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So, jetzt haben wir den Salat. Die Autofahrer sind verunsichert. Wissen an der Zapfsäule nicht, ob sie das ganz toll umweltfreundliche E10 in den Tank ihres Autos füllen können oder lieber den teuren Luxustreibstoff nehmen sollen. Und schuld sind die Mineralölanbieter. Oder die Tankstellenpächter? Die Kfz-Hersteller? Die Regierung? Der ADAC? Nein, jetzt hab ichs: Oma Müller aus der Steinstraße ist schuld. Einer schiebt die Schuld auf den anderen. Irgend jemand muss ja dafür verantwortlich sein, dass der Benzinkunde diese gepanschte Plörre nicht haben will.

E10 ist guter Kraftstoff mit 10 Prozent Bioethanol gestreckt. Ethanol, oder Alkohol, hat eine geringere Energiedichte. Das macht den guten Kraftstoff aus technischer Sicht zu einem minderwertigeren. Dafür aber mit staatlichem Segen. Oder eher mit staatlichem Zwang. Denn wenn die Mineralölkonzerne nicht genug von dem E10 unter das Volk bringen, dann müssen sie für ihr reines Super-Plus mehr Steuern abführen. Was sie natürlich dann wieder auf den Kraftstoffpreis umlegen werden, denn aus reiner Menschenliebe verkaufen die ihren Sprit nicht.

ADAC Umfrage - Tanken Sie E10?Eigentlich wäre es gar nicht so ungewöhnlich mit Alkohol statt Benzin zu fahren. Die Brasilianer tanken seit über 30 Jahren bis zu 100 prozentiges Ethanol in ihre Fahrzeuge. Der Alkohol wird dort aus dem reichlich verfügbaren Zuckerrohr gewonnen. Deren Autos sind von Tank bis Auspuff so gebaut, dass sie das Bioethanol verarbeiten können, ohne Schaden zu nehmen. Die Fahrzeugmodelle werden Flex, Flex-Fuel, Total-Flex oder ähnlich betitelt. Die meisten können ohne Umbau oder Umschalten wahlweise mit Benzin oder Ethanol betrieben werden. Moderne Motorelektronik und -technik macht’s möglich. Kostet halt ein bisschen mehr. Auch die Amerikaner, Schweden, Franzosen oder Spanier fahren zum Teil mit Alkohol im Tank.
Siehe: Bioethanol

Also, warum sind die Autofahrer hierzulande dann so verunsichert? Sind sie es? Die öffentlich rechtlichen Nachrichten zeichnen ein Bild nach Vorgaben der Politik, wie üblich in solchen Fällen. Das nebenstehende Umfrageergebnis stammt von der Netzwerkseite des ADAC. Demnach weiß die große Mehrheit sehr genau, warum sie E10 in den Tank füllt oder sich dem Biokraftstoff eben verweigert. Nur ein paar wenige Autofahrer sind verunsichert. Es geht nämlich auch gar nicht so sehr darum, ob der Hersteller behauptet sein Fahrzeug vertrüge E10 problemlos. Es geht zuerst einmal darum, dass der Ottomotor mit E10 eine mindestens 5 prozentige Leistungseinbuße erleidet. Vielleicht nicht besonders schlimm, wenn man einen PS-Protz fährt. Es gibt aber genügend Autos, die mit 50 PS oder weniger herumtuckern. Da merkt man jede fehlende Pferdestärke doppelt. Wie auch immer, Einbuße ist Einbuße. Wer nimmt das schon gerne ohne jegliche Kompensation hin? Die Beiträge für die Kfz-Versicherung richten sich nach der Motorleistung. Die Kfz-Steuern nach dem Hubraum. Haben Versicherer oder Staat für E10-Tanker einen Nachlass angekündigt? Nicht dass man davon gehört hätte.

Hinzu kommt der Mehrverbrauch. Weniger Leistung führt zwangsläufig zu mehr Gasgeben. Was bedeutet, dass derjenige mit dem vermeintlich preisgünstigeren Bioethanolgemisch bei gleicher Fahrweise auf Dauer häufiger an die Zapfsäule muss. Mit Blick auf die vermeintlichen Mehrkosten für Super-Plus bleibt es also gehupft wie gesprungen.

