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Es war im Jahre 1960, da stellte der Aktionskünstler Joseph Beuys (1921 – 1986) der staunenden Öffentlichkeit seine neueste Kreation vor – eine schmutzige Badewanne. Nun kann man über Kunst bekanntlich streiten, aber sein Objekt »unbetitelt (Badewanne)« wurde immerhin von einem Sammler gekauft. Letzterer war damit offenbar irgendwann nicht mehr so ganz glücklich und überließ die schmutzige Wanne nebst anderen Beuys-Objekten im Jahre 1973 dem Wuppertaler »Von der Heydt-Museum« als Dauerleihgabe. Von dort ging die Wanne für eine Ausstellung an das Schloss Morsbroich im Leverkusener Stadtteil Alkenrath, wo sie vorübergehend eingelagert wurde. Bis dahin waren Kunstwelt und schmutzige Badewanne noch vereint und in bester Ordnung.

Nur hatte niemand mit dem SPD-Ortsverein Leverkusen-Alkenrath gerechnet. Der feierte am 3. November 1973 ein rauschendes Fest im Schloss Morsbroich. In Ermangelung einer geeigneten Spüle für die Gläser entdeckten zwei SPD-MitgliederInnen Joseph Beuys‘ Kunstobjekt und schrubbten es erst einmal kräftig aus. »Wir dachten, das alte Ding könnten wir schön sauber machen und benutzen, um darin unsere Gläser zu spülen«, erinnern sie sich später, »so wie die aussah, konnten wir sie nicht gebrauchen. Deshalb haben wir die Wanne geschrubbt«. Die Reinlichkeit der beiden SPD-PutzteufelInnen löste einen Kunstskandal aus. Und das Landgericht Wuppertal verdonnerte die Stadt Wuppertal als Leihnehmer zu 180.000 DM Schadenersatz. Joseph Beuys hingegen bekam seine gesäuberte Wanne zurück.

Ähnlich erging es 13 Jahre später, 1986, einem weiteren Kunstwerk von Joseph Beuys. Der hatte am 28. April 1982 seine »Fettecke« zu Ehren des Besuches eines Bevollmächtigten des Dalai Lama installiert. Das Objekt, das sich in der Ecke eines Ateliers in der Düsseldorfer Kunstakademie befand, bestand aus 5 Kilogramm guter Butter. Ob der Bevollmächtigte des Dalai Lama davon besonders beeindruckt war, ist zumindest mir leider nicht bekannt. Es ist aber bekannt, dass eine Reinigungskraft der Kunstakademie davon überhaupt nicht angetan war und diese sich dem Kunstwerk mit Lappen, Schrubber und Putzmittel widmete. Das Land Nordrhein-Westfalen zahlte an den Besitzer des Objektes in einem Vergleich in zweiter Instanz 40.000 DM Schadensersatz. Joseph Beuys bekam in diesem Fall nichts mehr, er war bereits verstorben.

Wer jetzt meint, nur in Deutschland gäbe es wild gewordene Putzteufel, der irrt. Auch jenseits des Ärmelkanals ist nichts vor denen sicher. Dort haben sie es offenbar weniger auf Kunst-, dafür auf wissenschaftliche Objekte abgesehen.

Der Doktorand Daniel Bennet hatte sich fünf Jahre lang durch den philippinischen Regenwald gekämpft. Er wollte den Butaan erforschen. Eine seltene Waranart von der man über 130 Jahre lang annahm, dass sie ausgestorben sei. Bennet ist auf Knien im Dschungel rumgekrochen und hat dabei 35 Kilogramm Kot der Echse eingesammelt um deren Ernährungsgewohnheiten zu ergründen. Als er nun an seinen Arbeitsplatz in der Universität Leeds zurückkehrte, war sein Schreibtisch von einem anderen Studenten besetzt und der Plastiksack mit der Echsenkacke von einer Reinigungskraft entsorgt. Der Sack war nicht beschriftet und roch komisch, hieß es lapidar. Die Universität entschuldigte sich zwischenzeitlich bei Bennet und bot ihm 500 englische Pfund als Entschädigung an.
Quelle: Student loses love and lizard leftovers in Leeds

Womit wir etwas gelernt haben: Fünf Jahre harter Arbeit sind gar nichts, wenn man es nicht als Kunst ausgibt. Eine schmutzige Badewanne oder eine mit Fett beschmierte Ecke machen weniger Arbeit, kosten weniger in der Herstellung und bringen Zigtausende in welcher Währung auch immer. Man muss nur ein paar Blöde finden.

