Europa, eine Gestalt der griechischen Mythologie, ist die Tochter des phönizischen Königs Agenor und der Telephassa. Zeus verliebte sich in sie. Er verwandelte sich wegen seiner argwöhnischen Gattin Hera in einen Stier. Sein Bote Hermes trieb eine Kuhherde in die Nähe der am Strand von Sidon spielenden Europa, die der Zeus-Stier auf seinem Rücken entführte. Er schwamm mit ihr nach Matala auf der Insel Kreta, wo er sich zurückverwandelte. Der Verbindung mit dem Gott entsprangen drei Kinder: Minos, Rhadamanthys und Sarpedon. Auf Grund einer Verheißung der Aphrodite wurde der fremde Erdteil nach Europa benannt.
Der erwähnte fremde Erdteil ist der auf dem wir heute leben. Ein Kontinent mit einer – wenn man so sagen darf – abwechslungsreichen Geschichte. Der jüngste Abschnitt in dieser Geschichte ist die Vereinigung aller autochtonen Völker Europas unter großzügiger Beimengung fremder Ethnien zu einem europäischen Superstaat. Das in den üblichen Sonntagsreden erklärte Ziel dabei ist, gleiche Lebensverhältnisse für alle Europäer zu schaffen. Wie das in der Praxis aussieht, erleben wir seit den 1990er Jahren. Die ärmeren Staaten in der Europäischen Union wurden nicht auf deutsches Niveau angehoben, sondern das deutsche Niveau sank zu Gunsten der anderen.
Mit dazu beigetragen hat die Gemeinschaftswährung, der Euro. Jener Währung, bei deren vertraglicher Festlegung der damalige französische Präsident François Mitterrand sinngemäß sagte: »Das ist wie Versailles, nur ohne Krieg« (Versailles sans guerre). Vor Einführung der Eurozone war es beliebte Tradition, den Franc, die Lira, die Peseta oder die Drachme gegenüber der D-Mark abzuwerten. Die D-Mark galt als »harte Währung«. Denn bei allem Nationalstolz der übrigen Länder wirtschaftete kein Land in Europa so fleißig und erfolgreich wie Deutschland. Das ging auch nach dem Start der Eurozone so weiter. Deutschland war viele Jahre in Folge Exportweltmeister, nunmehr allerdings mit »Mitessern«.
Freilich gab und gibt es strenge Kriterien für jene, die an der Eurozone teilnehmen wollen. Sie müssen unter anderem stabile öffentliche Haushalte vorweisen und ihre Neuverschuldung soweit im Zaum halten, dass sie die Gemeinschaftswährung nicht über Gebühr belasten. Der so genannte Stabilitätspakt, nach dem zum Beispiel kein Teilnehmerstaat ein jährliches Haushaltsdefizit von mehr als 3 % des Bruttoinlandsproduktes (BIP) haben darf.
Griechenland erfüllte 2001 die Kriterien dieses Paktes. Allerdings mit einem kleinen Schönheitsfehler. Man hatte die Bücher frisiert und über die Jahre mithilfe der US-Investmentbank Goldman Sachs eine weit niedrigere Verschuldung des Haushalts vorgegaukelt. Dank des Euro kam Griechenland wesentlich leichter und billiger an internationale Kredite. Was man in Athen weidlich nutzte. Der systematische Betrug flog auf, nachdem es im Oktober letzten Jahres einen Machtwechsel in der griechischen Regierung gab. 2008 hatte die frühere Regierung unter Ministerpräsident Konstantinos Karamanlis noch eine Neuverschuldung von 3,7 % nach Brüssel gemeldet. Was man unter den damals gegebenen Umständen wohl als Lapsus betrachtete. Ende 2009 ließ die neu gewählte Regierung unter Georgios Papandreou die Hosen runter. Plötzlich waren es 12,7 % des BIP.