Wie das Umfrageergebnis auch zeigt, ist ein unübersehbar großer Anteil gar nicht von dem Nutzen von E10 für die Umwelt überzeugt. Viele Bürger reagieren mittlerweile äußerst zugeknöpft, wenn ihnen etwas vom menschgemachten Klimawandel durch CO2 erzählt wird. Der Begriff Klimawandel steht längst synonym für Abzocke und Einschränkungen. Und natürlich für Betrug.

Wo wir gerade bei Abzocke und Betrug sind: Das herkömmliche Super Bleifrei hatte in den vergangenen Jahren bereits einen Anteil von 5 Prozent Bioethanol. Es wird aktuell zu einem Preis von 1,62 Euro pro Liter angeboten. E10 mit 10 Prozent Bioethanol kostet 1,54 Euro der Liter. Tatsächlich kostet herkömmliches Super (E5) so viel wie das ungepanschte Super-Plus. Was absolut nicht nachvollziehbar ist. Eigentlich müsste E10 wegen des höheren Bioethanolgehaltes der teuerste Treibstoff sein. Gefolgt von Super (E5). Super-Plus wäre dann die preisgünstigste Variante, wird jedoch 8 Cent teurer angeboten als E10.
Siehe: Benzinpreisvergleich

Der ADAC muss natürlich die Einführung von E10 unterstützen und bekundet das auch ganz offen auf seiner Netzwerkseite. Der Verein will es sich ja nicht mit der Politik verderben. Schaut man aber genauer hin, dann zeigt sich was die Leute beim Automobilclub wirklich von der Mogelpackung halten.

Der ADAC unterstützt die Einführung von E10, wenn diese in einer für den Verbraucher akzeptablen Form durchgeführt wird. Zentrale Voraussetzungen sind aus Sicht des ADAC

• zuverlässige, verständliche und rechtsverbindliche Angaben zur Verträglichkeit von Fahrzeugen für alle Pkw-Modelle und leichte Nutzfahrzeuge (Transporter) sowie Motorräder durch die Fahrzeughersteller bzw. -importeure,

• Angebot der Bestandsschutzsorte Super E5 mit 95 Oktan ohne zeitliche Begrenzung an allen Tankstellen zu fairen Preisen, ein „Super Plus Aufschlag“ mit Mehrkosten von 5-8 Cent pro Liter gegenüber E10 ist völlig inakzeptabel,

• ausreichende, unkomplizierte und konsistent kommunizierte Aufklärung der Autofahrer über die Verträglichkeit ihrer Fahrzeuge durch Fahrzeughersteller, Werkstätten und Anbieter von Kraftstoffen (der ADAC wird die Autofahrer weiterhin informieren),

• nachvollziehbarer Nachweis von Umweltvorteilen, CO2-Minderung und Nachhaltigkeit des Bioethanols durch die Hersteller des Biokraftstoffs.

Siehe: E10 – Was muss passieren

Das sind durchaus sinnvolle Forderungen. Doch teils nicht in die Realität umzusetzen. Besonders der letzte Punkt, der nachvollziehbare Nachweis von Umweltvorteilen, kann niemals erbracht werden. Selbst der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland), der sonst für jede Klimaschutz-Torheit zu begeistern ist, bezeichnet »Biosprit E10« als eine Irreführung der Verbraucher.
Siehe: „Biosprit E10“ liefert keinen Beitrag zum Klimaschutz. Agrosprit-Strategie von Bundesregierung und EU ist Irreführung der Verbraucher

Irreführung der Verbraucher auf der einen Seite, totale Perversion der Werte auf der anderen. Eine Auswahlantwort, die man sich beim ADAC offenbar nicht getraut hat in die Umfrage aufzunehmen, wäre noch folgende: »Nein! Denn Biosprit vernichtet Lebensraum, vergeudet Ackerflächen und nutzt Lebensmittelressourcen für den Automobilverkehr«. Im Gegensatz zu Südamerika, wo das Bioethanol aus Zuckerrohr hergestellt wird, verwendet man hierzulande Zuckerrüben, Mais oder Weizen. Also, noch einmal kurz zum Reflektieren: In Deutschland werden Weizen, Mais und Zuckerrüben angebaut, um daraus Alkohol für den Straßenverkehr zu destillieren. Gleichzeitig hungern weltweit Menschen. Und es werden wieder mehr statt weniger.

