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Europa, eine Gestalt der griechischen Mythologie, ist die Tochter des phönizischen Königs Agenor und der Telephassa. Zeus verliebte sich in sie. Er verwandelte sich wegen seiner argwöhnischen Gattin Hera in einen Stier. Sein Bote Hermes trieb eine Kuhherde in die Nähe der am Strand von Sidon spielenden Europa, die der Zeus-Stier auf seinem Rücken entführte. Er schwamm mit ihr nach Matala auf der Insel Kreta, wo er sich zurückverwandelte. Der Verbindung mit dem Gott entsprangen drei Kinder: Minos, Rhadamanthys und Sarpedon. Auf Grund einer Verheißung der Aphrodite wurde der fremde Erdteil nach Europa benannt.

Quelle: Wikipedia

Gustave Moreau - Europa und der Stier

Der erwähnte fremde Erdteil ist der auf dem wir heute leben. Ein Kontinent mit einer – wenn man so sagen darf – abwechslungsreichen Geschichte. Der jüngste Abschnitt in dieser Geschichte ist die Vereinigung aller autochtonen Völker Europas unter großzügiger Beimengung fremder Ethnien zu einem europäischen Superstaat. Das in den üblichen Sonntagsreden erklärte Ziel dabei ist, gleiche Lebensverhältnisse für alle Europäer zu schaffen. Wie das in der Praxis aussieht, erleben wir seit den 1990er Jahren. Die ärmeren Staaten in der Europäischen Union wurden nicht auf deutsches Niveau angehoben, sondern das deutsche Niveau sank zu Gunsten der anderen.

Mit dazu beigetragen hat die Gemeinschaftswährung, der Euro. Jener Währung, bei deren vertraglicher Festlegung der damalige französische Präsident François Mitterrand sinngemäß sagte: »Das ist wie Versailles, nur ohne Krieg« (Versailles sans guerre). Vor Einführung der Eurozone war es beliebte Tradition, den Franc, die Lira, die Peseta oder die Drachme gegenüber der D-Mark abzuwerten. Die D-Mark galt als »harte Währung«. Denn bei allem Nationalstolz der übrigen Länder wirtschaftete kein Land in Europa so fleißig und erfolgreich wie Deutschland. Das ging auch nach dem Start der Eurozone so weiter. Deutschland war viele Jahre in Folge Exportweltmeister, nunmehr allerdings mit »Mitessern«.

Freilich gab und gibt es strenge Kriterien für jene, die an der Eurozone teilnehmen wollen. Sie müssen unter anderem stabile öffentliche Haushalte vorweisen und ihre Neuverschuldung soweit im Zaum halten, dass sie die Gemeinschaftswährung nicht über Gebühr belasten. Der so genannte Stabilitätspakt, nach dem zum Beispiel kein Teilnehmerstaat ein jährliches Haushaltsdefizit von mehr als 3 % des Bruttoinlandsproduktes (BIP) haben darf.

Griechenland erfüllte 2001 die Kriterien dieses Paktes. Allerdings mit einem kleinen Schönheitsfehler. Man hatte die Bücher frisiert und über die Jahre mithilfe der US-Investmentbank Goldman Sachs eine weit niedrigere Verschuldung des Haushalts vorgegaukelt. Dank des Euro kam Griechenland wesentlich leichter und billiger an internationale Kredite. Was man in Athen weidlich nutzte. Der systematische Betrug flog auf, nachdem es im Oktober letzten Jahres einen Machtwechsel in der griechischen Regierung gab. 2008 hatte die frühere Regierung unter Ministerpräsident Konstantinos Karamanlis noch eine Neuverschuldung von 3,7 % nach Brüssel gemeldet. Was man unter den damals gegebenen Umständen wohl als Lapsus betrachtete. Ende 2009 ließ die neu gewählte Regierung unter Georgios Papandreou die Hosen runter. Plötzlich waren es 12,7 % des BIP.
Siehe: Haushaltskrise: Goldman Sachs half Griechenland bei Schuldenkosmetik

Und nun halten die Griechen nach vielen Jahren der Misswirtschaft und der Verschleierung internationaler Kredite die Hand auf. Nachdem sie sich in den Jahren zuvor an den Segnungen des Euro gütlich getan und über ihre Verhältnisse gelebt haben, wollen sie jetzt noch mehr Geld von der Gemeinschaft. Der Stabilitätspakt sieht so etwas jedoch nicht vor, verbietet es sogar. Was bleibt in so einem Fall anderes übrig, als sich wieder einmal an die Melkkuh Europas zu wenden. Man muss nur einen bestimmten Nerv treffen.

