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Karl-Theodor Freiherr von und zu GuttenbergJetzt hat er es also erstmal hinter sich. Für Manche »völlig überraschend« hat Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg am Dienstag seinen Rücktritt vom Amt des Bundesverteidigungsministers erklärt. Mich hat es eher nicht gewundert. Die Hexenjagd war eindeutig konzertiert und wurde jeden Tag intensiver. Anfangs betrachtete ich es mit einer Portion Genugtuung, dass der hochgelobte Überflieger auch mal landen musste. Eine solche steile Karriere kann eben nur mit Tricksereien und Vitamin B funktionieren. Zwischenzeitlich empfinde ich aber nur noch Ekel. Weniger wegen zu Guttenberg. Sondern wegen all der bigotten Schleimscheißer aus der Opposition und sogar aus den eigenen Reihen. So als hätten sie noch nie irgendwo geschummelt oder einen Vorteil angenommen. Gerade Bundespolitiker sollten bei diesem Thema ganz leise sein.

Zu Guttenberg ist ein Kind seiner Zeit, hat das politische Handwerk in den USA gelernt. Und er ging einfach mit der Mode. Diese Bundesrepublik ist nachweislich durch und durch korrupt. Jeder bedient sich wo er kann. Warum sollte sich zu Guttenberg also nicht mit einem leicht erreichbaren Doktortitel schmücken? Und es ist ja nicht so, als hätte er sich einen Dr. mit Fachgebiet Kardiovaskularchirurgie erschlichen und wolle nun im Operationssaal am offenen Herzen herumschnippeln. Für ihn hatte der Doktortitel einen ähnlichen Zweck, wie für andere der Charivari an der Trachtenweste oder der Gamsbart am Stopselhut.

Hat er mit seiner Trickserei jemandem wirtschaftlichen oder physischen Schaden zugefügt? Ist jemand verletzt oder verschüttet? Nicht dass ich wüsste. Aber dem Ansehen des Bundestages hätte er geschadet, wird gejammert. Och Gottele, des Bundestages. Jene Plapperfritzen (O-Ton Oskar Lafontaine) die sich Monate lang nicht wegen ein paar Euro mehr für Hartz-IV-Empfänger einigen können. Während ein paar Hundert Milliarden Euro für ach so notleidende Banken oder liederlich wirtschaftende EU-Staaten nicht das geringste Problem darstellen. Jene Kleiderständer (O-Ton Hans) die Jahre lang an einer simplen Gesundheitsreform und an einer ebenso einfachen Dosenpfandverordnung herumlaboriert haben. Zugleich die hochkomplexe EU-Verfassung und seine Neuauflage als Lissabonvertrag schneller durch das Plenum winkten als die Putzfrau hinterherwischen konnte. Diesem Bundestag kann man mit einer solchen Lappalie ganz sicher nicht mehr das Ansehen schädigen. Das haben die Parlamentarier mit ihrem Tagesgeschäft schon längst gründlich besorgt.

