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Letzten Sonntag zeigte das Fernsehen eine verzweifelte Frau, der von dem Tsunami an Japans Ostküste ihr Kind aus den Armen gerissen wurde. Am Montag meinte ein Kommentator in professionellem Tonfall, dass die Hilfeschreie der von dem Erdbeben verschütteten Menschen nach und nach verstummt seien. Somit die Wahrscheinlichkeit, Lebende unter den Trümmern zu finden, nur noch sehr gering ist. Die Nachrichten zeigen Menschen, die nach ihren Verwandten oder Freunden suchen, aber deren Häuser nicht mehr finden. Ganze Dörfer und Städte wurden auf einem 10 Kilometer breiten und mehrere Hundert Kilometer langen Küstenstreifen von der Flutwelle einfach eingeebnet. Der Verstand sträubt sich bei dem Versuch, das schreckliche Leid zu erfassen. Als Freitag vor einer Woche die ersten Opferzahlen bekannt wurden, lagen sie noch im zweistelligen Bereich. Realistischer betrachtet steht vermutlich eine fünfstellige Zahl zu befürchten. Wenn es nicht noch viel schlimmer kommt.

Eine Naturkatastrophe dieser Größenordnung gab es in Japan zuletzt bei einem Erdbeben im Jahre 1923 in der Kantō-Ebene, am südlichen Ende der heute betroffenen Region. Damals verloren über 140.000 Menschen das Leben. Das große Kantō-Erdbeben von 1923 hatte eine Magnitude von 8,5. Das aktuelle Tōhoku-Erdbeben erreichte eine Magnitude von 9,0. Die Momenten-Magnituden-Skala ist logarithmisch. 0,2 Skalenpunkte entsprechen in etwa einer Verdoppelung der Energie. Bei dem Erdbeben am letzten Freitag wurde im Vergleich zu 1923 die 5,6-fache Menge an Energie freigesetzt. Die Japaner leben von Kindesbeinen an mit den Erdbeben. Ihr Land liegt am so genannten Pazifischen Feuerring. Schräg gegenüber, auf der anderen Seite des Pazifik, liegt Chile. Das Land wurde voriges Jahr im Februar von einem Erdbeben der Stärke 8,8 und einem darauf folgenden Tsunami heimgesucht.

Das Japanische Beben war gemäß Skala doppelt so stark wie das vor der Chilenischen Küste. Wobei die schlimmsten Verwüstungen jedoch von der ausgelösten Flutwelle angerichtet wurden. Dagegen half auch die erdbebensichere Bauweise nichts. Selbst die weitläufigen hohen Flutmauern wurden überspült. Zu allem Überfluss befinden sich nun bis zu zwölf Atomreaktoren in dem Gebiet in einem bedenklichen beziehungsweise kritischen Zustand. Eine Kernschmelze droht in mindestens vier von ihnen, wenn das Kühlproblem nicht bald gelöst wird. Die allfällige Evakuierung von Millionen Menschen aus dieser Region scheint aussichtslos. Das Wetter wird zurzeit wieder kälter in Japan. Vielerorts gibt es keine Heizung, keinen Strom, kein Wasser. Nahrungsmittel werden knapp. Heute sprach man in den Nachrichten bereits von ersten Opfern, die in dem Katastrophengebiet verhungert sein sollen. Ältere Leute sterben an Entkräftung und Unterkühlung. Das Leid der Betroffenen ist unvorstellbar. Doch bei allem Mitleid, das man empfindet, beeindruckt die sprichwörtliche Tapferkeit und Disziplin der Japaner in diesen Tagen.

Im krassen Gegensatz dazu die Hysterie hierzulande. Völlig ohne jede Not. Geschürt für jeden offensichtlich von der Opposition und getragen von den »Deutschen Qualitätsmedien™«. Während man in den Japanischen Kernkraftwerken den GAU – den Größten Anzunehmenden Unfall – zu verhindern sucht, arbeiten bei uns grüne, rote und tiefrote Kräfte an der GAH – der Größten Allgemeinen Hysterie. Und große Teile der Bevölkerung lassen sich ins Bockshorn jagen.

Wer heute besonders umsichtig handeln will, besorgt sich Jod-Tabletten. Damit soll man im Ernstfall seine Schilddrüse mit Jod überfluten und radioaktives Jod könnte sich dann dort nicht mehr festsetzen. Genial. Nur schade dass die Tabletten keinen Schutz gegen radioaktives Cäsium oder Strontium bieten. Außerdem sind die im Handel befindlichen Jod-Präparate für den gewünschten Effekt viel zu gering dosiert. Eine Schachtel Tic-Tac wäre billiger, nachweislich frei von Nebenwirkungen und böte denselben Schutz. Nämlich keinen. Die Anbieter von Geigerzählern erleben dieser Tage ebenfalls einen Boom. Der Absatz soll sich verzwanzigfacht haben. Geigerzähler wird vom Messgerät zum Gebrauchsgegenstand. Man fragt sich, wann er iPhone und iPad vom Thron stößt.