Da war doch mal was. Ach ja richtig: Der Zweite Weltkrieg. Die Griechen waren damals mit Großbritannien verbündet, welches Deutschland den Krieg erklärt hatte und sich davon trotz vieler Vermittlungsversuche auch nicht abbringen ließ. Der italienische Diktator Mussolini befahl gegen Ende 1940 seinen Truppen ohne deutsches Vorwissen in Griechenland einzumarschieren. Der zu jener Zeit in Griechenland regierende Diktator General Metaxas hatte ein zuvor von Mussolini gestelltes Ultimatum zur Aufgabe mit einem schlichten »Nein« abgelehnt. Die italienischen Truppen wurden von der griechischen Armee umgehend bis in das von Italien bereits besetzte Albanien zurückgeschlagen. Damit hatte Mussolini eine unnötige Front aufgemacht. Denn nun befand sich Italien mit Griechenland im Krieg und die Griechen waren durchaus in der Lage einen Gegenbesuch abzustatten. Deutsche Vermittlungsversuche scheiterten. So musste Hitler-Deutschland, das mit Griechenland nicht noch einen Gegner brauchen konnte, die Lage im Frühjahr 1941 für seinen italienischen Verbündeten klären. Was nach harten Kämpfen gelang. Die dort befindlichen 50.000 britischen Soldaten flüchteten über das Mittelmeer nach Ägypten.

Im Jahre 1960 einigten sich die BRD und Griechenland auf eine Entschädigungszahlung von 115 Millionen D-Mark zu Gunsten Griechenlands. Was damals einiges mehr wert war als heute. In der gegenwärtig angespannten finanziellen Situation die Griechen aber offenbar nicht davon abhält, weitere Forderungen an Deutschland zu stellen. Vielleicht sollten sie sich lieber an Italien wenden. Die hatten den Mist schließlich angefangen. Doch ist es fraglich, ob italienische Politiker so unterwürfig reagieren werden wie es unsere Kleiderständer – t’schuldigung, Volksvertreter – zu tun pflegen. Ganz davon abgesehen geht es den Italienern finanziell auch nicht besonders gut.

Focus Titelblatt Ausg. 08/10 vom 22. Februar 2010Natürlich fühlt sich in Griechenland niemand an der Finanzmisere schuldig. Schuld sind immer die anderen. Die EU und den blöden Euro wollten sie auch nie haben. Niemand hat in Griechenland Bilanzen gefälscht. Deutschland hat gefälscht. Der kommunistische Abgeordnete Nikos Papaconstantinou meinte allen Ernstes: »Als wenn wir nicht wüssten, dass Deutschland den Wert seiner Goldreserven aufgebläht hat, um den Euro zu bekommen«. Was für ein Spaßvogel. Als wenn wir nicht wüssten, dass der Euro ohne deutsche Unterstützung gar nicht möglich wäre. Und als wenn wir nicht wüssten, dass sich nicht alleine Griechenland an deutschen Zahlungen in den EU-Topf gütlich getan hat. Jetzt kommen die auch noch angewackelt und wollen rotzig werden.
Siehe: Griechische Politiker fordern Reparationszahlungen

Überhaupt scheinen die Griechen das ganze Repertoire ausschöpfen zu wollen. Der letzte Focus erschien mit dem Titel »Betrüger in der Euro-Familie«. Daneben abgebildet die Venus von Milo mit ausgestrecktem Stinkefinger. Nun gut, über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Die Griechen nehmen dies aber nun zum Anlass, beleidigt zu sein. Zugleich rufen sie deswegen zu einem Boykott deutscher Waren auf. Wenn der Schuss mal nicht nach hinten losgeht. Immerhin steht Griechenland bei deutschen Banken mit 30 Milliarden Euro in der Kreide, man lebt von deutschen Griechenlandurlaubern und möchte auch weiterhin, dass Deutsche die landwirtschaftlichen Erzeugnisse aus Griechenland kaufen. Was würden die wohl machen, wenn die Deutschen sich plötzlich beleidigt fühlten?

Einst waren die Griechen für die Lehre von der Philosophie berühmt. Heute für die Leere ihrer Kassen. Goldman Sachs will zurzeit keine Stellungnahme zu den Schwindeleien abgeben. Wohl vermutlich, weil der Fed-Chef Ben Bernanke eine Untersuchung angekündigt hatte. Aber was dabei rauskommt, kann sich jeder leicht ausmalen. Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.