Siehe: Haushaltskrise: Goldman Sachs half Griechenland bei Schuldenkosmetik
Wer erinnert sich noch an die Liechtenstein-Affäre? Das war der Deal, bei dem ein Datendieb dem Bundesnachrichtendienst, beziehungsweise dem Bundesfinanzministerium, Daten von Steuersündern verkauft hatte. Die Affäre ist jetzt knapp zwei Jahre her. Zwischen 4,2 und 4,6 Millionen Euro soll die Staatskasse dafür locker gemacht haben. Der damalige Finanzminister Peer Steinbrück sprach von dem besten Geschäft, das er je gemacht hatte. Später drohte er Steuerparadiesen, wie auch der Schweiz, mit der schwarzen Liste der OECD. Die laut Steinbrück in gewisser Weise »die siebte Kavallerie vor Yuma« darstellt, und weiter wörtlich: »die man ausreiten lassen kann, aber die muss nicht unbedingt ausreiten. Die Indianer müssen nur wissen, dass es sie gibt. Und wenn das allein schon Nervosität bei denen hervorruft, die sich fragen: Oh, komm ich auf diese Liste – dann kommt da ja richtig Zug in den Kamin«.
Eine Aussage, die damals in der Schweiz und anderen Ländern recht verschnupfte Reaktionen zeitigte. Prominentestes Opfer in der Liechtenstein-Affäre war letztes Jahr Klaus Zumwinkel. Selbiger hatte Geld in eine Stiftung nach Liechtensteiner Recht gesteckt. Was im Allgemeinen noch nicht anstößig wäre. Doch hatte es der feine Herr wohl 20 Jahre lang übersehen, das derart verwendete Geld auch ordnungsgemäß zu versteuern.
Siehe: Der Zumwinkel-Krimi
Nun bahnt sich offenbar ein weiteres Geschäft Liechtensteiner Art an. Wie es heißt, biete schon seit geraumer Zeit ein Datendieb der Bundesregierung auf einer CD Kontoinformationen von 1.500 Deutschen an, die ihr Geld am Fiskus vorbei in die Schweiz geschafft haben. Im Vergleich zu dem Liechtensteiner Heinrich Kieber ruft der Unbekannte für die Silberscheibe mit den gestohlenen Daten nur bescheidene 2,5 Millionen Euro auf. Nach Sichtung von ein paar Pröbchen schätzen Ermittler des Bundesfinanzministeriums das Potenzial der Daten auf bis zu 200 Millionen Euro Ertrag. Was sich wohl einmal mehr wie ein gutes Geschäft ausnimmt. Noch ziert sich Wolfgang Schäuble in seiner Rolle als Bundesfinanzminister, dem Handel sein Plazet zu erteilen. Denn von Seiten der stets unvermeidlichen Bedenkenträger wäre der Bund gewissermaßen ein Hehler, wenn er auf so ein unmoralisches Angebot einginge.
In den letzten Tagen liefen ein paar wunderliche Meldungen über die Leitung. MMnews machte auf seltsame Vorgänge in den USA und China aufmerksam.
Hongkong – Im Oktober 2009 erhielten die Chinesen eine Lieferung Goldbarren aus den USA. Gold ist bevorzugtes Zahlungsmittel, um die Handelsbilanz zwischen China und den USA auszugleichen. Besonders in Zeiten in denen selbst Alan Greenspan zugibt, dass die Chinesen ihre Billionen an grüner Krätze – sprich die Dollars und die US-Staatsanleihen – niemandem werden andienen können.
Nun sind die Chinesen auch nicht gerade auf der Brennsuppe dahergeschwommen und so ordnete die chinesische Regierung Stichproben an. Es ging um die Reinheit und das Gewicht der 400-Unzen Feingoldbarren. Dazu wurden mit einen dünnen Bohrer je 4 Löcher in die zu testenden Barren gebohrt. Was sich als seltsam schwierig anließ. Der Grund war schnell gefunden. Bei der Analyse der Bohrspäne stellte sich heraus, dass die Barren nicht aus weichem Gold sondern aus sprödem Wolfram (engl. Tungsten) bestanden. Aus Gold war nur eine hauchdünne Schicht um die Barren herum, vermutlich galvanisch aufgebracht.