Für die Landwirte sicherlich ein lohnendes Geschäft. So lohnend, dass sich Hans-Heinrich Driftmann – geschäftsführender Gesellschafter der Peter Kölln KGaA (Köllnflocken) – den Hafer für Köllnflocken und Müsli bereits im Ausland teuer zusammenkaufen muss. Die hiesigen Landwirte bestellen ihre Äcker nämlich lieber mit Biosprit-Pflanzen. Driftmann ist damit nicht alleine. Der Bedarf an Nahrungsmitteln muss per se aus dem Ausland gedeckt werden. Kein Problem, wir können es ja bezahlen. Aber wir treten in Konkurrenz zu den Einheimischen anderer Länder, denen ihre Lebensmittel knapp und damit teuer werden. Das sagte Hans-Heinrich Driftmann sinngemäß in einem Gespräch mit der WirtschaftsWoche.

WirtschaftsWoche: Herr Driftmann, als geschäftsführender Gesellschafter der Köllnflockenwerke kennen Sie die Agrarmärkte aus dem Effeff. Welche Auswirkungen hat der Aufschwung von Ökosprit?

Driftmann: Wir bekommen in Deutschland so gut wie keinen Hafer mehr. Unser Getreide müssen wir jetzt teuer aus dem Ausland beziehen. Das sind die Folgen des Bioenergiebooms, der den klassischen Anbau verdrängt. Auch deshalb steigen die Nahrungsmittelpreise. Für uns in Deutschland ist das allenfalls ärgerlich, wir können uns die Brötchen trotzdem leisten. Aber was sich in vielen anderen Ländern der Welt abspielt, ist dramatisch.

WirtschaftsWoche: Wie dramatisch?

Driftmann: Ich befürchte, in spätestens drei Jahren könnten wir eine globale Hungerkatastrophe erleben. Die Tortillakrise 2007/08 war nur ein Vorspiel. Der aktuelle Umsturz in Nordafrika hat viele Gründe, aber ein Auslöser waren die steigenden Nahrungsmittelpreise. Europa droht der Ansturm von Millionen Hungerflüchtlingen und sollte sich darauf vorbereiten.

WirtschaftsWoche: Wie können wir gegensteuern?

Driftmann: Wir müssen unsere Bioenergiesubventionen dringend hinterfragen und gegebenenfalls stoppen. Solange die Ernährung der Welt nicht gesichert ist, dürfen wir Agrarflächen nicht für andere Zwecke verwenden, auch nicht zur Energiegewinnung. Die Sicherung der weltweiten Ernährung ist die wichtigste Aufgabe unserer Zeit. Ansonsten bekommen auch die Wohlstandsländer Probleme.

Quelle: „Biosprit verdrängt den klassischen Getreideanbau“

Entschuldige, ich brauche das für mein AutoDurch die Verschwendung von Ackerfläche für die Spritgewinnung hierzulande nehmen wir denen, die ohnehin schon um ihr Überleben kämpfen müssen, das Essen weg. Oder machen es für die Menschen in Entwicklungsregionen unerschwinglich teuer. Was auf dasselbe hinausläuft. An dieser Stelle drängt sich unwillkürlich die Frage auf, ob die verantwortlichen Politiker – allen voran Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) – ein Loch im Kopf haben. Noch vor wenigen Jahren stand die UNO kurz davor, das Problem mit dem Weltnährstand als gelöst zu erklären. Nun aber werden der weltweiten Agrarwirtschaft ohne Not Ackerflächen entzogen und die Feldfrüchte auf dem Altar der Klimareligion geopfert. Der interessierte Bürger steht fassungslos daneben.

Die Folge ist stiller Boykott nach marktwirtschaftlichen Regeln. Der Biokraftstoff wird schlicht und ergreifend nicht nachgefragt. Was der Bundesregierung freilich nicht verborgen blieb. Am Dienstag dieser Woche fand ein groß angekündigter Benzingipfel mit Vertretern von Regierung und Opposition statt. Aber völlig am Volk vorbei, wie üblich. Als logische Konsequenz aus dem Boykott hätte man erwarten dürfen, dass die Regierung von dem E10-Unsinn ablässt. Doch war die Kernfrage des Gipfels offensichtlich, welche Fehler bei der Einführung von E10 gemacht wurden. Allgemeiner Konsens: Der dumme Benzinkunde wurde nicht ausreichend informiert und ist dem gemäß verunsichert. Also muss eine Informationskampagne helfen, damit der Verbraucher endlich einsieht weshalb er künftig E10 tanken muss. Auf ein Neues sieht der Bürger dem Treiben zu und kann nur noch mit dem Kopf schütteln.

