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Osama bin ShoppinHeute schon einen Taliban gesehen? Nicht? Seltsam, dabei müsste es von denen hier nur so wimmeln. Jedenfalls gemessen an dem Aufwand und den Kosten die uns unsere so genannte politische Elite mit der Bekämpfung der Taliban beschert. Ein ehemaliger Kollege mit »südländischer Herkunft« bezeichnete die Taliban einmal als einen Haufen Hinterwäldler. Vermutlich hat er recht. Niemand sonst würde ein ganzes Volk in ein religiöses Korsett zwingen, das es mit den Menschenrechten nicht so genau nimmt. Außer vielleicht … aber das ist schon über 1200 Jahre her, die Geschichte mehrfach korrigiert und damals gab es ja noch keine Menschenrechts-Charta. So können sich heutige Politiker des Beifalls gewiss sein, wenn sie von Karl dem Großen als erstem echten Europäer schwafeln. Oder sich gebauchpinselt fühlen, wenn sie mit dem Karlspreis der Stadt Aachen behängt werden. Winston Churchill bekam ihn 1956 verliehen als »Hüter menschlicher Freiheit – Mahner der europäischen Jugend«. Ein kurzer Blick in die Geschichte genügt, um den Witz zu verstehen.

Carolus Magnus, wie Karl der Große auf Latein heißt, war ganz sicher nicht von einem europäischen Geist beseelt. Er war machtbesessen und folgte egoistischen Motiven. Schlachtete die damals heidnischen Völker mit päpstlichem Segen ab, wenn sie sich partout nicht zum Christentum bekehren lassen wollten. Vernichtete Ethnien und Kulturen. Wofür ihn Papst Leo III. am Weihnachtstag des Jahres 800 mit der Kaiserkrone belohnte. Fragt sich nur, mit welchem Recht. Leo III. berief sich auf die »Konstantinische Schenkung«, in der der römische Kaiser Konstantin I. um das Jahr 315 unserer Zeitrechnung religiöse und teilweise politische Hoheit an Papst Silvester I. und all seine Nachfolger abtrat. Nun war diese Schenkung jedoch nichts weiter als eine Behauptung der Kirche. Eine diesbezügliche Urkunde wurde nebst Konstantins Glaubensbekenntnis erst knappe 500 Jahre später um die Zeit von Karls Kaiserkrönung angefertigt. Und bereits im späten Mittelalter war die Fälschung als solche entlarvt. Was lernen wir daraus? Die ganze europäische Geschichte basiert auf Lug und Trug und Eigennutz. Ist bis in die jüngste Zeit davon durchwachsen. Angeblich große Staatsmänner gerieren zu leibhaftigen Schweinen die man nur in feines Tuch gehüllt hat, wenn ein wenig von dem Lack abgekratzt wird.

Karl der Große und Ludwig der FrommeVor diesem Hintergrund betrachtet stellt sich für einen halbwegs logisch denkenden Menschen die Frage, wie wir dazu kommen unsere ach so hehren Werte anderen Völkern aufs Auge drücken zu müssen. Heute ist es natürlich verwerflich, wildfremden Menschen den rechten Glauben mit Feuer und Schwert einzubläuen. Immerhin genießen laut Menschenrechts-Charta der Vereinten Nationen alle Menschen Glaubensfreiheit. Das heißt, solange sie sich dabei immer auch brav Gott Mammon unterwerfen und die Allmacht der USA anerkennen. Tun sie es nicht, werden sie wie zu Zeiten Karls des Großen missioniert. Nicht mehr plump mit Feuer und Schwert. Das Arsenal an Tötungswerkzeugen wurde in 1200 Jahren deutlich erweitert. Raketen, Bomben, Kanonen, Granaten, Mörser, Maschinengewehre. Der neueste Schlager sind ferngesteuerte Flugzeuge, mit denen der Unterwerfungsunwillige per Knopfdruck vom Leben zum Tode befördert wird. Ein weiteres modernes Instrument ist die so genannte »Freie Presse«, die uns die Verbrechen unserer »Freiheitlich Demokratischen Grundordnung« schön schreibt. Nicht zu vergessen willfährige Politiker die nicht müde werden zu versichern, dass es ganz wichtig sei, wenn eben erwähnte Grundordnung am Hindukusch verteidigt würde.

