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Martin Kippenberger 1987 - »Wenn's anfängt durch die Decke zu tropfen«Ist man denn als Künstler immer noch nicht vor denen sicher? So wie weiland Joseph Beuys (1921 – 1986) gleich zweimal, hat es nun auch Martin Kippenberger (1953 – 1997) erwischt. Seine Installation »Sperrmüll mit schmutziger Gummiwanne« … sorry, selbstverständlich muss es richtig heißen »Wenn’s anfängt durch die Decke zu tropfen« … na jedenfalls dieses Gebilde da rechts, wurde Opfer einer heimtückischen Raumpflegeterroristin. Dieses mal war wieder eine Wanne das Objekt des Anschlages. Mit unglaublicher Radikalität – und einem Essigreiniger – schrubbte diese Putzteufelin eine Jahrzehnte alte Kalkschicht weg. Unwiederbringlich! Ein déjà vue für alle Kenner der Szene.
Siehe auch: Kunst versus Arbeit

Versichert war dieses … Ding … mit einer Summe von sage und schreibe 800.000 Euro. Ganz schön viel Holz für so ein bisschen Holz nebst popeliger Wanne. Ein Sammler hatte das Werk aus dem Jahre 1987 dem Dortmunder Museum Ostwall Anfang diesen Jahres als Leihgabe überlassen. Wohl, weil auch der Erschaffer bereits nicht mehr lebt, sei der Ursprungszustand nicht mehr herzustellen. Meint jedenfalls die Museumsrestauratorin (nein, das ist nicht die Bedienung aus dem Museumsrestaurant).

Der Museumsleiter spricht von einem unersetzlichen Verlust für die Kunstgeschichte. Dabei bräuchten die nur zu mir kommen. Ich mache denen 10 Stück davon, jeden Tag. Nicht für 800.000, nicht für 80.000. Nein, für 8.000 Euro das Stück. Im Ursprungszustand und mit meiner Originalunterschrift. Angebot gilt nur solange die Baumärkte liefern können.

Spaß beiseite. Der arme Sammler tut mir in der Seele leid, ehrlich. Aber er kann sich ja trösten, mit den 800.000 Euro von der Versicherung. Die Putzfrau sei indes absolut untröstlich, wie es heißt. Wenigstens darf sie ihren Arbeitsplatz behalten. Gutes Personal ist eben schwer zu finden in diesen Zeiten. Und es könnte ja sein dass irgendwann wieder ein Sammler einen Abstellplatz für hoch versicherten Sperrmüll sucht. Da weiß dann zumindest diese Reinigungskraft, was sie nicht noch einmal machen darf.
Siehe: Wie einst Beuys‘ Fettecke – Putzfrau schrubbt Kunstwerk kaputt

Marcel Duchamp 1917 - »Fountain«Kunst – ganz besonders die moderne – ist immer auch ein Geschäft mit den Dummen. Bevorzugt minimaler Aufwand bei maximalem Gewinn. Das bewies schon im Jahre 1917 der Maler und Objektkünstler Marcel Duchamp (1887 – 1968). Letzterer kaufte ein ausgedientes Urinal – ordinär auch Pissbecken genannt. Er schrieb seinen Namen drauf, legte es auf einen Sockel und erklärte es zur Kunst. Ein Skandal in der damals noch immer von Romantik und Impressionismus zehrenden Kunstwelt. Die New Yorker Galeristen weigerten sich, diese anrüchige Objekt auszustellen. Das Originalurinal verschwand irgendwann auf Nimmerwiedersehen von der Bildfläche. Dafür machte Duchamp ein gutes Geschäft mit dem Verkauf von Repliken seines »Kunstwerkes«. Ob der Sockel im Kaufpreis inbegriffen war, ließ sich nicht herausfinden. Vermutlich nicht.

Der heute weitgehend vergessene Bühnenautor Ludwig Fulda schrieb im Jahre 1894 unter der Überschrift »Sinngedichte«:

Weiß nicht, was echte Künstler sollen
Mit eurem theoretschen Schwulst;
Kunst kommt von Können, nicht von Wollen:
Sonst hieß es »Wulst«.

– Ludwig Fulda (1862 – 1939) –

Was hätte Fulda wohl über solche »Künstler« geschrieben?

MfG
Hans

Eine Antwort zu “Oops! They did it again”

  1. Gilbert sagt:

    Kleiner Tip: wem sein Installateur auf die Dauer für die Installation neuer Kunstwerke zu teuer wird, der kann auch ganz leicht und preiswert bei der Auflösung des nächsten Messie-Haushalts fündig werden. Zusätzlich zum chick-trashig-verkommenen Aussehen mit illustren Dreckflecken verschiedener Pizzeriarückstände warten diese unvergleichlichen Kunstwerke meist auch mit dem unvergleichlichen Odeur monatealter Kotzflecke auf. Dazu die passende Vernissage-Kleidung in Lumpentechnik aus zurückbehaltenen Putzlappen einer Wohnungsreinigung mit 3-Monats-Leiche – und fertig ist der Conaisseur der modernen nichtssagenden Kunst.