MfG
Hans

7 Antworten zu “Griechische Philosophie”

  1. Gilbert sagt:

    Immerhin steht Griechenland bei deutschen Banken mit 30 Milliarden Euro in der Kreide

    Da es sich vorzugsweise um Landesbanken handelt, wird das wohl dazu führen, dass sich die deutsche Hehlerregierung der griechischen Betrügerregierung unterwirft und irgendwelche Verhandlungen anfängt, die letztendlich dazu führen, dass die 30 Mrd. dem deutschen Steuerzahler aufs Auge gedrückt werden.

    Wie du schon sagst, das deutsche Niveau sinkt zugunsten der anderen. Über kurz oder lang wird eine massive Inflation wohl kaum noch zu vermeiden sein.

  2. zdago sagt:

    @wie es unsere Kleiderständer – t’schuldigung, Volksvertreter – zu tun pflegen

    Volksvertreter ist schon richtig – die Vertreten das Volk wie ein Staubsaugervertreter die Staubsauger!

    Was 1941 betrifft – die griechen haben sich mit großen Versprechen in den Krieg hetzten lassen von ihren „Freunden“ – eigentlich müßten sie bezahlen – wenn es schon Anspüche gibt.
    Dummerweise ist Deutschland aber noch besetzt, wird von feindlichen Kollaborateuren verwaltet und dank der UN-Feindstaatenklausel kann jedes Anhängsel der USA bis heute mit Krieg und Einmarsch drohen oder aktiv werden, ohne sich damit ins Unrecht zu setzen – als ob das irgendetwas zu bedeuten hätte.
    Wir werden das erst los, wenn wir die Amerikaner los sind und Deutschland wieder frei ist und das deutsche Volk dann noch die Kraft hat -und nicht – wie drückte es der Turnschuh-Politiker aus – „von innen ausgedünnt ist“.

    Und der Weg dazu scheint zu sein, durch den deutschen Bankrott den ganzen Parasiten das Geld zu entziehen. Erst wenn die US-Hegemonie mangels ausbeutbaren Gebieten zusammengebrochen ist, kann das deutsche Volk – so es noch die Kraft hat – sein Leben wieder aufbauen. Ob allerdings diese Kraft noch vorhanden ist ???
    mfg zdago

  3. Gilbert sagt:

    Ich wollte es ja nicht so deutlich sagen, aber wenn die Tommies nicht Griechenland mehr oder weniger besetzt und die Spaghettis nicht so jämmerlich wie anderswo auch versagt hätten, hätten es die Krauts nicht nötig gehabt, den strategischen Stachel in der Südostflanke rauszuschneiden. C’est la guerre, wie unser westlicher Nachbar weiß.

    Beim letzten Punkt bin ich etwas skeptisch, je länger das dauert, da die Ausdünnung schon recht weit gediehen ist.

  4. zdago sagt:

    @die Spaghettis nicht so jämmerlich wie anderswo auch versagt hätten
    Na ja – die Soldaten selbst sollen ja durchaus tapfer gewesen sein – aber ihre Offiziere waren in erster Linie Polit-Offiziere – ihre politische Willfährigkeit war weitaus wichtiger als ihre militärischen Fähigkeiten, ihre Ausrüstung der letzte Dreck – kuez – wie es sich bei der Bundeswehr entwickelt.
    Die italienische Führung war ein Netz von Verrätern – die Befehle waren schneller bei den Engländern als bei den eigenen Truppen.
    Übrigens – das war einer der Gründe, warum Rommel in Afrika so erfolgreich war. Seine Befehle aus Rom wurden auch an die Engländer weitergegeben, wenn nicht sogar abgesprochen. Aber Rommel hat sich nicht daran gehalten, während sich die Engländer darauf verlassen haben.

    Und nicht nur die Ausdünnung:
    http://www.mmnews.de/index.php/201003015051/MM-News/Soros-Bilderberger-Co-Das-dreckige-Spiel-mit-dem-Euro.html
    mfg zdago

  5. zdago sagt:

    ah ja – und zum politischen Hintergrund heute sollte man auch die Aussagen deutscher Politiker kennen, wie sie hier bsp. gesammelt sind:
    http://www.pi-news.net/2010/03/zitate-deutscher-politiker/
    Kann man gar nicht oft genug hören !
    mfg zdago