Spaß-GuidoWie vergangenen Freitag Guido Westerwelle in seiner Eigenschaft als Bundesaußenminister. Am letzten Sitzungstag vor der Sommerpause des Bundestages gab er noch schnell eine Regierungserklärung ab. Darin bezeichnete er den Einsatz der Bundeswehr am Hindukusch als »gewiss nicht populär, aber unverändert notwendig in unserem eigenen Interesse«, damit das Land nicht Rückzugsort für Terroristen bleibt und »wir hier sicher leben können«. Nun gut, er hat ja nicht umsonst den Beinamen »Spaß-Guido«. Rückzugsort für Terroristen. Offen gesagt hätte ich kein Problem damit, wenn Afghanistan Rückzugsort für Terroristen wäre. Dann wüsste man wenigstens wo sie sind. Aber nach US-amerikanischer Darstellung kam ein Teil der ominösen Terrorflieger vom 11. September 2001 aus Deutschland. Wäre es denn damals nicht konsequenter gewesen, Deutschland anzugreifen statt Afghanistan? Was sich inklusive meiner Wenigkeit hier niemand wünschen möge. Doch anhand der noch immer dargestellten Behauptungslage ist Deutschland ebenso ein Rückzugsort für Terroristen wie Afghanistan. Nicht zuletzt weil die hiesige Politik islamistische Parallelgesellschaften ungehindert wuchern lässt, sie teilweise sogar fördert. Warum also in die Ferne schweifen, wenn das »Gute« liegt so nah?

Vorletzten Sonntag hörte ich in privater Runde eine interessante Meinung über den Nutzen des Afghanistan-Krieges. Demnach könne man in dem geschundenen Land, wenn es dereinst möglicherweise unterworfen würde, Bodenschätze abbauen. Da sei es doch gut, wenn unsere Bundeswehr schon vor Ort ist und den USA bei ihrem Raubzug hilft. Auch im Rahmen diverser Partnerschaften wie NATO, ISAF, sowie wirtschaftlicher Verpflichtungen, Verflechtungen und so. Klingt von einer gewissen Perspektive aus betrachtet plausibel. Es fällt mir allerdings schwer zu verstehen, warum so viele Menschen dafür sterben müssen. Oder verstümmelt und ins Elend gestürzt werden. Wozu werden dabei ganze Landstriche mit Uranmunition und anderen Giften verseucht? Das ohnehin knappe Grundwasser vergiftet? Wäre man dort tatsächlich an Bodenschätzen interessiert, dann geschähe dort Kolonialismus von der allerübelsten Sorte. Doch hat Afghanistan nichts an Mineralien was sich nicht auch an anderen Ecken der Erde findet. Mineralien kann man auf friedlichem Wege einkaufen oder abbauen. Und billiger, denn der Afghanistankrieg kostet Tag für Tag viel Geld ohne dass bisher kommerziell interessante Mengen an Erz gefördert wurden. Ein weiterer Aspekt: Kürzlich hatte das Fernsehen wieder einmal großes Gewese um so genannte »Blutdiamanten« gemacht. Das sind Diamanten, die in Krisengebieten gefördert zur Finanzierung von Kriegen und Aufständen verkauft werden. Was Anderes wären denn einst Mineralien aus Afghanistan? Daran würde doch mindestens genau so viel Blut kleben.

