Diese Webseite verwendet im Normalbetrieb keine Cookies. Es sei denn, Sie schreiben hier Kommentare. Oder Sie versuchen sich anzumelden.cookies policy.     HABS KAPIERT

Vor etwa drei Jahren habe ich meinem Tintenstrahldrucker entnervt den Laufpass gegeben. Bei dem Volumen, das ich pro Jahr drucke, wurden die Tintenpatronen niemals leer. Nein, die Düsen vertrockneten und verstopften aus Langeweile. Und wenn ich das Teil dann doch mal brauchte, stand ich prompt mit Tintenpatronen, Feuerzeugbenzin oder Spiritus in der Küche und habe versucht, die Düsen an den Patronen wieder flott zu kriegen. Mit wechselndem Erfolg. Deshalb habe ich damals die Flucht nach vorne angetreten und mir einen Farblaserdrucker gekauft. Denn das Tonerpulver, das da drin Verwendung findet, kann nicht vertrocknen. Das ist schon trocken. Jeder andere Zustand wäre unerwünscht.

Was ich zu jener Zeit natürlich nicht ahnen konnte, wurde mir erst aus den Nachrichten der letzten Tage klar. Menschenskinders, Tonerpulver! Wo stammt das Zeugs eigentlich her? Sofort habe ich meinen Drucker aufgemacht und die vier Tonerkartuschen genauer unter die Lupe genommen. »Made in Japan« steht drauf. Nochmal Glück gehabt. Denn wenn da »Made in Yemen« aufgedruckt gewesen wäre, dann hätte ich stante pede die Polizei angerufen und gebeten, mir schnellstens ein Bombenräumkommando vorbei zu schicken. Was viele Menschen – meine Wenigkeit eingeschlossen – bisher vermutlich gar nicht wussten, ist der Umstand, dass der Jemen offenbar ein großer Lieferant von Laserdruckern und Tonerkartuschen ist. Aber irgendwie auch logisch, denn in der trockenen Luft dort kann man Tonerpulver sicherlich besonders gut lagern und verarbeiten.

Tonerkartusche mit PETNGenau diesen Umstand, nämlich dass der Jemen wohl ganz ganz viele Laserdrucker in die Welt versendet, soll sich die Al Kaida – manche nennen sie auch die »Al CIA da« – zu Nutze gemacht haben wollen. Sie präparierten die jemenitischen Tonerkartuschen, indem sie das Tonerpulver gegen ein Sprengpulver austauschten und bauten ein Handy in den Laserdrucker ein. Reichlich perfide, sowas. Das Sprengpulver in den jemenitischen Kartuschen soll übrigens Nitropenta (PETN) sein, in etwas anderer Form auch als Semtex bekannt. PETN – da fällt einem doch gleich wieder dieser Unterhosenbomber vom letzten Dezember ein. Der hatte sich die Grundsubstanz von PETN in seine Unterhose eingenäht und als er daraus Sprengstoff machen wollte, seinen Schnippel verbrutzelt. Aber ob Schnippel angesengt oder nicht, Nitropenta scheint recht beliebt in »Al CIA da«-Kreisen zu sein. Alte Deutsche Wertarbeit eben. Zugleich ist PETN das meisteingesetzte gefäßerweiternde Mittel in der Medizin weltweit. Zum Beispiel zur Behandlung von Angina Pectoris. Getreu dem Spruch von Paracelsus: »All Ding‘ sind Gift und nichts ohn‘ Gift; allein die Dosis macht, daß ein Ding kein Gift ist«.

Als Toner für einen Laserdrucker ist Nitropenta indes völlig ungeeignet. Wer druckt schon weiß auf weiß? Aber das hatten diese ominösen Druckerbomber ja auch nicht vor, wenn man der Story Glauben schenkt. Wir erinnern uns an die Sau mit der merkwürdigen Terrorbedrohung, die vor wenigen Wochen durch unser globales Dorf getrieben wurde. Vollkommen ohne jede Substanz, weswegen man schnell von einer abstrakten Terrorgefahr sprach, die irgendwo im luftleeren Raum der Hirngespinste auf uns lauerte. Es schien, als wollte jemand einen Popanz aufbauen. Und den haben wir nun in Form von explosiven Laserdruckern.

