Es ist schon seltsam. Da hat man sich mehrere Abende lang seinen eigenen Blog zusammengebastelt, möchte seinen ersten Artikel schreiben und schon fällt einem partout nichts ein.
Vielleicht etwas über Schulden? Damit hat sicher schon jeder einmal seine Erfahrungen gemacht. Je mehr Schulden, desto mehr Erfahrungen. Ich selbst habe mir das Schulden machen schon vor vielen Jahren abgewöhnt. Da kriegt man nur ein schlechtes Karma von. Andere wiederum sind jedoch auf Darlehen angewiesen, aus welchen Gründen auch immer. Wieder Andere kaufen Dinge die sie nicht benötigen, bezahlen mit Geld das sie nicht haben, nur um Leuten zu imponieren die sie nicht leiden können. So oder ähnlich geht jedenfalls die noch relativ junge Spruchweisheit.
Wie oben erwähnt, haben wir alle schon unsere Erfahrungen damit gesammelt. Also wissen wir, Schulden müssen zurück bezahlt werden. Mit Zins und Zinseszins. Der ansonsten recht umgängliche Bänker mutiert sonst zu einem dickfelligen Gesellen, der kein Pardon kennt. Wir kleinen Leute kennen die Regeln. Und irgendwie ist es ja auch eine Frage der Ehre.
Deshalb staunt der kleine Mann oder die kleine Frau von der Straße, mit welcher Leichtigkeit der von uns heiß und innig geliebte Staat in wenigen Jahrzehnten einen geradezu obszönen Berg an Schulden angehäuft hat. Tausend Euro kann sich der Einzelne noch leicht vorstellen, das sind einfach zehn Hunnis oder zwanzig Fuffis. Zehntausend geht auch noch, das sind hundert Hunnis und die trägt man schon besser nicht mehr mit sich rum, wenn einem sein Leben lieb ist. Bei Hunderttausend Euro verschwimmen bereits ein wenig die Relationen. Für manche ein Jahresverdienst vor Steuern, für manch Anderen eine völlig unerreichbare Summe. Kommen wir in die Gegend von einer Million, geht das Vorstellungsvermögen endgültig Gassi. Umso vieles unvorstellbarer ist die gegenwärtige Staatsverschuldung in Deutschland. Mit dem heutigen Tage belaufen sich allein die Bankverbindlichkeiten unseres Staates auf rund 1.562.000.000.000 Euro. Mit anderen Worten auf 1,562 Billionen. Gemeint sind deutsche Billionen (1012), nicht diese angloamerikanischen Angeberbillionen (109). Anderthalb Millionen mal eine Million. Der durchschnittliche menschliche Verstand kann mit solchen Zahlen nichts mehr anfangen. Das geht über den Horizont.
Wem von uns hat dieser drückende Schuldenberg nicht schon schlaflose Nächte bereitet? Die unvorstellbare Billionenzahl vor Augen raubt einem fast die Sinne. Gut, das war jetzt Blödsinn. Wenn Vater Staat nicht seriös haushalten kann – und das konnte seit spätestens den 1970er Jahren bisher keine Regierung mehr – ist das nicht unser Problem. Sollte jedenfalls nicht unser Problem sein. Doch holt es uns spätestens an dem Tag ein, an dem die Gehaltszahlung fällig ist. Nämlich in Form von Steuern. Damit nicht genug, bekommen wir die Staatsschulden auch dann zu spüren, wenn wir unser Geld wieder ausgeben. In Form von Mehrwertsteuer, Tabaksteuer, Weinsteuer, beim Tanken sogar Steuern auf die Steuer und noch viele Perversitäten mehr. 2006 wurde laut dem Bund der Steuerzahler jeder siebte Steuer-Euro für Zinszahlungen aufgewendet. Dennoch wird unsere Regierung – egal welcher Couleur – nicht müde, jedes Jahr aufs Neue weitere Zigmilliarden an Schulden aufzunehmen.
Gemäß den Recherchen des früheren ARD-Nachrichtenmagazins Panorama hat unser Staat zwischen 1980 und 2000 umgerechnet 752 Mrd. Euro an neuen Schulden aufgenommen, während im gleichen Zeitraum 903 Mrd. Euro an Zinsen bezahlt wurden. Mutet einem das schon wie galoppierender Wahnsinn an, bekommt der Umstand, dass offensichtlich niemand ernsthaft Anstalten macht die Neuverschuldung zu beenden oder gar den Bestand zu tilgen, eine eigene irrlichternde Dimension. Doch wer hier an Schwachsinn glaubt, der täuscht sich. Unsere Bundesmarionetten sind zum Teil vielleicht ein bisschen naiv oder doof, aber nicht verrückt. Gut, für alle mag ich die Hand nicht ins Feuer legen, aber der Großteil scheint geistig gesund.
