Darwinius masillae - genannt IdaJetzt ist es raus. Die gemeinsame Urgroßmutter von Mensch und Affe hieß Ida und kam aus der Gegend um Darmstadt. Genau genommen vielleicht nicht Urgroßmutter, eher Urgroßtante. Denn Ida scheint bereits als Jungtier das Zeitliche gesegnet zu haben. Ertrunken in einem See, nachdem sie von CO2-Dämpfen betäubt wurde. Jedenfalls sind ein paar Wissenschaftler dieser Ansicht. Klimahysteriker mögen indes beruhigt sein. Das Kohlenstoffdioxid war dem Vernehmen nach natürlichen Ursprungs, nicht anthropogen. Die kleinen Pelztierchen stehen also nicht im Verdacht, Autos gefahren zu haben. Wie es heißt gehörte Ida einer Gattung an, die vor 47 Millionen Jahren lebte und aus der sich später Affen und Menschen entwickeln sollten. Darwinius masillae hat man die Spezies getauft. Charles Darwin und der Ort Messel im Landkreis Darmstadt-Dieburg – wo Ida gefunden wurde – standen Pate.

Aber warum Ida? Hätte Dörthe denn nicht auch gepasst? Oder Hildegard? Kurz: Der norwegische Paläontologe Jørn H. Hurum gab dem einstmals zweifellos possierlichen Tierchen postum den Namen seiner Tochter. Ob Töchterlein Ida sich jetzt davon geehrt fühlt, oder für den Rest ihres Lebens traumatisiert ein Fall für die Psychiater-Couch ist, wird sich noch zeigen müssen. Ida – die fossile Ida meine ich wieder – wurde bereits vor 28 Jahren von einem Hobby-Archäologen bei Darmstadt entdeckt und erst einmal verkannt. Er wusste nicht, was er da gefunden hatte. Ein Händler geriet später in den Besitz und verkaufte die Knochenreste 2007 an die Universität Oslo, beziehungsweise an oben genannten Paläontologen. Man munkelt von 1 Million US-Dollar. Da muss eine alte Frau lange für stricken. Aber was für ein Geschäft lässt sich daraus erst machen.

Nach Monaten der Vorbereitung ging das Medienspektakel kürzlich los. Ida kam in die Nachrichten, in die Zeitungen, bekam eine eigene Seite im Internet, gespickt mit kleinen Filmchen und dramatischer Musikuntermalung. Google änderte gestern zu Idas Ehren sogar sein Logo. Nächsten Montag um 21:00 Uhr soll auf dem History-Channel in den USA ein zweistündiges Event unter dem Namen »The Link« starten. Wer hierzulande von dem Rummel verschont bleiben möchte, der sollte am Pfingstsonntag um 19:30 besser nicht zum ZDF zappen.

Ida, wie sie sich der Zeichner vostelltEcht sensationell das Alles, wirklich. Überhaupt sind einige Wissenschaftler vom Ida-Fanclub der Ansicht, die Geschichte von der Entstehung der Arten müsse neu geschrieben werden. Was Charles Darwin dazu meint ist bislang nicht bekannt. Er macht sich etwas rar in letzter Zeit. Auch fehlt bis dato eine Stellungnahme aus der katholischen Kirche, ob Ida bereits eine unsterbliche Seele besaß. Und falls ja, welcher Glaubensrichtung. Das Christentum ist bekanntlich gerade erst 2000 Jahre alt.

Wie auch immer; ziemlich viel Brimborium um ein paar alte Knochen. Doch aus der Geschichte ließe sich dennoch mehr machen. Ida als Star einer Zeichentrickserie zum Beispiel. Eine Enthüllungsstory im Stern unter dem Titel »Ida – Die ganze Geschichte«. Guido Knopp könnte an Ida Ursprünge von Rechtsradikalismus entdecken und die Spielzeugläden ihren Umsatz mit Ida-Plüschtierchen und einem Ida-Bausatz mit echtem Genmaterial ankurbeln. Oder Ida als Ego-Shooter, ausgerüstet mit Kampfanzug und Strahlenkanone. Ida-T-Shirts, Ida-Schlüsselanhänger, Ida-Bettwäsche, Ida-Kaffeeservice – man ist ja erfinderisch in solchen Dingen. Vielleicht ließe sich auch Angela Merkel vor der Bundestagswahl noch schnell mit Ida fotografieren. Untertitelt mit dem Wahlkampf-Slogan »Fossilien für Deutschland« und der Garantie, dass sie allemal lebendiger rüberkommt als Ida. Sogar für die Klimawandelvermarkter fiele etwas ab. Ab morgen könnte deren Parole lauten: »Unser Kampf gegen CO2! Ida ist nicht umsonst gestorben.«

Ich freue mich schon jetzt auf das Gewese, das um den fossilen Abdruck der ersten Amöbe gemacht wird, aus der die Arten entstanden sein müssen. Wird sicher ein Riesenspaß.

MfG
Hans

Siehe auch: Idas Seite im globalen Netz

Eine Antwort zu “Ida”

  1. Kotti sagt:

    Man kann wohl mit Sicherheit davon ausgehen, das der “Darwinius masillae” das Leben auf dieser Erde ebenso nachhaltig verändern wird, wie die Entdeckung des Quastenflosser 1938… – nämlich gar nicht.

    mfg
    kotti

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