Die Wissenschaft und die wissenschaftlich Tätigen hätte er verhöhnt, heißt es. Ach was? Die verhöhnen sich doch immer wieder selbst aufs Neue. Da brauchen die keinen zu Guttenberg für. Die Wissenschaft hat sich zum willigen Erfüllungsgehilfen von Politik und Konzernen prostituiert. Beispielsweise die Meteorologie, die ins Stottern gerät sobald sie das Wetter für mehr als eine Woche im Voraus prognostizieren soll. Aber wenn die Politik es wünscht, dann können die Herren Doktoren von der meteorologischen Fakultät ganz genau vorhersagen, welches Klima im Jahre 2050 vorherrscht wenn nicht ganz schnell viele Milliarden Euro auf dem Altar des Klimaschutzgottes geopfert werden. Dann wäre da noch die Schweinegrippe™, die uns von der »World Health Organization« (WHO) als Pandemie verkauft wurde. So wie die Vogelgrippe™ zuvor war auch diese ein Verkaufsschlager für die Pharmaindustrie. Für die Schweinegrippe setzte die WHO eigens die Pandemiekriterien ganz weit hinunter. Sonst wäre es nämlich gar keine gewesen. Allenfalls ein Schnupfen. Hinter diesem Schwindel stand ebenfalls die so genannte Wissenschaft. Genau so wie hinter der Suche nach dem Higgs-Boson. Da werden im Dienste der Wissenschaft Abermilliarden an Euro ausgegeben um ein Teilchen nachzuweisen, das sich ein Wissenschaftler als Erklärung für seine und fremde Theorien ausgedacht hatte. Doch selbst mit dem gigantischen »Large Hadron Collider« (LHC) bei Genf konnte das Teilchen noch nicht nachgewiesen werden. Die gleiche Pleite erlebten die Wissenschaftler mit den riesigen und sündteuren Michelson-Interferometern, die sie zum Nachweis von Gravitationswellen bauen ließen. Die Dinger bemerken noch nicht einmal, wie sich die Erde unter dem Mond dreht. Summa summarum: Die Wissenschaft hat die Messlatte hoch gelegt. Um sie also merklich mit Hohn zu treffen müsste jemand schon mehr leisten als bei einer Doktorarbeit abzuschreiben.

Doch hat die Universität Bayreuth nun öffentlich festgestellt, dass der feine Herr von und zu in betrügerischer Absicht gehandelt hätte. Zudem ließ sein Doktorvater – Jura Professor Peter Häberle – kein gutes Haar an ihm. Es kommt einem schon seltsam vor. Zu Guttenberg hatte sein Abschlussexamen mit »befriedigend« bestanden. Aber um zu promovieren braucht es bei Juristen ein »vollbefriedigend« oder eine bessere Note. Die Familie von und zu Guttenberg ist nicht unvermögend. In der Zeit, als zu Guttenberg studierte und promovierte hielt die Familie große Anteile an der Rhön-Klinikum AG. Außerdem saß der reiche Sprössling sechs Jahre im Aufsichtsrat der AG. Zwischen 1999 und 2006 flossen knapp 750.000 Euro vom Rhön-Klinikum an die Universität Bayreuth. Das könnte den Ausschlag gegeben haben und Karl-Theodor bekam nicht nur eine Ausnahmegenehmigung für die weitere Promotion, sondern zuletzt auch noch die Bestnote »summa cum laude« für seine Doktorarbeit.

Die in der Promotionsschrift von Herrn zu Guttenberg entdeckten, mir unvorstellbaren Mängel sind schwerwiegend und nicht akzeptabel. Sie widersprechen dem, was ich als gute wissenschaftliche Praxis seit Jahrzehnten vorzuleben und auch gegenüber meinen Doktoranden zu vermitteln bemüht war.

– Peter Häberle, zu Guttenbergs Doktorvater –

Soso, welcher Vollpfosten hat zu Guttenbergs Arbeit aber dann mit »summa cum laude« bewertet? Weder Prof. Peter Häberle noch Zweitgutachter Prof. Rudolf Streinz wollen etwas von den vielen Plagiaten bemerkt haben. Im Jahre 2007 – in dem Jahr promovierte zu Guttenberg mit seiner Doktorarbeit – waren Universitäten längst in der Lage, die eingereichten Arbeiten mittels Computer und Internet auf geklaute Stellen abzuklopfen. Wusste man in Bayreuth von zu Guttenbergs Schummelei und hat sie ihm aus politischen und/oder monetären Gründen durchgehen lassen? Korruption und Spezlwirtschaft kommen in den besten Familien vor. Genau genommen sehr häufig dort. Und nun? Was geschieht nachdem der Schwindel aufgeflogen ist? Alles rennet, rettet, flüchtet, taghell ist die Nacht gelichtet1, jeder schimpfet auf das schnöde Werk, des feinen Herrn zu Guttenberg. Hätte man zu Guttenberg 2007 gleich seine 475 Seiten umfassende Dissertation um die Ohren gehauen, dann müsste die Uni Bayreuth heute nicht die betrogene Unschuld spielen.

