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Archiv für die Kategorie ‘Operation Dr. Seltsam’

Volksverdummung für Fortgeschrittene

Montag, 17. August 2009

Der Kampf gegen Kinderpornographie im Web war die Planierraupe, mit der Ursula von der Leyen das Terrain für weitere Maßnahmen geebnet hat. Nur gänzlich Unbedarfte glaubten ernsthaft daran, dass sich unsere so genannten Volksvertreter auf die Kinderpornographie beschränken werden. Hatte Ursula von der Leyen – im Volksmund auch »liebevoll« Zensursula geheißen – erst kürzlich von der Ausbaufähigkeit des bereits abgenickten Zensurgesetzes gesprochen, Brigitte Zypries und Dieter Wiefelspütz deutliche Sympathie für eine real existierende Zensur geäußert, finden offenbar immer mehr dieser Musterdemokraten Gefallen an dem undemokratischen Treiben.

Das Internet sei der größte Tatort der Welt und dürfe nicht sich selbst überlassen werden. Deshalb wünsche er sich 2.000 Cyber-Cops, die dort auf Streife gehen. Das meinte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt letzten Freitag in einem Interview mit der »Berliner Zeitung«. In die selbe Kerbe schlägt die Berichterstattung im deutschen Bezahlfernsehen.

Das leuchtet jedem Menschen ein, nicht wahr? Zumindest, wenn man sich unkritisch von solcherart Propaganda berieseln lässt. Schon in der Anmoderation ist wieder vom größten Tatort der Welt die Rede. Immer mehr Betrüger, Kinderschänder und Rechtsradikale treiben dort ihr Unwesen. Womit das Problem offenbar ausreichend skizziert oder besser karikiert wäre. Die Lösung dafür wird gleich frei Haus mitgeliefert: 2.000 Cyber-Cops. Herrlich, wie einfach die Welt ist.

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Eine Zensur findet (noch) nicht statt

Sonntag, 28. Juni 2009

Jimi Hendrix ist tot, Janis Joplin ist tot, Michael Jackson ist tot und mir ist auch schon ganz komisch. Elvis Presley habe ich hier bewusst ausgespart. Bezüglich seines Ablebens gibt es bekanntermaßen noch immer diverse Gegenstimmen.

Eigentlich soll es hier gar nicht um verblichene Sängerinnen und Sänger gehen, sondern mehr um technische Aspekte. Doch hatte der überraschende Tod von Michael Jackson einen – zumindest für mich – lehrreichen Nebeneffekt. Freitag früh wollte ich wie jeden Morgen nach dem Aufstehen im Internet die Schlagzeilen und ein paar interessante Berichte oder Kommentare lesen. Eine meiner Anlaufstellen ist dabei auch MMnews, die Internetseite des bekannten Wirtschaftsjournalisten Michael Mross. Doch statt der gewohnten Webseite meldete sich dieses Mal mein eigener Apache-Server, den ich zu Entwicklungszwecken auf meinem Rechner laufen lasse. Ich habe schon viel gesehen, aber sowas noch nicht. Ein kurzer ping-Aufruf ergab, dass der DNS-Server meines Dienstanbieters für »www.mmnews.de« die IP-Adresse 127.0.0.1 lieferte. Was natürlich Quatsch ist. Denn 127.0.0.1 gibt es im globalen Netz normalerweise nicht. Das ist eine Adresse des IP-Kerns im lokalen Rechner. Deshalb fühlte sich bei der Eingabe von »http://www.mmnews.de« in die Firefox-Adressleiste mein Apache angesprochen.

ZensursulaMein erster Gedanke war: »Jetzt haben sie MMnews gesperrt«. Was ich weniger an Herrn Mross‘ Artikeln festmachte, sondern eher an den teils deftigen Leserkommentaren in seinem Blog. Man hört und liest ja immer häufiger von gewissen Empfindlichkeiten und Zensurbestrebungen unserer »Geliebten Bundesregierung™«. Zensursula – alias Ursula von der Leyen – lässt grüßen. Gut, dachte ich mir, dann greife ich eben zum Notfallplan. Wenn mein Dienstanbieter auf seinem DNS-Server jetzt neuerdings IP-Adressen verbiegt, dann gehe ich halt einfach über einen anderen DNS-Dienst. Der Chaos Computer Club (CCC) betreibt zu dem Zweck selbst einen unabhängigen DNS-Server und stellt auch eine Liste weiterer freier DNS-Dienste zur Verfügung. Nebst einer Anleitung zur Konfiguration der DNS-Einstellungen und weiteren wissenswerten Dingen über DNS. Doch egal welchen DNS-Dienst ich ausprobierte, immer wieder kam für »www.mmnews.de« die interne localhost-Adresse zurück. Auch das Löschen des DNS-Puffers und sogar der Routing-Tabelle brachte keine brauchbare Änderung.

Lehrreiche Erkenntnis: Der Notfallplan mit dem DNS-Server des CCC – den ich bisher für eine recht gute Idee hielt – könnte im Ernstfall unter Umständen nicht funktionieren. Sobald eine weltweite Aktualisierung der DNS-Dienste verschickt wird, sind erst einmal Alle betroffen. Auch Diejenigen, die sich noch frei und unabhängig wähnen.

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