Ein übler Trick. Das spezifische Gewicht von Gold liegt bei 19,32 g/cm³, das von Wolfram bei 19,26 g/cm³. Das hätte sogar Archimedes schwer ins Grübeln gebracht. Während jedoch das spezifische Gewicht nur um 0,06 g/cm³ abweicht, differiert der Preis pro Unze erheblich. Der Kilopreis von Wolfram liegt zurzeit bei ca. 26,00 US-Dollar. Umgerechnet würde eine Feinunze (31,1035 g) knappe 81 US-Cent kosten. Während sich der Goldpreis gegenwärtig in Richtung 1.200,00 US-Dollar je Feinunze bewegt.
… aber nicht zu erwähnen getrauten? Den folgenden Vortrag habe ich bei »Deutschlandpolitik« gesehen und kurzerhand abgekupfert. Nicht weil mir selbst nichts mehr einfällt, sondern weil ich den Vortrag so gut finde dass er unbedingt in meinen Blog musste. Er dauert zwar anderthalb Stunden. Andreas Clauss trägt den an sich trockenen Stoff jedoch in der Art eines Kabarettisten vor, sodass es keinen Moment langweilig wird.
Vielleicht die Quintessenz aus dem Vortrag:
Das ist nicht des Deutschen Größe
Obzusiegen mit dem Schwert,
In das Geisterreich zu dringen
Männlich mit dem Wahn zu ringen
Das ist seines Eifers wert.
Schwere Ketten drückten alle
Völker auf dem Erdenballe
Als der Deutsche sie zerbrach
Fehde bot dem Vatikane
Krieg ankündigte dem Wahne
Der die ganze Welt bestach.
Höhern Sieg hat der errungen
Der der Wahrheit Blitz geschwungen,
Der die Geister selbst befreit
Freiheit der Vernunft erfechten
Heißt für alle Völker rechten
Gilt für alle ew’ge Zeit.
Worte aus der Zeit der Deutschen Romantik. Ein kleines Fragment aus einem Gedichtentwurf von Friedrich Schiller. Über 200 Jahre alt. Doch durchaus nicht veraltet, bei all dem Wahne um uns herum.
Wenn auch der Bezug von Personalausweis auf Personal einer Firma bei entsprechendem Hintergrundwissen etwas wackelig ist, gebe ich Herrn Clauss in den allermeisten Punkten gerne Recht. Die BRD als eine Firma zu sehen ist sicher nicht falsch. Das bislang unvollständig vereinte Deutschland hat nämlich keineswegs »volle Souveränität über seine inneren und äußeren Angelegenheiten«. Selbst wenn es im Zwei-plus-Vier-Vertrag (Art. 7 Abs. 2) so drin stehen mag. Das was man von Deutschland übrig ließ ist ein Verwaltungs- und Wirtschaftsraum, das Volk wurde zur Bevölkerung degradiert. Zu etwas X-Beliebigem, Austauschbarem. Die Bundesregierung erfüllt nur die Aufgabe der Geschäftsführung. Was Letztere zu tun hat bestimmen Brüssel und die Alliierten des Zweiten Weltkrieges beziehungsweise die Internationale Hochfinanz.
Nachtrag 14. November 2009
Der international anerkannte Staatsrechtler Karl Albrecht Schachtschneider ist da ganz ähnlicher Meinung.
Siehe: „Deutschland wurde nie richtig souverän“
Finde ich gut gemacht. Ein Lehrstück über unser System im Comic-Stil. Die Botschaft ist eindeutig. Freilich läuft es in der Realität nicht so ab. Da käme niemand auch nur in die Nähe eines wichtigen Ministerpostens, der solche revolutionären Gedanken hegt. Wer Minister werden will, muss lenkbar sein, muss Dreck am Stecken haben. Die sprichwörtlichen Leichen im Keller. Und wenn es nur eine missratene Steuererklärung ist, ein verträumtes kleines Konto in der Schweiz oder ähnliche Dinge. Ich erinnere mich da zum Beispiel auch an einen linken Schläger mit kleinen Löchern in seiner Vita, der es bis zum Bundesaußenminister gebracht hat. Wer in der BRD ein hohes Ministeramt bekleiden will, der muss entsprechend lenkbar sein für die internationale Hochfinanz. Oder lenkbar gemacht werden. Nein, nicht durch Korruption. Pfui! Durch Lobbyismus natürlich. Das ist zwar immer noch Korruption. Klingt aber gleich viel freundlicher.