Aber mit derlei Gedanken verteilt man ohnehin die Haut des Bären, noch bevor selbiger erlegt ist. Die Briten haben es in über 100 Jahren nicht geschafft, Afghanistan zu unterwerfen. Statt dessen begann während des Dritten Anglo-Afghanischen Krieges ihr Weltreich zu zerfallen. Jahrzehnte später bissen sich die Sowjets in einem zehnjährigen Krieg an Afghanistan die Zähne aus. Bei dessen Ende bekanntlich die Sowjetunion zu zerbröckeln begann. Womit ich hier freilich keinen kausalen Zusammenhang behaupten möchte, doch für ein Menetekel reicht es allemal mit Blick auf den angeschlagenen Raubtierkapitalismus US-amerikanischer Provenienz.

Osama bin LadenAfghanistan hat dennoch etwas, was sich nicht an vielen Ecken der Erde findet. Es liefert gewissermaßen eine immaterielle rechtsfreie Infrastruktur. Geschaffen von der Politik mithilfe der ach so freien Medien. Das Rezept: Man nehme ein Land, das sich nicht dem Zeitgeist und der veröffentlichten Meinung unterwirft. Dann wird es zum Versteck von bösen Terroristen – namentlich Osama bin Laden und seine Al Kaida – deklariert. Das dort herrschende Taliban-Regime, jene oben erwähnten Hinterwäldler, wird bezichtigt sie versteckten Osama und seine 40 Räuber. Natürlich verschweigt man geflissentlich, wer die Al Kaida ursprünglich ins Leben gerufen hat. Dann nehme man UN-Resolution 1368, in der den USA am 12. September 2001 das Recht auf Selbstverteidigung zugesprochen wurde, und pervertiere sie zu einer Rechtfertigung für einen Angriffskrieg. Schon hat man eine rechtsfreie Infrastruktur geschaffen. Denn dort wo Krieg herrscht, lassen sich Gesetze nur schwerlich durchsetzen wenn der bestens gerüstete Angreifer es nicht will.

Am Rande bemerkt: Osama bin Laden – der bereits seit Dezember 2001 nicht mehr unter den Lebenden weilt – wird noch immer vom FBI gesucht*). Aber nicht wegen der Anschläge vom 11. September 2001. Dafür fehlen dem FBI nämlich die Beweise, wie es selbst zugibt. Was die USA und ihre Verbündeten jedoch nicht davon abhält, das seit 200 Jahren geschundene Land weiterhin mit Krieg zu überziehen.
*) Erstaunlich, dass man das Bild in dem Steckbrief noch nicht aktualisiert hat. Oder nicht?

Gen. Stanley McChrystalKommen wir zurück zu Spaß-Guido und seinem Rückzugsort für Terroristen. Afghanistan? Nein, Pakistan dieses mal. Auf der Karte gleich rechts unten neben Afghanistan zu finden. Von dort aus operieren Terrorgruppen, die gerne auch international arbeiten. Vorigen Monat hatte US-Präsident Obama den kommandierenden General für Afghanistan, Stanley McChrystal, abgesetzt. Der soll sich in einem Interview mit dem Magazin »Rolling Stone« etwas zu kritisch über die Afghanistan-Politik der US-Regierung geäußert haben. Mag vielleicht so sein, ist aber anscheinend noch nicht einmal die halbe Wahrheit. Laut dem Leiter von »PRESS TV« in Kabul, Mohammad Ruhi, steckt da noch weit mehr dahinter. Demnach soll McChrystal Informationen über die Zusammenarbeit der NATO (bzw. Pentagon) mit dem früheren Anführer der Terrorgruppe Jundallah, Abdolmalek Rigi, preisgegeben haben. Die Jundallah operiert von Pakistan aus und bekämpft in einem blutigen Terrorkrieg die Regierung in Teheran. Rigi wurde im Februar diesen Jahres von iranischen Sicherheitskräften festgenommen, später zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Die Jundallah ist nicht nur für viele Terroranschläge im Iran verantwortlich. Sie organisiert auch den Schmuggel von Drogen aus Afghanistan. Namentlich Rohopium, der größte Exportschlager des Landes. Afghanistan ist mit zurzeit 89% Anteil Weltmarktführer in der Produktion von Rohopium. Was wiederum nur funktioniert, wo es oben erwähnte rechtsfreie Infrastruktur gibt. Das Taliban-Regime hatte die Jahresproduktion an Opium von 1999 bis 2001 auf 150 Tonnen reduziert und sie vermutlich früher oder später ganz zum Erliegen gebracht. Das war, neben vielen anderen, wohl der schwerste Fehler der Taliban. Und der eigentliche Grund, warum die USA das Land überfielen. Denn mit Heroin und anderen Opiaten wird weltweit viel Geld umgesetzt. Pro Jahr schätzungsweise 65 Milliarden US-Dollar. Das entspricht dem Jahresumsatz eines mittelgroßen Autoherstellers. Verständlich, wenn sich die »Internationale Drogenmafia« das Geschäft nicht von ein paar Hinterwäldlern kaputt machen lassen will. Unnötig zu erwähnen, dass es die »Internationale Drogenmafia« natürlich gar nicht gibt und selbige deshalb auch keinerlei politischen Einfluss ausübt. Wohl aber die »Internationale Hochfinanz«. Ob es da einen eventuellen Zusammenhang gibt, darf sich jeder gerne selbst ausdenken. Im Jahre 2009 wurden jedenfalls wieder über 7.700 metrische Tonnen Rohopium und Opiate aus Afghanistan exportiert. Pecunia non olet.
Datenquelle: UN World Drug Report 2010 (engl. PDF)

