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Archiv für die Kategorie ‘Zensur’

Man wird ja wohl noch fragen dürfen

Montag, 03. Oktober 2011

Ein bisschen spät – voriges Wochenende war ich anderweitig gebunden – aber dennoch nicht vergessen: Papst Benedikt XVI. sprach in seiner Eigenschaft als Staatsoberhaupt des Vatikan vor dem Deutschen Bundestag und Mahmud Ahmadinedschad sprach in seiner Eigenschaft als Regierungschef des Iran vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen.

Wenn der Papst vor dem Deutschen Bundestag eine historische Rede hält, dann lassen sich drei Dinge mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit vorhersagen. Auch ohne jegliche prophetische Begabung. Erstens werden im Vorfeld wieder die alten Kindersexskandale in der Katholischen Kirche aufs Tapet gebracht. Zweitens werden Abgeordnete in hellen Scharen der Rede fernbleiben. Drittens wird der Papst schlau genug sein, mit seiner Rede den »Deutschen Qualitätsmedien™« keine Angriffsfläche zu bieten.

Wenn Mahmud Ahmadinedschad vor den Vereinten Nationen auftritt und eine Rede hält, dann lassen sich drei Dinge mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit vorhersagen. Auch ohne jegliche prophetische Begabung. Erstens wird Ahmadinedschad kluge Fragen stellen. Zweitens werden ganze Delegationen in hellen Scharen den Sitzungssaal verlassen. Drittens steht kurz darauf in den »Deutschen Qualitätsmedien™« zu lesen, welche Ungeheuerlichkeiten Ahmadinedschad mal wieder vom Stapel gelassen hat.

Papst Benedikt XVI. hat gegenüber Mahmud Ahmadinedschad in der deutschen Medienlandschaft einen unschätzbaren Vorteil. Er spricht Deutsch. Weshalb es schwer fallen dürfte den Inhalt seiner Äußerungen nennenswert zu verfälschen. Und wenn über 100 Abgeordnete von LinkInnen, SozialdemokratInnen und GrünInnen dem Plenarsaal fernblieben, stellten sie sich nur selbst ein Armutszeugnis aus. Indem sie die vielen gläubigen Katholiken auf dem Gebiet der BRD missachteten. Also konnte der Papst nur gewinnen.

Anders hingegen Mahmud Ahmadinedschad am 21. September in New York vor der UNO. Während seiner Rede verließen ganze Delegationen von NATO-Staaten den Sitzungssaal wie brave Kindergartenkinder. Der Deutsche Außenminister (Wie heißt der noch gleich?) glänzte von Haus aus durch Abwesenheit. Und offenbar waren die »Deutschen Qualitätsmedien™« auch nicht zugegen. Denn wie ließe sich sonst der Bockmist erklären, der tags darauf in Presse, Funk, Fernsehen und Internet verzapft wurde?

tagesschau.de zum Beispiel schreibt:

Eklat bei UN-Vollversammlung in New York

Ahmadinedschads Rundumschlag gegen den Westen

Mit wüsten Beschimpfungen gegen die USA, die NATO und den Westen allgemein hat Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad wieder für einen Eklat bei den Vereinten Nationen gesorgt. Dutzende Delegierte aus den USA, Europa und anderen Staaten verließen in New York demonstrativ den Saal, als Ahmadinedschad „die, die sich freiheitliche Demokratien nennen“, als „Wurzel des Bösen“, als „Sklavenmeister und Kolonialherren von damals“ bezeichnete.

„Krude Tiraden“ gegen den Westen

Auch die deutsche Delegation ging hinaus. Ein Sprecher des Außenministeriums begründete dies mit Ahmadinedschads „kruden Tiraden“ gegen die USA, Israel und den Westen insgesamt. Außenminister Guido Westerwelle war zu der Rede gar nicht erst erschienen.

Aus französischen Delegationskreisen hieß es, die Europäer hätten sich vorab auf das Verlassen des Saales verständigt, sobald Ahmadinedschad den Holocaust erwähne.

„Wirkliche Freiheit, Gerechtigkeit, Frieden und Glück sind das Recht aller Nationen. Das kann nicht von der Arroganz und den Gewehrläufen der NATO unterdrückt werden“, hatte Ahmadinedschad gesagt. Die Medien seien unter einer „imperialistischen Knechtschaft und schweigen jeden tot, der den Holocaust und die Ereignisse des 11. Septembers 2001 in Frage stellt“.

Entschädigungszahlungen wegen Sklaverei gefordert

Außerdem machte er die USA für Kriege und die Finanzkrise verantwortlich und forderte den Westen zu Entschädigungszahlungen wegen der Sklaverei auf. „Sie unterstützen offiziell Rassismus“, sagte Ahmadinedschad. Er empfahl zugleich eine neue Weltordnung. Erlösung von Tyrannei und Diskriminierung könne nur Allah bringen.

Vor dem UN-Gebäude protestierten derweil Hunderte Menschen gegen die Anwesenheit des iranischen Präsidenten.