Manchmal gehen mir schon reichlich schurkische Gedanken durch den Kopf. Was wäre zum Beispiel, wenn ich meinen heiß geliebten Roadster Baujahr 2000 zum Kauf anbieten würde. Freilich nicht so einfach Wagen gegen Geld nach Zeitwert, denn dann hätte ich ihn ja nicht mehr. Sondern die Ware wird erst im Jahre 2030 geliefert. Als Oldtimer. Denn 2030 deshalb, weil man nach 30 Jahren ein H-Kennzeichen beantragen kann und der Wagen dann definitiv ein Oldtimer ist. Das Geld möchte ich freilich schon heuer. Und zwar 100.000 Euro. Ach was; sagen wir eine Million. »Nicht kleckern sondern klotzen!«, heißt die Parole. Außerdem ist so ein Handel für mich gefahrlos. Denn was 2030 ist, weiß niemand. Das Auto könnte weg gerostet sein, der Euro verdampft oder ich bei den Würmern. Alles ist möglich. Die Million hingegen hätte ich im Hier und Jetzt eingesackt.
Dabei drängt sich unwillkürlich die Frage auf: »Was muss das für ein armer Irrer sein, der auf so ein Geschäft eingeht?«. Ja nun; entweder ein armer Irrer oder jemand der noch viel abgefeimter ist als ich. Ein solcher Jemand – nennen wir ihn Herrn Müller-Lüdenscheid – würde nämlich ein Investmentpaket schnüren. Bestehend aus meinem Roadster-Deal – fällig 2030 – und weiteren halbseidenen Verträgen, die er sich zusammengekauft hat. Beispielsweise den Originalnotenblättern von Beethovens 10. Symphonie, fällig im Jahre 2027. Einer Besitzurkunde für das Berliner Reichstagsgebäude, fällig im Jahre 2094. Und einer Millionenwette auf die Jungfräulichkeit von Britney Spears’ Urururenkelin Ayshe im Jahre 2099. Das Ganze würde er auf neudeutsch Future-Bond-2099 nennen. Irgendwas mit Future kommt immer gut.
Herr Müller-Lüdenscheid hat einen Geschäftspartner – nennen wir ihn Herrn Dr. Kloebner. Dieser Dr. Kloebner – dem man nachsagt, dass er seine erste Million mit kleinen gelben Gummienten machte – ist ein weithin anerkanntes Finanzgenie. Und als ein Solches kreiert er aus dem Future-Bond-2099 und anderen ähnlich aufgebauten Derivaten ein Finanzprodukt, das er mithilfe einer Marketing-Agentur nebst blumigen Versprechungen dem arglosen Kleinanleger bis hin zu seriösen Banken vertickt. Das Finanzprodukt, das er Super-Kombi-Zertifikat nennt, kommt auf dem Markt gut an. Denn Herr Dr. Kloebner bürgt mit seinem guten Namen. Herr Müller-Lüdenscheid bekommt das Geld für seinen Future-Bond-2099 und ich meine Million. Unnötig zu erwähnen, dass Herr Müller-Lüdenscheid und Dr. Kloebner einen weit besseren Schnitt machen. Aber egal, mehr als die Million wollte ich ja nicht. Man muss auch bescheiden sein können.
Das Adjektiv kafkaesk (nach dem Schriftsteller Franz Kafka) bezeichnet ein unheimliches Gefühl dunkler Ungewissheit, einer rätselhaften unkonkreten Bedrohung, eines Ausgeliefertseins gegenüber schemenhaften dunklen Mächten. Das Eigenschaftswort leitet sich aus der Grundstimmung zahlreicher Werke Franz Kafkas ab, in denen die Protagonisten in undurchschaubaren, bedrohlichen Situationen von düsterer Komik bis Tragik agieren.