Das, was da wie eine Sonderform von Tollheit aussieht, hat Methode. Die Schulden sollen gar nicht zurück gezahlt werden. Ganz im Gegenteil. Mehr Schulden sind gefragt. Immer noch mehr Schulden. Dem Trend der Inflation folgend, bedürfen die Zinseinnahmen kontinuierlich Anpassung. Und wird ein Kredit fällig, schuldet man schnellstens um. Damit nur ja keine Versorgungslücke durch Tilgung entsteht. Dort wo weiland schon Hans Eichel “versagt” hat, dort wird auch ein Peer Steinbrück “scheitern”. Scheitern müssen. Ein Stopp der Neuverschuldung würde einige Köpfe rollen lassen. Die Banken mögen es nicht, wenn ihre unerschöpflich sprudelnden Borne versiegen. Die großen Banken reißen sich darum, der Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH Geld zu leihen.
Jetzt wird sich manch einer fragen: “Ja haben die Banken denn so viel Geld?”. Nein, haben sie nicht. Brauchen sie auch nicht. Denn das Geld, das nicht in physischer Form bewegt wird, ist nur eine Zahl in den – mittlerweile elektronischen – Büchern. Ein Kredit ist nur eine Zahl auf einem oder mehreren Konten. Künstlich geschöpftes Geld. Und wenn der Kredit einst getilgt ist, verschwindet dieses künstlich geschöpfte Geld wieder. Im Idealfall ein Nullsummenspiel mit der Geldmenge. Nur die Zinsen, die schiebt natürlich die Bank ein. Der Witz geht aber noch weiter. Für jeden Tausender, den der deutsche Michel von seinem mühsam erarbeiteten Geld aufs Sparbuch legt, ist eine Bank berechtigt je 50.000 Euro an Kredit zu verleihen. Der Tausender von Sparer Michel stärkt die Mindestreserve der Bank mit seinem 50fachen Wert.
Große Banken haben naturgemäß auch so schon viel Geld, sonst wären sie keine großen Banken. Doch was macht eine Bank, wenn sie einen Kreditstau hat? Also aufgrund ihrer Mindestreserve mehr Kredit vergeben könnte, als Kreditnehmer Interesse zeigen. Dann erinnert sich der Bänker an seine Freunde, die Politiker. Politiker verstehen es ja bekanntlich, trotz Milliarden an Steuereinnahmen, immer irgendwie klamm zu sein. Verständlich, dass es den Bänkern leicht fällt, mit ein bisschen Lobby-Arbeit Bedarf zu wecken und ihren Kreditstau abzuschlagen.
Tja, so und durch weitere Tricks entstehen Staatsschulden. Keine Frage, dass unsere Politiker auch weiterhin ihr Bestes tun werden um den steten Quell sprudelnder Zinsen offen zu halten. Schulden tilgen? Bloß nicht! Denn vielleicht springt ja am Ende der Amtszeit eines Ministers ein Pöstchen in einem Aufsichtsrat bei einer großen Bank heraus. Das ist zwar offene Korruption, doch hierzulande nennen wir es euphemistisch Lobbyismus. Schließlich sind wir ja keine Bananenrepublik.
MfG
Hans
24. August 2008 um 13:04
“Schulden tilgen? Bloß nicht! Denn vielleicht springt ja am Ende der Amtszeit eines Ministers ein Pöstchen in einem Aufsichtsrat bei einer großen Bank heraus.”
Frei nach dem Motto: Bloß nicht an dem Ast sägen, auf welchem man vielleicht einmal sitzt.
03. September 2008 um 14:33
Alle Schulden (weltweit/national) KÖNNEN gar nicht zurückgezahlt werden! Da Geld nur auf Schuldenbasis entsteht und gegen Zins verliehen wird, ist dies technisch unmöglich. Das müßten unsere Finanzpolitiker eigentlich wissen. Interessant wäre herauszufinden, OB sie das wissen (was ich annehme) und WARUM sie es der Öffentlichkeit verschweigen.
Mein Tip: Das wäre wie Rumpelstielzchen beim Namen zu nennen.
Hintergrundinfo:
http://www.egon-w-kreutzer.de/Geld/Grundlagen6.html
Grüße an alle
Mic
03. September 2008 um 20:13
Hallo Mic.
Danke für den Link. Ja, so wie es aussieht wollen sie es nicht nur nicht zurückzahlen. Im Ernstfall könnten sie es auch gar nicht. Womit auch? Ob das deutsche Gold in den USA noch existiert darf bezweifelt werden. Und selbst wenn, wir kämen nicht an die 3.500 Tonnen ran sobald es in der Wirtschaft ernsthaft rumpelt.
Egon W. Kreutzer sieht interessant aus. Den nehme ich in meine Linksammlung.
MfG
Hans