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Max Streibl (1932 - 1998)»Saludos Amigos!«. Wer erinnert sich noch an Max Streibls (1932 – 1998) letzten großen Auftritt als Bayrischer Ministerpräsident beim Politischen Aschermittwoch in Passau? Ein verzweifelter Versuch, die Amigo-Affäre mit etwas Galgenhumor ins Lächerliche zu ziehen. »Freunde zu haben, ist das eine Schande bei uns in der CSU?«, fragte er unter Beifall der Teilnehmer noch. Hat ihm alles nichts genutzt, drei Monate später war er weg vom Fenster. Oder aus dem Weg. Wie man’s nimmt.
Siehe: Amigo-Affäre

Lothar »Tapferle« SpäthGute zwei Jahre zuvor hatte es seinen Amtskollegen Lothar Späth (CDU) in Baden-Württemberg mit der Traumschiff-Affäre erwischt. Ähnlich wie später Streibl ließ auch Späth sich seinen Urlaub von »Freunden« oder »Amigos« bezuschussen. Und offenbar war auch er jemandem im Weg. Nicht umsonst führt er den Beinamen »Tapferle«.
Siehe: Traumschiff-Affäre

Wie doch die Zeit vergeht. 21 Jahre hat Lothar Späths Traumschiff-Affäre mittlerweile auf dem Buckel. Max Streibls Amigos bringen es bereits auf knapp 19 Jahre. Zwischendrin bis heute weitere unappetitliche Skandale und Skandälchen. Zum Beispiel die Bonusmeilen-Affäre der vom Volke gewählten Spesenritter, die unter anderen Cem Özdemir (Grüne), Rezzo Schlauch (Grüne) und Gregor Gysi (PDS, heute Die Linke) in Erklärungsnot brachte. Oder die Hunzinger-Affäre, über die Rudolf Scharping (SPD) und einmal mehr Cem Özdemir (Grüne) stolperten.
Siehe: Bonusmeilen-Affäre
Und: Hunzinger-Affäre: Özdemir erhielt Darlehen und PR-Honorar
Und: Hunzinger-Affäre: Schröder feuert Scharping

Christian WulffDas ist alles noch im Gedächtnis, beziehungsweise gut dokumentiert zum Nachschlagen. Wie kommt dann Christian Wulff eigentlich auf die Schnappsidee, nach ein bisschen »Stahlgewitter« und einem Jahr des Wohlverhaltens sei die Sache vergessen? Noch dazu, wo er sich in der Angelegenheit sowas von abgrundtief dämlich angestellt hat, dass man schon Mitleid haben muss. Und woher nimmt Wulff die Stirn, die ganze Affäre jetzt zu ignorieren und zur Tagesordnung überzugehen?

Wulff ließ sich als amtierender Ministerpräsident von »Freunden« oder »Amigos« einen richtig günstigen Kredit einräumen. 500.000 Euro zu 4 % per anno und alles ohne Sicherheiten. Im Jahre 2008 lag der übliche Zinssatz bei 8 bis 10 %. Da waren 4 % schon ein echtes Schnäppchen. Einem Normalverbraucher wie mir würde ohne Eigenkapital von der Bank die kalte Schulter gezeigt werden. Aufgrund meines Alters sowieso. Und selbst wenn nicht; unter 5,5 % pro Jahr käme ich zurzeit nicht weg. Ganz davon abgesehen dass die Bank trotz Bonität natürlich ihre Sicherheiten haben möchte. Aber ein frisch geschiedener und frisch verheirateter Ministerpräsident von Niedersachsen, der 2008 auch bereits stark auf die 50 zuging, der bekommt so einen Kredit unter »Freunden« zu Traumkonditionen.

Hinzu kommen noch ein paar kleine Urlaubsaufenthalte bei »Freunden« oder »Amigos« für lau. Und eine kostenlose Höherstufung von der Holzklasse in die Business-Class bei Air-Berlin. Soweit das, was bisher rausgekommen ist. Wer weiß, was da noch alles im Hintergrund lauert. Heute wird ja nur noch zugegeben, was sich ohnehin nicht mehr abstreiten lässt. Gut, andererseits ist niemand verpflichtet sich selbst zu belasten.

Gemäß dem niedersächsischem Ministergesetz, das auch für Ministerpräsidenten gilt, hat Wulff sich der Vorteilsannahme im Amt strafbar gemacht. Das sage nicht ich. Bin kein Jurist. Das hat der Verfassungsrechtler Hans Herbert von Arnim in einem Gutachten festgestellt, das von Juristenkollegen begleitet und kritisch geprüft wurde. Somit also hieb- und stichfest ist. Von Arnim legt Christian Wulff aufgrund der Sachlage eine Selbstanzeige nahe.
Siehe: Bundespräsident Wulff soll sich selbst anzeigen

Nun werden immer mehr Stimmen laut, Christian Wulff solle vom Amt des Bundespräsidenten zurücktreten weil er dessen Würde beschädigt habe. Zudem will die große Mehrheit im Volke das Vertrauen in seine Person verloren haben. Hach Gottele. Wulff ist ein hochrangiger Politiker, ein angepasster Systemling, der mit allen »Freiheitlich Demokratischen™« Wassern gewaschen ist. Wer so einem Menschen bisher vertraut hatte, wäre gut beraten sich mal dringend untersuchen zu lassen.