Jetzt stellen wir uns einmal vor, wir wären Terroristen. So welche von der ganz üblen Sorte. Wir sitzen im Jemen, haben Nitropenta in rauen Mengen (den Sprengstoff, nicht das Medikament), wir haben Zünder, Handies mit freigeschalteter SIM-Karte für US-Netze und natürlich Laserdrucker. Letztere präparieren wir in der oben beschriebenen Weise und schicken sie mit UPS-Luftfracht an jüdische Einrichtungen in den USA. Dann müssen wir nur noch in regelmäßigen Abständen auf der UPS-Internetseite nachschauen, wann unsere Pakete endlich ihre Adressaten erreichen. Zuletzt rufen wir die eingebauten Handies in den Laserdruckern an. Bumm. Rest in pieces.

Genial, oder? Vor allen Dingen so glaubhaft. Eifrige Kinogänger und Fernsehzuschauer würden einem diesen Plott kritiklos abkaufen. In der Realität wäre aber im Jemen kein Mensch derart bemoost, eine Paketbombe an eine jüdische Einrichtung in den USA zu senden. Wenn es einen Adressaten in den USA gibt, der sofort zutiefst misstrauisch würde sobald unerwartet ein Paket aus einem muslimischen Land einträfe, dann sind das jüdische Einrichtungen. Das Bombenräumkommando wäre schneller vor Ort als die im Jemen die Telefonnummer eintippen könnten. Hinzu kommt, dass die Paketverfolgung auf der UPS-Internetseite nicht besonders zeitnah aktualisiert wird. Fazit: Blöder Plan.

Aber blöder Plan hin oder her, es gibt unendlich viele Spielarten das moderne dicht geflochtene logistische Netz zu nutzen um eine tödliche Ladung von A nach B zu befördern. Das ist ein uralter Hut.

Zitat aus der Wikipedia

Die erste Briefbombe wurde 1904 in Schweden von Martin Ekenberg verschickt, Ziel des Attentats war der Unternehmer Karl Fredrik Lundin in Stockholm.

Der spätere israelische Ministerpräsident Menachem Begin veranlasste 1952 die Versendung von 3 Paketbomben, adressiert an Konrad Adenauer (siehe dazu Attentat auf Adenauer). Bei diesem Attentat wurde ein Polizeibeamter getötet.

Theodore Kaczynski, besser bekannt als Unabomber, verschickte im Zeitraum von 1978 bis 1995 sechzehn Briefbomben.

In den neunziger Jahren sandte der Österreicher Franz Fuchs Briefbomben an verschiedene Persönlichkeiten in Österreich und Deutschland. Der damalige Wiener Bürgermeister Helmut Zilk wurde bei einem Anschlag an der Hand schwer verletzt. Eine weitere Sendung ging an den damaligen Lübecker Bürgermeister Michael Bouteiller. Am 9. Juni 1995 wurde auf die Fernsehmoderatorin Arabella Kiesbauer ein Briefbombenanschlag verübt, bei dem eine Assistentin verletzt wurde. Bei seiner Verhaftung wurde Franz Fuchs durch eine seiner eigenen Bomben verletzt. Franz Fuchs begründete seine Taten mit rechtsextremistischen Motiven („Bajuwarische Befreiungsarmee“). Nach seiner Verurteilung in einem spektakulären Prozess nahm er sich in seiner Zelle das Leben.

Im Dezember 2003 und Januar 2004 wurden Briefbomben an Vertreter der Europäischen Union gesendet. Sämtliche Sendungen wurden im italienischen Bologna aufgegeben.

Im Jahr 2004 wurde Johann Lang als Briefbombenattentäter von Hutthurm bekannt.