Ex-Doktor und Ex-Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor von und zu Guttenberg avancierte inzwischen zum Popstar. Am gestrigen Samstag gingen überall in Deutschland Menschen auf die Straße um für oder gegen zu Guttenberg zu demonstrieren. Im Verhältnis deutlich mehr für als gegen ihn. Auf der Social-Media-Plattform Facebook hat eine Seite mit dem Namen »Wir wollen Guttenberg zurück« heute eine Zustimmerzahl von 580.000 Personen, während die Gegenseite »Wir wollen Guttenberg nicht zurück« es gerade mal auf 51.000 bringt. Damit haben die linken Säger im Parlament und in den Medien wohl nicht gerechnet. Zu Guttenberg entwickelt sich offenbar zu einer Deutschen Lady Diana, einem »Bundesverteidigungsminister der Herzen«. Doch ähnlich wie das Englische Vorbild ist auch das Deutsche Pendant eigentlich eher hochgelobt als hochverdient. Mit Blick auf seine kurze Karriere in der Bundesregierung kann man nicht unbedingt von erfolgreicher Arbeit sprechen. Auch wenn ihm Angela Merkel ein gutes Zeugnis ausstellte. Das muss sie, um die Schwesterpartei CSU und natürlich die vielen Guttenberg-Fans nicht zu verprellen.

Wie auch immer, Karl-Theodor von und zu Guttenberg hat bei seiner Doktorarbeit betrogen. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Auch wenn es in dem einen oder anderen Fall vielleicht wirklich ein Versehen war. Die schiere Menge der nachweislichen Plagiate – unter anderem vom wissenschaftlichen Dienst des Bundestages – ist überwältigend. Man möchte schon beinahe von krimineller Energie sprechen. Oder zumindest von hochdreister Fahrlässigkeit. Der feine Herr von und zu sieht sich wie sein Ex-Parteifreund Andreas Kasper von der CDU außerdem einem staatsanwaltlichen Ermittlungsverfahren gegenüber. Kasper, auch ein »junger Überflieger«, wurde sein Doktortitel ebenfalls wegen Abschreibens aberkannt. Und er musste nicht nur einen Strafbefehl über 90 Tagessätze á 100 Euro bezahlen, sondern weitere 10.000 Euro Gelbuße für andere Plagiatsfälle, die er sich zuschulden kommen ließ. Kasper gilt damit als vorbestraft. Man darf abwarten, welche Gefälligkeiten sich Familie von und zu Guttenberg einfallen lässt, damit die Staatsanwaltschaft von ihrem schummelnden Sprössling ablässt. Egal wie der Fall am Ende ausgeht, Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg wird die Sache bis an das Ende aller Tage anhängen. Und wenn es doch einmal in Vergessenheit geraten sollte, dann werden uns eingangs erwähnte bigotte Schleimscheißer schon beizeiten daran erinnern.

MfG
Hans

Fußnote: (Sicherheitshalber. Man weiß ja jetzt, wie sowas ausgehen kann.)
1 Friedrich Schiller (1759 – 1805), Aus »Das Lied von der Glocke«

Siehe auch: Eva Herman – Warum Guttenberg gehen musste und Trittin und Cohn-Bendit immer noch da sind.

5 Antworten zu “Adel verpflichtet? Zu was?”

  1. Gilbert sagt:

    Wenn ich so überlege: Steinbrück haben die verschluderten Milliarden bei der WestLB nichts angehabt, dto. Steuerhinterziehung bei dem genealisch höher als angesiedelten Grafen Lambsdorff, Meineid und Steuerhinterziehung bei Herrn Dr. Kohl, und dann wäre da noch der Trittbrett- .. äh Rollstuhlfahrer aus dem Ländle mit den vergessenen 100.000. Echte Kriminelle – und weiterhin im Geschäft. Es wäre nun wirklich ungerecht, wenn aus dem „von und zu“ durch ein, relativ gesehenes, Kavaliersdelikt ein „auf und davon“ werden würde.