MfG
Hans

4 Antworten zu “Kunst versus Arbeit”

  1. Gilbert sagt:

    Es gibt da im Taschen-Verlag ein zweibändiges Werk namens „Skulptur“, das sämtliche Jahrtausende menschlichen plastischen Kunstschaffens umfasst. Das Lesen sei schon aus rein stilistisch-sprachlichen Gründen empfohlen. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wirken vorzugsweise die Kunstwerke durch ihre Perfektion, und der Text besteht aus sachlicher, für jeden Leser verständlicher Kommentierung. Doch dann kommt die moderne Phase, in der Klein-Fritzchen einige Rostteile auf ein weggeworfenes Brett nagelt und in Papas Werkstatt eine Dose Leim umwirft und damit alle Werkzeuge auf der Arbeitsplatte fixiert, was Fritzchen wiederum zu einem pavianartig ausehendem Sitzteil und dem Papa nach sperrmüllabfuhrmäßig vorzeitiger senkrechter Außenlagerung der Platte nebst festgekittetem Werkzeug zu einem Ruf als großem Künstler verhilft. Während die Kunst sprichwörtlich im Müll versinkt, wird die sprachliche Kommentierung zunehmend bombastischer und bedient sich Unmengen an selbst für Gebildete kaum noch verständlicher Fremdworte. Vermutlich die einzige Möglichkeit, den Müll noch als Kunst zu verkaufen.

    Gruß Gilbert

  2. Hans sagt:

    Hi Gilbert.

    Mannomann, das sind dicke Wälzer. Aber ich habe mir die beiden Bände mal bestellt. Vielleicht bekommt man davon ein »besseres Kunstverständnis«. Mancherlei Art von »Kunst« würde ich nicht mal als solche wahrnehmen wenn sie mich in den Hintern beißt. Ob man Joseph Beuys aus der Verallgemeinerung herausnehmen kann, weiß ich nicht. Wenn er nicht gerade Badewannen schmutzig gemacht und Butter in irgendwelche Ecken geschmiert hat, dann findet sich auch Ansprechendes. Witzig finde ich zum Beispiel seine Installation von Immanuel Kants »Kritik der reinen Vernunft« mit einer Flasche Maggi daneben. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob er das auch so witzig gemeint hat. :)

    In vielen anderen Fällen kriegt man das nackte Grausen. Wenn bspw. jemand weiße Stäbchen ohne erkennbare Ordnung auf bunten Karton klebt, oder mit verschiedenen Farbtuben Spritzer zu Papier bringt und die dann signiert, dann fehlt mir leider jegliches Kunstverständnis. Wer es dann auch noch schafft, dieses Gerümpel mit blumigen Worten für teures Geld zu verkaufen, gegen den sollte die Staatsanwaltschaft wegen arglistiger Täuschung ermitteln.

    MfG
    Hans

  3. Gilbert sagt:

    Hallo Hans,

    noch gruseliger ist manche „Aktionskunst“. In den Büchern sind Beispiele dazu, auch von Beuys, aber ich will dir die Spannung mal nicht nehmen. In Berlin habe ich letzte Woche wieder ein paar solche Kunstergüsse gesehen (mache ich immer zum Abspannen nach ein paar Stunden ernsthafter Museumsbesuche, denn schließlich soll sich die Mehrtageskarte ja auch bezahlt machen). Einer hatte da z.B. seinen privaten „big brother“ installiert: ca. 150 Monitore, auf denen sein tägliches Leben inkl. Schlafen und Klogang zu beobachten war. Was da originell dran sein soll? Aber nicht umsonst heißt das Meiste ja heute nicht mehr Kunstwerk, sondern Installation, nur dass man das nicht nur vom Handwerker billiger und besser hingekommt, sondern meist als do-it-yourself-Laie sogar umsonst. Ich habe manchmal den Eindruck, dass wir genauso viel Geld bekommen würden, wenn wir so was produzieren, allerdings nicht zur freien Verfügung, sondern als Unterbringungskosten in einer psychatrischen Landesklinik.

    Ich schätze, vieles daran ist vorsätzliche Verarsche, denn in unbeobachteten Augenblicken zeigt so mancher dieser Künstler, dass er es eigentlich doch anders (und handwerklich besser) könnte. In Oldenburg habe ich mal von einem (den Namen erinnere ich im Moment nicht) ein Bild gesehen, das mir recht gut gefallen hat, in der Nationalgalerie in Berlin hing von ihm eine Kollage, die ein Viertklässler hübscher hinbekommt, und auch von Beuys habe ich schon mal Skizzen gesehen, die recht genial aussahen.

    Gruß Gilbert

  4. Hans sagt:

    Hi Gilbert.

    Bei der Schilderung entsteht der Gedanke, dass es vielleicht Publikum und Käufer auch gar nicht anders wollen. Das Bild »Röhrender Hirsch auf Waldlichtung« ist in gewisser Weise schön und sicher aufwändig in der Herstellung. War aber wohl schon im 19. Jahrhundert ein Auslaufmodell. Gleiches lässt sich von zeitgenössischen Skulpturen sagen. Trotzdem kommen diese dem Begriff Kunst wesentlich näher als der Schund der heute oft fabriziert wird, denn Kunst kommt ja von Können. Die Werke in heutiger Zeit benötigen eine besondere Botschaft oder einen »Künstler« mit einem gewissen Nimbus. Sie müssen ausgefallen sein, und wenn sie nur ausgefallen dämlich sind. Aber es liegt eben vermutlich auch am Publikum und den Käufern die das alles bezahlen.

    Vor etlichen Monaten habe ich einen Fernsehbeitrag gesehen, in dem ging es um Elefanten und Affen die mit Farben und Pinsel »Kunstwerke« zu Papier brachten. Die Bilder hatten erstaunliche Ähnlichkeit mit moderner Kunst.

    MfG
    Hans