Quelle: Wikipedia
Gab es eigentlich schon mal eine Fabel in einer Fabel? Ein Märchen in einem Märchen? Metaphern, Fabeln oder Märchen haben in der Geschichte der Menschheit eine lange Tradition, deren schriftliche Nachweise bis in das frühe Altertum zurückreichen. Die Metapher im Besonderen aber auch viele Fabeln und Märchen sind Schilderungen von wahren Begebenheiten, ohne den realen Bezug zu offenbaren. Nicht zuletzt den Gebrüdern Grimm ist es zu verdanken, dass viele dieser Geschichten nicht in Vergessenheit gerieten. Doch war es zu deren Lebzeiten bereits schwierig, den realen Bezug zu ermitteln, bleibt uns heute meist nur noch ein hilfloses Stochern in der dunklen Brühe der Geschichte. Dennoch sind in vielen Fällen die Beweggründe belegt, die hinter dem Erzählen von Fabeln und Märchen stehen. Es sollte etwas ausgesagt werden, was man besser nicht im Klartext von sich gibt. Denn über die ganzen Jahrhunderte konnte eine allzu klare Schilderung von Ereignissen oder die öffentliche Meinungsäußerung schwere Strafen nach sich ziehen. Für eine gewisse Zeit lang schien es, als hätten wir das für immer überwunden. Aber in den letzten Jahren zeichnet sich hierzulande eine Umkehr in die Finsternis des Mittelalters ab. Vor allem nach den jüngsten kafkaesken Geschehnissen. Vielleicht ist es an der Zeit, im Gegenzug alte Gepflogenheiten aufleben zu lassen:
Absurdistan
Es gab einmal ein Land, das nannte sich Absurdistan. Ein recht merkwürdiges Land. Es besaß eine enorme Wirtschaftskraft. Dennoch lagerte es Arbeitsplätze in das billigere Ausland aus und nahm damit zu Hause einen sehr hohen Anteil an Arbeitslosen in Kauf. Was für die Regierenden nicht weiter schlimm war. Die Arbeitslosigkeit wurde von denen die noch ihre Arbeit hatten finanziert. Auch scheuten sich die Machthaber nicht, noch viel mehr Arbeitslose ins Land zu holen. Denn die konnte der absurdische Arbeitnehmer gleich mitfinanzieren. Damit nicht genug, mussten sich die einheimischen Absurden auch noch beschimpfen lassen. Ihnen wurden täglich aufs Neue schreckliche Gräueltaten ihrer Eltern und Großeltern vorgeworfen. Und wenn jemand in Absurdistan es wagte, die Erzählungen öffentlich anzuzweifeln, dann wurde er vor Gericht gezerrt und zu einer Geldstrafe oder Schlimmerem verurteilt. Er durfte sich noch nicht einmal verteidigen, indem er seine Zweifel mit Beweisen untermauerte. Im Gegenteil; selbst sein Advokat lief Gefahr, sich dadurch strafbar zu machen.
In Absurdistan war es strengstens verboten, junge Pflanzen zu pflücken. Der Erwerb von Büchern oder Zeitschriften, die das Pflücken von Jungpflanzen beschrieben oder zeigten, war ebenfalls strengstens verboten. Für den normalen Absurden stellte das keine nennenswertes Einschränkung dar – mangels Interesse. Doch gab es einige wenige perverse Absurde, die es nicht lassen konnten sich solches Material zu beschaffen. Sie konnten sich einfach nicht satt sehen daran. Nun wäre Absurdistan nicht Absurdistan gewesen, hätten die Regierenden etwas Wirksames gegen die Urheber der Machwerke unternommen. Doch stattdessen verfasste der Staat Zensurlisten, in denen man die Namen verbotener Bücher und Zeitschriften aufführte. Darin waren nicht nur die Namen der Schriften enthalten, die sich mit dem Pflücken junger Pflanzen befassten. Auch solche, die den Namen dieser Machwerke erwähnten. Sogar solche, die den Namen von Schriften erwähnten, die ihrerseits oben genannte Werke erwähnten. Und so weiter. Gleichzeitig standen auf den Zensurlisten Schriftwerke, die dem absurdischen Gesetzgeber schon lange missfielen. Natürlich waren die Zensurlisten selbst auch verbotenes Schriftgut und durfte bei Strafe von Niemandem veröffentlicht werden. Unnötig zu erwähnen, dass man die Autoren und Verleger der dieser Art inkriminierten Werke nicht in Kenntnis setzte.