  6. Stefan sagt:

    Mein Name ist Stefan und meine Mutter ist Deutsche und mein Vater Grieche. Ich bin in beiden Ländern aufgewachsen und fühle mich beiden Ländern gleich verbunden. Sicher ist das der Grieche an sich ein etwas gemütlicherer Zeitgenosse ist als der Typische Deutsche. Dennoch ist der Deutsche auch nicht nur mit Tugenden ausgestattet. Was ich damit meine? Aussagen wie der erste Beitrag von zdago sind doch etwas braun gefärbt. Aber auch im allgemeinen ist es doch Fakt, das im ehemals Land der Dichter und Denker, Tugenden wie ideale aber auch die Fähigkeit sich nicht von den Medien aufhetzen zu lassen, vollkommen von der Bildfläche verschwunden sind. Wer hinterfragt den Focus oder den Spiegel? Sicher sind einige Fakten korrekt, doch wie heißt es? „der ton macht die Musik“. Auch diese permanenten kassandrischen Prophezeiungen ahnungsloser Nichtswisser geht mir langsam echt auf die Nerven!

    Wie viele dieser läute die hier großspurigerweise am liebsten eine griechische Insel für die Finanzielle Hilfe haben wollen habe denn einen durchschnittlichen und in Griechenland lebenden Griechen kennengelernt? Ich wette keinen! Dann wüssten sie dass die meisten Griechen 2 oder 3 Jobs haben um ihre Familie zu ernähren. Dann wüssten sie das trotz deutlich geringerer löhne die Lebenshaltungskosten vergleichbar mit Deutschland sind. Und sie wüssten dass der Grieche um sein recht kämpft. Sicherlich manche mit falschen mitteln und falschen Motiven aber ich verweise nur an die 1 mai Demos in Deutschland. Da gibt’s auch Krawalle und die ohne jeglichen Grund.

    Was das Titelblatt vom Focus betrifft da muss ich Hans widersprechen. Das ist keine Geschmacksfrage sondern eine Beleidigung nicht der Griechen sondern einer der ältesten Kulturen Europas und einer der bedeutendsten der Welt. Allein die Tatsache dass wir hier offen unsere Meinung kundtun können haben wir den Griechen zu verdanken. Und wenn ein Grieche kein Geld hat, so hat er Kultur im Übermaß. Ob antik oder Modern. Und er ist stolz darauf. Unrecht hat er damit nicht. Und da in Griechenland man auf seine Kultur und sein Land stolz sein darf (in Deutschland bist ein Nazi, wenn du zur WM ein Deutschland Fähnchen am Auto hast), fühlt man sich zu Recht beleidigt. Aber in so einer Situation ist das nicht nur beleidigend, sondern auch eine offene Provokation. Ich frage mich was der Chefredakteur des Focus sich dabei gedacht hat? Ich glaube das er nur an das verkaufen von so vielen heften wie möglich gedacht hat und nicht wie er die Leser adäquat informieren kann. Woran er sicher nicht gedacht hat das er in so einer kritischen Phase lieber nicht öl ins Feuer schütten sollte. Dann würde er ja nix verkaufen. Focusleser fressen sowieso alles ohne mal darüber nachzudenken was wirklich wahr und logisch ist. Also die Divise wäre im Optimalfall die von Dieter Nuhr: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal fresse halten.

    Was ich damit sagen will ist das die Griechen NICHT an der aktuellen Situation schuld ist, sondern die korrupte griechische Regierung. Die Griechen leiden nur darunter. Und das sie sauer sind das sie die Kuh vom Eis holen müssen während die reiche Oberschicht noch kaum zur Kasse gebeten wurde. Der brave deutsche würde jetzt sagen „ABER ICH HABE DOCH DIE GRIECHEN BEZAHLT“.

    1. Nicht bezahlt sondern einen Kredit gegeben.
    2. Während das ganze jeden Deutschen 1 oder 2 Euro gekostet hat, macht sich der Grieche gedenken wie er mit seinen wenigen Kröten die ihm noch gekürzt werden über die runden kommt.

    Um das ganze abzuschließen. Jeder deutsche sollte etwas mehr Grieche werden und jeder Grieche ein bisschen deutsch. Das heist: liebe mitdeutschen fangt an euch etwas zu entspannen und aktiviert euer Hirn um nicht wie ferngesteuerte Roboter Meinungen eingepflanzt zu bekommen sonder sie euch endlich selber zu bilden. Der Focus ist dafür die falsche Zeitung. Auf der anderen Seite würde ich mich über ein besser organisiertes Griechenland auch freuen. Aber am besten wäre wenn sich die Völker aufeinander zubewegen würden, ein zustand der ALLEN hilft. Den Griechen um aus der Schuldenfalle zu kommen und die Deutschen um ihr Geld wieder zu bekommen. Mit Polemischen reden und texten hat man nie sinnvolles praktizieren können.