Niemand weiß etwas Genaues, aber die große Mehrheit in der Bevölkerung ist mehr denn je fest davon überzeugt dass Atomkraft nicht beherrschbar sei. Und deshalb alle Deutschen Kernkraftwerke sofort abgeschaltet werden müssen. Die linken Panikmacher haben ganze Arbeit geleistet und ihre Strategie geht auf. Mit Äußerungen, die zwischen infam und niederträchtig rangieren, schlachten Grüne, SPD und Linke die Folgen einer Naturkatastrophe am anderen Ende der Welt für ihren eigenen Wahlkampf aus. Hatte man in der Guttenberg-Debatte noch die Hoffnung, dass dieses Niveau nicht mehr zu unterbieten sei, zeigt sich nun ein weiterer Negativrekord. Soviel krankhaften Opportunismus und soviel verlogene Argumentation habe ich noch nicht auf einem Haufen gesehen.

Die regierende schwarz-gelbe Koalition sieht ob der ganzen Panikmache ihre Felle davonschwimmen und stellt die erst vor ein paar Monaten per Gesetz beschlossene Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke noch einmal auf den Prüfstand. Man wolle die Sicherheit der Kernkraftwerke in dieser neuen Situation noch einmal überdenken. Nun werden hastig die ältesten Kästen abgeschaltet. Zwei davon sollen nie wieder ans Netz gehen. Dabei ist die hiesige Situation nicht anders als noch letztes Jahr im September, als die Regierung sogar bereitwillig die Sicherheitsstandards für ältere Kernkraftwerke gesenkt hatte. Nein falsch, es hat sich doch was an der Situation geändert. Es ist Wahlkampf und der politische Gegner hat ein Werkzeug mit dem er dem Wähler Angst machen und für sich einnehmen kann. Also muss die gegenwärtige Regierung diesem Werkzeug die Schneide nehmen. Das eilfertig angesetzte Moratorium ist rein politisch und hat mit besserer Einsicht oder neuen Erkenntnissen nichts zu tun.

Wollen wir hoffen, dass den Japanern das Schlimmste erspart bleibt und dass sie bald wieder zu ihrem normalen Leben zurückfinden. Die Japaner sind Schicksalsschläge gewohnt und stark genug für einen Wiederaufbau. Mit Blick auf die Verhältnisse hierzulande fürchte ich jedoch, dass bereits Hopfen und Malz verloren ist. Manchmal wäre ich gerne Japaner.

MfG
Hans

4 Antworten zu “Kontrast”

  1. Gilbert sagt:

    Das Makabre an dem ganzen Desaster: wissenschaftlich handelt es sich um Sekundärschäden. Die Japaner haben eigentlich alles richtig gemacht, aber nicht die Geophysiker. Nach deren Theorie hätte es an dem tektonischen System nicht zu stärkeren Beben als etwa 8 kommen dürfen, und darauf waren alle vorbereitet. Nun muss man sich die Geophysik mal neu überlegen. Übrigends auch hier: wie stark kann es den Oberrhein in der Nähe von Basel durchschütteln? Ein Beben der Stärke > 6 mit Epizentrum direkt unter dem Rhein wäre statistisch bald fällig. Allerdings denkt die Merkel nicht weiter als bis zum nächsten Wahllokal, und Trittihn betet vermutlich jeden Abend vor dem Bildnis des CO2-Gottes um den ersten Strahlentoten in Japan, damit er sein widerliches Gewäsch noch lauter von sich geben kann.

  2. zdago sagt:

    @die Hysterie hierzulande

    Ich empfehle das Buch „Die Schockstrategie“ von Naomi Klein.
    Obwohl – für mich ist es schwere Kost – ich lese schon das zweite Jahr daran – und bin knapp in der Hälfte. Aber es hat eine Menge Relevanz – nicht nur zu den aktuellen Nachrichten und politischen Maßnahmen, sondern auch zur Wirtschaftspolitik der letzten fast 20 Jahre. Die Strategie ist an mittel- und südamerikanischen Beispielen ebenso vor- bzw. nachzulesen wie das Resultat, die Macher sind ebenso die Gleichen, nur ihre Helfershelfer vor Ort und die Opfer sind jetzt an anderer Stelle.

    Übrigens – gegen einen Tunguska-Meteoriten auf die Bananenrepublik sind die Kernkraftwerke auch nicht ausreichend gesichert!
    Mit freundlichen Grüßen
    zdago

  3. Gilbert sagt:

    Übrigens – gegen einen Tunguska-Meteoriten auf die Bananenrepublik sind die Kernkraftwerke auch nicht ausreichend gesichert!

    Kommt drauf an, wo der hinfällt. Nehmen wir das Nordmeer, könnte es zu einem Tsunami kommen, der immerhin die AKWs im Emsland erreicht und ein paar Containerschiffe und Supertanker auf die Kraftwerke wirft. Zumindest gegen eine Kollision mit einem Großcontainerschiff könnte man die Dinger aber wohl noch absichern…

  4. zdago sagt:

    @Zumindest gegen eine Kollision
    – und was ist mit einer Dinosaurier-Keule, so wie von Mexiko vor knapp 60 Mio jahren – auch das kann sich heute oder morgen wiederholen – bsp im Emsland?
    Da stehen Sie aber da mit ihrem Containerschiff !
    mfg zdago