Laut »PRESS TV« soll Stanley McChrystal auch den, von den USA eingesetzten, afghanischen Präsidenten Hamid Karzai über NATO-Pläne informiert haben nach denen im ganzen Lande Talibankämpfer mobilisiert und in den Norden verbracht werden sollen. Dorthin, wo die Deutsche Bundeswehr stationiert ist und wo angeblich halbwegs stabile Zustände herrschen. Damit wird dann wohl bald Schluss sein. Hamid Karzai – der in der jüngeren Vergangenheit mehrfach aus der Rolle gefallen war, indem er scharfe Kritik in Richtung USA äußerte – gewann mit McChrystals Offenbarungen weitere Munition gegen die US-Regierung. Man darf spekulieren, wie lange sich Karzai noch im Amt halten wird.

Deutsche ISAF-FlaggeZusammengefasst kann man sagen, dass niemand so recht Interesse an einer wirklichen Befriedung von Afghanistan hat. Auch wenn die ISAF-Mission es auf dem Papier so vorsieht. Karzai, seine Familie, die ganze afghanische Regierung verdient Geld im Drogengeschäft. Die Taliban finanzieren sich ebenfalls mit Drogenschmuggel. Die NATO (bzw. das Pentagon) arbeitet mit den Taliban und Drogenschmugglern wie der Jundallah zusammen und unterstützt letztere auch noch für Terrorattentate im Iran. Gleichzeitig spült der Krieg Geld in die Kassen von Rüstungskonzernen und Zulieferern. Die »Internationale Hochfinanz« freut sich über den Fluss von legalem und von Drogengeld gleichermaßen. Und die Deutschen Landsknechte bekommen dicke Prämien für ihre Teilnahme. So gewinnen also alle Beteiligten auf die eine oder andere Weise. Sogar das afghanische Volk. Das ist jetzt befreit. Gut, Viele von ihrem Leben. Aber was machen derlei Begleitumstände schon in der Umsatzstatistik? Nicht mal eine Fußnote.

Jetzt wissen wir auch warum Spaß-Guido, der seltsame adelige Sunnyboy im Verteidigungsministerium und der ferngesteuerte Hosenanzug im Bundestag so vehement für eine Fortsetzung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr eintreten. Sie dürfen gar nicht anders.

MfG
Hans

Eine Antwort zu “Carolus und die Taliban”

  1. zdago sagt:

    @Niemand sonst würde ein ganzes Volk in ein religiöses Korsett zwingen,

    tausche „religös“ durch politisch korrekt – und ich nenne dir eine fast beliebige Anzahl – obwohl die lenkenden Spitzen dabei immer die gleichen sind!
    mfg zdago