wüsste, wie geduldig Papier – oder das elektronische Pendant dazu – sein kann.

Nicht zufrieden gab sich der Bundesrechnungshof. Der forderte in einer früheren Phase des offenbar schon länger schwelenden Konfliktes mit der Bundesbank eine genaue Überprüfung des Deutschen Goldes. Man munkelt sogar von einer Forderung nach vollständigem Heimtransport. Gemäß jüngeren Meldungen haben sich Bundesrechnungshof und Bundesbank auf einen Kuhhandel geeinigt. In den kommenden drei Jahren sollen insgesamt 150 Tonnen des Deutschen Goldes aus dem Ausland geholt und hier eingeschmolzen werden, um die Qualität des Metalls zu prüfen. »Warum das denn?«, fragt sich der misstrauische Bürger ganz zu recht. Und warum nur 50 Tonnen pro Jahr? Gibt es da vielleicht ein Problem?

Das gäbe es eigentlich nicht, wenn die Goldbarren existierten und echt wären. Doch genau das wird vielerorts bezweifelt. Von Barren mit Wolframkern ist die Rede. Die Bundesbank behauptet, mit dieser Aktion Vertrauen schaffen zu wollen. Doch die Methode ist ungefähr so effektiv wie die des alten Muttchens am Anfang des Artikels. Wirkliches Vertrauen könnte nur die vollständige Heimholung des Deutschen Goldes samt genauer Überprüfung schaffen. Alles andere ist Augenwischerei. Es könnte nämlich auch so ablaufen: Die Bundesbank lässt 50 Tonnen der möglicherweise hierzulande vorhandenen Goldbarren zuerst heimlich in die USA schaffen und transportiert sie dann ganz offiziell auf dem Seeweg nach Deutschland zurück. Hier werden die Barren eingeschmolzen, analysiert und – oh Wunder – sie sind alle echt. Das Spielchen lässt sich mit ein bisschen guter Logistik bequem noch zweimal bis 2015 wiederholen. Womit man zugleich der Fed einen großen Gefallen täte, die bekanntlich seit etlichen Jahren im Verdacht steht, in ihren Tresoren einen billigen Wolframschatz zu bewachen.

Misstrauen gegenüber US-Banken ist berechtigt. Nicht erst seit dem Beginn der Subprime-Krise vor wenigen Jahren. Wir wissen alle, was aus den Versprechungen von »Bretton Woods« geworden ist. Die USA waren 1968 noch nicht einmal in der Lage, die berechtigten Forderungen eines einzigen Teilnehmerlandes – nämlich Frankreich – auszuzahlen. Charles de Gaulle schickte damals Kriegsschiffe in Richtung USA, um zu holen was noch zu holen war. Angeblich wurde das französische Gold auf Unterseebooten nach Frankreich geschafft.

Manche Experten hierzulande meinen indes, das Deutsche Gold – setzen wir einmal voraus, es existiert überhaupt physisch – müsse in New York, London und Paris verbleiben. Denn im Falle einer Krise könne das Gold dort schnell in eine der Weltwährungen umgetauscht werden. Wie die nur auf einen solchen Schwachsinn kommen? Wer ist denn so dämlich, im Falle einer Krise Gold in eine schwindsüchtige Papierwährung zu wechseln? Das bunt bedruckte Papier würde nicht einmal mehr für hinterwärtige Zwecke taugen, weil es abfärbt.

Der einzig sinnvolle Ort für das Deutsche Gold im Falle einer Krise wäre Deutschland selbst. Denn nur so ließe sich eine neue – oder alte – Währung stützen. Jedoch nicht mit bilanztechnischen Goldforderungen auf dem Papier. Und selbst wenn keine Krise droht, wäre es mit Blick auf das seltsame Herumgeeiere bei den »Alliierten« durchaus angesagt das Deutsche Gold vollständig heim zu holen. Die Lagerung bei den ausländischen Banken ist ja ganz sicher auch nicht kostenlos. Und es wäre nichts Neues wenn amerikanische Banken Gebühren für die Aufbewahrung von etwas verlangen, was gar nicht da ist.

Langer Rede kurzer Sinn; meines Erachtens ist alles weg bis auf einen lächerlichen Rest, wenn es denn jemals materielle Substanz hatte. Wer in dem Zusammenhang etwas anderes glaubt, der wartet am 24. Dezember sicherlich auch noch tapfer auf das Christkindl. Freilich wird allen – die die öffentlichen Verlautbarungen anzweifeln – entgegnet, sie seien Verschwörungstheoretiker. Aber das kennen wir ja schon. Wer Zweifel äußert, der ist nicht ganz dicht oder gar Schlimmeres. Ich nehme mir dennoch die Freiheit, zu behaupten dass die Deutschen Goldreserven – abgesehen von ein paar Tonnen – nur auf dem Papier existieren. Ob es sie überhaupt jemals physikalisch gab, überlasse ich den Träumen von Politikern und Systemgläubigen.

MfG
Hans

2 Antworten zu “Ei wo isses denn?”

  1. Gilbert sagt:

    An die Hohmann-Rede erinnere ich mich auch noch. Glücklicherweise hatte ich damals bereits nach einem Tag reagiert und noch einen Server gefunden, der den Text zum Download anbot. Zwei Tage später war die genauso flächendeckend von sämtlichen Servern verschwunden wie der Goldschatz. Man muss sich halt darauf verlassen, was einem die Qualitätsmedien und die Arschlitiker vorlügen. Inzwischen würde ich die Aussage „morgens um 10:00 Uhr ist es draußen hell“ eines Politiker erst nach einem Blick aus dem Fenster Glauben schenken.

  2. zdago sagt:

    @.Hohmann – Wer da wohl die Fäden gezogen haben mag?

    Leider habe ich damals gepennt und die Quelle nicht rechtzeitig gesichert.
    Ich kann mich aber noch an die einmalige – und verschwundene – Meldung erinnern, daß es damals einen Anruf einer Dame aus Amerika gab an eine SPD-Instutition – allerdings weiß ich nicht mehr, wer und an wen genau!
    Na ja – die Nachfrage nach den deutschen Goldvorräten in US-Gewahrsam hat da wohl aufgeweckt.
    Man erinnere sich, daß die Beschlagnahmung von Auslandsvermögen der Amerikaner liebstes Spiel ist, sobald jemand zum Feind und neuen Hitler erklärt wird. Konten und Naturalien aller Art gehören dazu, und um Feind kann jeder werden, der den Einwohnern von God’s own Country nicht überläßt, was Gottes ist !

    Im übrigen wissen wir ja von Bankstern und Richtern, daß erstere zwar Gebühren für die Einlagerung von Gold kassieren dürfen, selbiges aber bei weitem nicht physisch vorhanden sein muß – da genügt ein Zertifikat.
    Erstaunlich ist doch mehr, daß die Besatzungsverwaltung überhaupt solche Töne von sich gibt heutzutage – ist das jetzt Politik nach dem Motto : organisiere deinen Widerstand selbst oder der Niedergang der Besatzungsmacht ?

    Von dem Gold allerdings – und da gebe ich dir recht, wird bestenfalls ein Zertifikat übrig sein, für dessen Einlösung uns die militärische Stärke fehlt.
    Merke : jedes Recht ist nur so stark wie die Pistole, es auch durchzusetzen !
    mfg zdago