In der ehemaligen DDR soll folgender Witz kursiert sein.
Frage: Was geschähe, wenn die Sahara sozialistisch würde?
Antwort: Erst mal lange Zeit nichts. Und dann wäre der Sand alle.
Übertragen auf die heutige Zeit könnte er vielleicht wie folgt abgewandelt werden.
Frage: Was geschähe, wenn jemand auf die Idee käme für das Verschrotten alter Autos eine Prämie zu zahlen.
Antwort: Erst mal langes Herumlavieren. Und dann würden die Autos teurer.
Nicht wirklich ein Witz. So geplant im Jahre der Finanzkrise 2009. Wenn es nach dem Chef des Bundesverbands freier Kfz-Händler (BVfK) Ansgar Klein geht, sollen aufgrund der gesteigerten Nachfrage die Preise für Neuwagen steigen. Auch würden Rabatte in den nächsten Monaten – so lange die Verschrottungsprämie bezahlt wird – geringer ausfallen. Beinahe schon ein Naturgesetz: Wo Geld zweckbestimmt eingesetzt werden soll, da greift sich Jeder so viel er nur kriegen kann. Die Kfz-Hersteller und -Händler sollten sich über den steigenden Umsatz freuen. Stattdessen können sie den Hals nicht voll genug kriegen. Ein weiteres Beispiel dafür, dass die Selbstregulierung der freien Marktwirtschaft nicht funktioniert.
(siehe Autoindustrie sieht Aufschwung)
Irgendwie könnte man Klaus Zumwinkel glatt ein wenig beneiden. Nicht weil er ein ertappter Steuersünder ist und dafür letzten Montag verurteilt wurde. Nein, weil so Mancher auch gerne in der Situation wäre, dass ihm ein Gericht die Solvenz für eine Million Euro Strafe zutraut. Andererseits: Geld soll eh nicht so glücklich machen. Also belassen wir es bei dem Traum. Davon abgesehen hat Finanzminister Peer Steinbrück in Tateinheit mit BND-Chef Ernst Uhrlau in der Liechtenstein-Affäre ausnahmsweise mal einen richtig guten Job gemacht. Die Meisten von uns sind einfache Lohnsklaven, denen das Geld in Form von Steuern, Abgaben, Solidaritätszuschlag und Steuern auf Steuern nur so aus der Tasche gezogen wird. Und da sieht man es nicht gerne, wenn sich Andere mittels ihrer Möglichkeiten in Deutschland reich machen, das Geld außer Landes schaffen und um die Steuer drücken. Wie gesagt, guter Job. Seltsam nur, dass es bei dieser Eintagsfliege blieb.
Ende 2007 war für Klaus Zumwinkel die Welt noch in Ordnung. Er war Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Telekom. Er saß im Aufsichtsrat bei der Lufthansa, bei der Allianz, bei Arcandor und bei Morgan Stanley. Außerdem ist er seit 2001 Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes, laut »manager magazin« der Manager des Jahres 2003 und seit 2007 Träger des Verdienstordens von Nordrhein-Westfalen. Regelmäßig nahm er an Bilderbergertreffen teil und war bereits als neuer Unicef-Chef im Gespräch. Seine Schäfchen hatte er auch im Trockenen, nämlich in Liechtenstein in einer speziellen Art von Stiftung. Dorthin soll er fast 20 Jahre lang Einkünfte am Fiskus vorbei geschafft haben. Mit anderen Worten: Der ehrenwerte Herr Zumwinkel hatte eine blütenweiße Weste, dummerweise mit ein paar versteckten schwarzen Flecken.
Die Seite des Eigensinn e.V. findet sich unter
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