Bei der Einführung von E10 wurde vermutlich kein Fehler gemacht. Die Einführung von E10 ist der Fehler. Und der Benzinkunde ist mit überwältigender Mehrheit nicht verunsichert, sondern bestens informiert. Weshalb letzterer die Finger von dem Biokraftstoff lässt, um sich nicht mitschuldig zu machen. Im Moment steht noch die Frage offen, welchen Namen E10 künftig im Volksmund haben sollte. Röttgen oder Brüderle? Ergeben 100 Liter Röttgen ein Brüderle? Oder umgekehrt? Irgendwie muss man ja die Namen der Vollpfosten, die das verbrochen haben, in Erinnerung behalten.

Die Polizei in Schleswig-Holstein hat von ihrem Chef übrigens die Weisung erhalten, bis auf weiteres kein E10 zu tanken. Der Innenminister des Landes steht hinter dieser Entscheidung. Man fürchtet um die Motoren der noch keineswegs alten Dienstfahrzeuge. Möglicherweise übt die Polizei aber auch nur zivilen Ungehorsam auf dem Dienstwege. Es wäre vielleicht eine prima Idee, wenn sich andere Fuhrparks dem guten Beispiel anschließen. Es geht ja schließlich um die teuren Motoren. Oder?

MfG
Hans

2 Antworten zu “Gesetzgeber verlangt Alkohol am Steuer!”

  1. zdago sagt:

    Hallo hans,
    das meiste, was ich dazu zu sagen häte, hast du ja erwähnt. Ich habe irgendwo gelesen, daß die Brühe auch bei aktuellen Motoren Ablagerungen erzeugen soll, und ob das mit der Langzeitverträglichkeit so stimmt – meines Wissens ist niemand bereit, dafür gerade zu stehen – auch kein Brüderle oder Röttgen.

    Im übrigen – und das ist in meinen augen mindestens ebenso gravierend, ist die Geschichte die Demonstration der Diktatur der Banenrepublik – oder auch diktatorische Republik Deutschland.
    Die Regierung befiehlt, der Pöbel muß E10 tanken – und wenn sie es nicht tun, bezahlen die Anbieter Strafe – oder sie zwingen die Kunden – kann man da noch „Kunden“ sagen? – die Brühe zu tanken.
    Also das ist einmal eine freie Marktwirtschaft der besonderen Art!

    Ich hoffe, das Brüderle, Röttgen und Merkel bei den nächsten Wahlen von Autofahrer zum Guttenbergen gezwungen werden.
    Gibt es eigentlich eine Partei, die E10 abzuschaffen bereit ist?

    Im übrigen:
    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/enthuellungen/andreas-von-retyi-und-edgar-gaertner/usa-entwickeln-kuenstlichen-dieseltreibstoff-nur-13-cent-je-liter-und-fuer-motoren-garantiert-unpro.html

    Gab schon mehrere Meldungen ähnlicher Art !
    mfg zdago

  2. Gilbert sagt:

    Ich hoffe, das Brüderle, Röttgen und Merkel bei den nächsten Wahlen von Autofahrer zum Guttenbergen gezwungen werden.
    Gibt es eigentlich eine Partei, die E10 abzuschaffen bereit ist?

    Vermutlich, aber bevor die gewählt wird, wird man diesen widerlichen Trittihn bevorzugen, dem die 10.000 Toten in Japan gerade Recht kommen, um sein politisches AKW-Süppchen zu kochen (der dicke Siggi hat immerhin das Thema erst mal nach hinten gestellt, während Merkel prüfen lässt, ob Neckarwestheim mit Beben der Stufe 9 und 10m-Tsunamis klarkommt). Ich würde eher darauf bauen, dass die Nordafrikawelle qua Hungerflucht auch zu uns rüberschwappt und der unweigerliche Zusammenbruch der Sozialsysteme hier auch zu ein paar Aufständen führt.