Quelle: Wikipedia – Briefbombe

Es gibt zweifelsfrei genügend kranke Gehirne, wie man sieht. Wo wir gerade bei kranken Gehirnen sind: Natürlich darf auch die politische Manipulation nicht fehlen. Sowas fand zum Beispiel nach dem 11. September 2001 statt, als in den USA Briefe mit dem Milzbranderreger versandt wurden. Die dabei verwendete Substanz hatte eine Qualität, die nur aus US-Waffenlaboren stammen konnte. Sie kostete 5 Menschen das Leben. Das Ziel war damals die breite Zustimmung aller Abgeordneten für den »USA Patriot Act«. Ein Gesetzeswerk, mit dem die US-Verfassung zugunsten der Terrorbekämpfung außer Kraft gesetzt wurde. Unnötig zu erwähnen dass die Abgeordneten dem Gesetzesentwurf zugestimmt haben, ohne ihn auch nur quergelesen zu haben. Wer zieht sich schon gerne eine Nase voll Anthrax rein?

Dieser Tage wird uns nun ein Machwerk nach Hollywood-Strickmuster vorgeführt. Die Darsteller sind sorgfältig ausgewählt. Auf der einen Seite der Bösewicht: Die »Al CIA da«. Auf der anderen Seite das arme Opfer: Jüdische Organisationen in den USA. Dazwischen westliche Geheimdienste, Homeland Security, FBI, Bundeskriminalamt, MI5, schlichtweg die Guten. Idealbesetzung also. Die Tatwaffen: Manipulierte Laserdrucker, das globale Telefonnetz und die globale Transportlogistik. Und das Beste: Dieser Film kommt nicht einfach nur im Fernsehen, nicht einfach nur im Kino. Er fand und findet in der Realität statt und so gut wie alle Medien sind daran beteiligt. Nein, keine Sorge. Der Eintritt ist frei. Jedenfalls bis jetzt. Wir werden ihn später entrichten, wenn wir beim Versenden von Briefen und Paketen für nutz- und wirkungslose Sicherheitsmaßnahmen bezahlen müssen. Nitropenta lässt sich nämlich weder mit einem Scanner noch mit Suchhunden aufspüren.

Zur Abrundung des Bildes gab es in der »YEMEN POST« vom 29. Oktober 2010 einen kurzen Artikel. Darin wurde der Air Cargo Direktor der Yemeniah Airways zitiert mit den Worten: »No UPS cargo plane left Yemeni lands over the last 48 hours. These accusations are false and baseless«. Auf Deutsch: »Kein UPS Cargo Flugzeug verließ Jemen in den letzten 48 Stunden. Diese Anschuldigungen sind falsch und unbegründet«.
Hmja, wäre ja nicht das erste Mal, dass beim Umladen auf einem Deutschen Flughafen plötzlich ein Gepäckstück mehr auf dem Band liegt.
Siehe: Suspicious Package to U.S. not from Yemen; Yemenia Air Cargo Director

McCain mag Obama nicht besondersNicht dass es uns irgendwie direkt betrifft. Aber morgen finden in den USA Wahlen zum Repräsentantenhaus, zum Senat, für Gouverneursposten und für nachgeordnete Parlamente statt. Wäre doch gelacht, wenn aus diesem »zufälligen« Laserdrucker-Spektakel nicht irgendjemand Kapital schlagen könnte. Im US-Wahlkampf geht es ein wenig härter zur Sache. Und Geld spielt keine Rolle.

Zum Schluss noch ein kostenloser Tipp: Kauft keine Laserdrucker »Made in Yemen«. Toner »Made in Yemen« schon gar nicht. Jedenfalls keinen weißen.

MfG
Hans

2 Antworten zu “Hilfe! Laserdrucker!”

  1. Linda sagt:

    Ich bin total schockiert, dass weiterhin Terroranschläge geplant werden. Weiterhin bin ich davon überzeugt, dass die USA sich lediglich in Stellung auf den Iran bringen möchte.

  2. Hans sagt:

    Hallo Linda,

    dass es gegen den Iran gehen wird, halte ich für wenig wahrscheinlich. Da halten Russland und China die Hand drüber. Außerdem ist der Iran zu stark. Da würden sich die USA mächtig dran verheben. Die pfeifen ohnehin schon aus dem letzten Loch. Aber der Jemen könnte das nächste Ziel sein. Der wird schon seit einiger Zeit von den Medien sturmreif geschrieben.

    MfG
    Hans