  2. zdago sagt:

    @Mich hat es eher nicht gewundert.

    Doch – mich schon. Und gerade bei alledem, was du hier richterweise beschreibst. Bei dieser Bande von Politikern ist doch alles drin, vom Terroristen über Lug und Trug aller Art bis zum Pädophilen und wird vom Mainstream ignoriert, gehätschelt und getätschelt.
    Und ausgerechnet der designierte Bundeskanzler wird wegen diesem vegleichsweise läppischen Titelbetrug wochenlang titelseitig gejagd bis zum Rücktritt. Mal ehrlich – in der Schlange der Rücktritt- und verhaftungswürdigen steht er doch sehr weit hinten.

    Warum also?
    Weis ich natürlich auch nicht, aber es fällt schon auf, daß verschiedene Dinge nicht die Schlagzeilen bevölkern – also bsp. die Euro-Entwicklung, die Bankster und der Finanzbetrug, die Kriegstätigkeiten, die Klima-Betrügereien, die E10-Aktion hätte eigenlich die Herren Röttgen und Brüderle zum Rücktritt bringen müssen und die EU nach Lissabon-Vertrag und Glühbirnen-Schwachsinn längst überfällig ins Rampenlicht rücken müssen.
    Mir scheint, der Schatten des Guttenberg-Plagiats hat viele Dinge verschwinden lassen!
    mfg zdago

  3. Hans sagt:

    Grüß Gott Beinand.

    Auf den ersten Blick sieht es vielleicht ein wenig schizophren aus. Aber wir wissen, dass es solche und solche Schurken gibt. Anders ausgedrückt; deren und unsere Schurken. Zu Guttenberg ist ein so genannter Atlantiker, einer von deren Schurken. Er bekam seine politische Prägung in den USA aufgedrückt (so wie etliche US-U-Boote in der Deutschen Politik). Hierzulande hätte er also erwartungsgemäß die Politik der Wall-Street gemacht. Weshalb man ihm bei der Postenverteilung 2009 sicherheitshalber nicht das Wirtschaftsministerium gab. Sondern das Verteidigungsministerium, das in unseren Tagen eher von untergeordneter Bedeutung ist. Wir sind ja nur noch von Freunden umgeben … äh, ja.

    Der Jungspund zu Guttenberg war aufgrund seiner Beliebtheit nicht nur der Opposition ein Dorn im Auge. Der machte etwas zu schnell Karriere. Weshalb man seitens der CDU wohl das linke Spektrum die Drecksarbeit machen ließ. Lammert und Schavan – beide CDU – gaben ihm dann den Todesstoß mit ihren Äußerungen. Und Merkel wusch ihre Hände in Unschuld. Denn sie hat ja in schweren Stunden zu ihm gehalten. Und jetzt einen starken Konkurrenten um die Macht weniger.

    Nicht dass ich medial begabt wäre, aber an dem Tag als zu Guttenberg seinen Rücktritt bekannt gab hatte ich schon so eine leise Vorahnung.

    MfG
    Hans

  4. Gilbert sagt:

    Immerhin gibt es jetzt passend seine Biografie. Wenn es so weitergeht mit Biografien junger Menschen, müsste eigentlich in Kürze die erste Pränatalbiografie von irgendeinem Heini auf den Markt kommen.

  5. zdago sagt:

    @Weshalb man seitens der CDU wohl das linke Spektrum die Drecksarbeit machen ließ.

    Dürfen die denn so einfach einen willfährigen Atlantiker abschießen?
    Gut – ich weiß nicht, wie CFR und Bilderberger zueinander stehen – aber so überzeugend deine Argumentation im innerdeutschen Rahmen ist, angesichts der US-Führung für die deutsche Politeska bin ich da doch unsicher!
    mfg zdago