    LG

    Stefan

  7. Hans sagt:

    Hallo Stefan,

    natürlich kann ich verstehen, wenn sich jemand mit den Griechen in irgendeiner Form identifiziert und deshalb anderer Meinung ist. Nur gibt es wie üblich einen klaren Unterschied zwischen Sentiment und Realität. Die großartigen Errungenschaften der Griechen sind schon geraume Zeit her. Die Demokratie und die Meinungsfreiheit, für die wir den Griechen ewig dankbar sein sollen, hatten bei Licht betrachtet einen unübersehbaren Schönheitsfehler: Sie waren nur bestimmten Ständen vorbehalten. Frauen hatten damals nicht viel zu sagen. Sklaven, Leibeigene und Bauern schon gar nicht.

    Ich bin übrigens selbst Focus-Leser. Nicht weil ich glaube, dass der Focus wahrer berichtet als Spiegel, Stern und Konsorten. Der Focus ist ein Mainstream-Medium und kann nicht aus seiner Haut. Im Gegensatz zu anderen verzichtet man dort aber dankenswerter Weise auf langweiliges pseudointellektuelles Geschwafel. Mir genügt es, wenn ich die Neuigkeiten mitgeteilt bekomme. Die Recherche zu den Themen – sofern sie mich interessieren – mache ich an anderer Stelle. Und auch meine eigenen Gedanken. Deshalb keine Bange. Ich lasse mir keine Meinungen einpflanzen.

    Die hochgespielte Beleidigung der Griechen, weil jemand der Venus von Milo einen Arm mit Stinkefinger dran gebastelt hat, erfüllt den gleichen Zweck wie so oft: Man will moralisches Kapital gewinnen. Ob diese Taktik auch die Griechen erfunden haben weiß ich nicht. Aber wenn es schon möglich ist, mit einem eher lustigen Bildchen eine antike Kultur zu beleidigen, kann es mit dieser Kultur wohl nicht mehr weit her sein.

    Auch was die vielgepriesene politische Kultur betrifft. Über die Jahrhunderte und Jahrtausende haben die Griechen von der Tyrannenherrschaft bis zur Militärdiktatur alles mögliche ausprobiert. Manches sogar mehrfach. Zufälligerweise war da auch etwas dabei, das sie Demokratie nannten. Zwischenzeitlich ist man bei dem angelangt, was uns heute als Demokratie verkauft wird. Und sie behaupten auch noch, sie hätten das erfunden. Sollten die Griechen diese Art von Demokratie wirklich erfunden haben, dann müssten sie sich was schämen.

    In Griechenland herrscht die gleiche Form der Korruption vor wie im Rest der Welt. Nur eben viel stärker ausgeprägt als im Durchschnitt, und ohne einen müden Heller auf der Naht. Das Volk hat sich in der allgegenwärtigen Korruption eingerichtet und übt Anarchie, weil nun gezwungener Maßen ein wenig Ordnung einkehren soll. Aber was ist falsch daran, die diversen Augiasställe auszumisten? Schlimmer als die Lage in Griechenland ist kann sie kaum noch werden. Nur besser.

    Was den Satz »ABER ICH HABE DOCH DIE GRIECHEN BEZAHLT« betrifft; den habe ich noch nirgends gehört. Jedes Kind weiß, dass es sich um Kreditbürgschaften handelt. Und jedes Kind weiß, dass hauptsächlich Deutschland einspringen muss, wenn Griechenland zahlungsunfähig werden sollte. Schon jetzt ist klar; Griechenland wird noch viel mehr Geld brauchen. Schon jetzt ist klar; falls Griechenland auch nur in die Nähe einer Krise kommen sollte werden ferngesteuerte Deutsche Politiker das irgendwie mit dem Deutschen Steuersäckel reparieren. Da geht es nicht um ein oder zwei Euro, die jeder Deutsche zusätzlich zu zahlen hätte. Das wäre ein Klacks. Es geht um Ratings und um Zinsen, die für Deutschlands Schulden schlagartig anwachsen könnten. Ab da reden wir über zig Milliarden per anno.

    Und ja, doch. Polemisches reden und texten hat schon oft sinnvolles bewirkt. Viel eher jedenfalls als mit Sentimentalitäten und falscher Rücksichtnahme.

    MfG
    Hans