Bananen-Republik Deutschland (BRD)Aber soll Wulff wirklich von seinem Amt zurücktreten? Das bisschen Dreck, das der offensichtlich am Stecken hat, reicht meiner Meinung nach nicht. Ich bin mir sicher, dass so manch Anderer in der hohen Politik noch viel mehr Leichen im Keller hat. Da oben bleibt niemand sauber. Gut, Wulff hat in der Sache bisher nicht gerade die beste Figur gezeigt. Viel mehr hat er bewiesen, dass er mit Öffentlichkeit, Medien und Druck absolut nicht umgehen kann. Doch meines Erachtens ist Wulff, gerade wegen der unübersehbaren Flecken auf seiner Weste, das ehrlichste Aushängeschild dieser »Bananen-Republik Deutschland« (BRD).

Hinzu kommt ein anderer Aspekt. Wulff gehört zu den Leuten, die zurzeit noch Deutschland vor Brüssel schützen. Vor den totalen Rettungsmechanismen, Eurobonds und sonstigen Werkzeugen zum Zwecke den Deutschen die letzten paar Kröten abzunehmen. So aberwitzig es auf dieser Seite auch klingen mag; Deutschland braucht Wulff, Merkel & Co. Denn die Opposition hat längst offen angekündigt, sie wolle alle Deutsche Finanz- und Wirtschaftskompetenz an Brüssel ausliefern. Wenn es soweit ist, dann gute Nacht Deutschland.

MfG
Hans

3 Antworten zu “Die Vorteilsannahme gehört zu Deutschland”

  1. zdago sagt:

    @Die Vorteilsannahme gehört zu Deutschland

    nein – nicht zu Deutschland – nur zu den Eliten der Banenrepublik.
    Da verweise ich auf den Internationalen Frühschoppen von letzter Woche – 08.01.2011 denke ich – dort haben internationale Journalist ganz klar erklärt, daß dieses Verhalten in allen anderen Ländern normal ist. Nur das deutsche Volk fordern Verläßlichkeit, Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit.

    Im übrigen stelle ich schon die Frage – warum nur Wulff – was ist mit den anderen aus der Runde?
    Oder liegt es doch daran, daß er sich in völliger Überschätzung seiner Person und Amt gegenüber dem derzeit laufenden Finanzbetrug etwas weit aus dem Fenster gelehnt hat?

    Und vielleicht erklärt das auch etwas den Ruf nach Einwanderern und Multikulti – dann wird zumindest die deutsche Bevölkerung nichts mehr gegendiese Form elitären Verhaltens haben (denn das deutsche Volk mit seinen seltsamenVerhaltensvorstelungen wird dann zu Minderheit)

    Im übrigen ist das auch wirklich harmlos. Was man so im Dunstkreis des Sachsensumpfes und Dutreaux gehört hat – und zumindest im Fall Dutreaux zu einer hohen Sterberate derer führte, die sich als Zeugen meldeten – hat ganz andere Gewichte. Da ist das, was bisher öffentlich wurde, doch nur Peanuts.
    Brüssel ist da weitaus weiter in Bezug auf alle diese Dinge – und Finaz- und Wirtschaftspolitik abnicken nach Vorgabe von Bilderberger und Co, ist doch eigentlich egal.

    Sie sagte einmal ein US-Politiker: er ist zwar ein korruptes Schwein – aber er ist unser Schwein.
    Von wem hat er da noch geredet ?
    So manchmal vergesse ich doch solche Details – vielleicht werde ich Dement!
    mfg zdago

  2. Gilbert sagt:

    Die Wulffs & Co. sind doch selbst nur arme Schweine. Die, die sie schmieren, verdienen doch mindestens das 10-fache, wenn nicht mehr, und bleiben im Hintergrund. Und Wulff & Co. müssen für die paar Mücken, die sie da absahnen, auch noch im 24/7-Job vor der Kamera stehen. Man sollte besser den ganzen Demokratiescheiß grundsätzlich überdenken. Mir gefällt so was wie die Reichsverfassung von 1871 deutlich besser.

  3. zdago sagt:

    @Mir gefällt so was wie die Reichsverfassung von 1871 deutlich besser.

    egal wie – es braucht das kompetente und vertrauenswürdige Personal dazu.
    Und das, was unter Besatzungsbedingungen an Stelle der Volksvertreter gekommen ist, sind logischerweise die Leute, die den Besatzern am willigsten sind und demzufolge auch Feinde von Volk und Freiheit – und meinetwegen auch der Demokratie.
    Allerdings ist inzwischen über mehrere Generationen der Bodensatz der Gesellschaft – Leute, die sonst nur als Taschendiebe und Bordsteinschwalben existiert hätten – an die Spitze gespült worden.
    Mit dieser gesellschaftlichen „Elite“ werden wird sich unter keiner formalen Verfassung etwas ändern. Und wenn die Machtverhältnise anders sind, und vertrauenswürdige Menschen die Organisation führen, ist die Reichsverfassung von 1871 genauso gut wie die Weimarer Verfassung oder selbst das Grundgesetz.
    Das Problem ist nicht die Schriftform, sondern die ausführenden Menschen. Wenn diese korrumpiert sind und Recht und Gesetz mißbrauchen, ist das in jeder Schriftform schlecht.
    mfg zdago