Vor einem Jahr hatte Ahmadinedschad für einen ähnlichen Eklat gesorgt, als er behauptete, die Amerikaner hätten die Anschläge vom 11. September, bei denen fast 3000 Menschen starben, selbst inszeniert.

Quelle: tagesschau.de – Ahmadinedschads Rundumschlag gegen den Westen

Dieser Tenor zieht sich durch die ganze Medienlandschaft. Egal ob Spiegel, Focus, Welt – um nur drei zu nennen. Besonders dreist an der Stelle wie üblich die »Bild«. Die setzt auf bewährten Hetzjournalismus, wie weiland Julius Streicher. Zu rein dokumentarischen Zwecken möchte ich hier das Pulitzer-Preis verdächtige Meisterwerk journalistischen Schaffens konservieren.

Irrer Auftritt in New York
Ahmadinedschad: 9/11 war inszeniert!
IRANS PRÄSIDENT VERBREITET NEUE WAHNSINNS-THESEN

Der Irre von Teheran kann es nicht lassen! Jetzt behauptet Präsident Mahmud Ahmadinedschad, die Anschläge vom 11. September seien inszeniert gewesen…

Die UN-Vollversammlung am Donnerstag in New York:

Dutzende Delegierte verließen den Saal bereits, als Ahmadinedschad den Westen und die USA für Weltkriege, Massenmord und Vertreibung verantwortlich machte.

Die US-Delegation wie auch zahlreiche Europäer äußerten auf diese Weise ihren Protest.

HASS-REDE

„Einige europäische Länder nutzen jetzt noch, nach sechs Jahrzehnten, den Holocaust als Ausrede, die Zionisten in Israel mit Geld zu versorgen“, sagte Ahmadinedschad laut UN-Übersetzung vor der UN-Vollversammlung.

Bereits in den vergangenen Jahren hatte Ahmadinedschad seine Auftritte vor der Generalversammlung zum verbalen Rundumschlag gegen den Westen genutzt.

IRRES INTERVIEW

Nach seinem Eklat-Auftritt vor der Uno legte der iranische Despot dann noch mal nach:
Im Interview mit der Nachrichtenagentur AP bezeichnete Ahmadinedschad die Anschläge auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 als inszeniert!

Als Ingenieur sei er sich sicher, dass die beiden Wolkenkratzer nicht allein durch den Aufprall der Flugzeuge zum Einsturz gebracht werden konnten.
Die irre These des Irren von Teheran: Es soll eine geplante Explosion stattgefunden haben!

Rund um die Ereignisse bestünden offene Fragen, mit denen sich die Welt noch beschäftigen müsse, sagte Ahmadinedschad weiter.

Ein Besuch des Ground Zero war dem iranischen Präsidenten im vergangenen Jahr verweigert worden. In diesem Jahr werde er nicht erneut einen Antrag stellen, sagte er.

Stattdessen schockiert er die Welt mit seinen Wahnsinns-Thesen!

In dem AP-Interview schreckte Irans Präsident zwar davor zurück, der amerikanischen Regierung direkt ein Komplott zu unterstellen.

Er sagte aber: Es gebe in der Welt Zweifel – ob damals alles mit rechten Dingen zugegangen sei.

Quelle: Bild – Ahmadinedschad: 9/11 war inszeniert!

»Die ›Bild‹ ist sicher nicht die filigranste Geige«, lässt man so oder ähnlich einen bezahlten C-Promi in der Fernsehwerbung sagen. Zum Verfasser des vorher gehenden Machwerkes fällt mir nur die Geige ein, die mit A anfängt. Nun muss man niemand groß erklären, was die »Bild« ist. Irgendwo habe ich mal den Satz aufgeschnappt: »Wer die Bild für eine Zeitung hält, der betrachtet auch eine Kosmetikerin als Gehirnchirurgin«. Doch selbst einer Rolle Klopapier ließe sich das Etikett »Zeitung« ankleben. Vermutlich fänden sich sogar zahlungswillige »Leser« dafür. Wen würde das überraschen in einer Welt, in der weiße Leinwände zum Kunstwerk und Zahlenreihen aus einem Zufallsgenerator zur musikalischen Komposition verklärt werden?

Auch wenn die Länge des Textes den Rahmen hier eindeutig sprengt möchte ich an dieser Stelle den viel gescholtenen Mahmud Ahmadinedschad selbst zu Wort kommen lassen:

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Skandal, wie gehabt

Sonntag, 06. März 2011

Nach dem Skandal ist vor dem Skandal. Sepp Herberger (1897 – 1977) benutzte das Wort Spiel statt Skandal. Aber in Analogie zum Fußball kann man auch in der Politik darauf wetten, dass eines auf das andere folgt. Skandal und Spiel sind ja oft untereinander austauschbar. Kaum hat Karl-Theodor Freiherr von und zu Guttenberg seinen Doktorhut an den Nagel gehängt und dafür den sprichwörtlichen Hut genommen, da setzt sich wieder ein CSU-Politiker auf den Schleudersitz eines Bundesministers. Und sogleich in die Nesseln.

Hans-Peter Friedrich (CSU)Eben erst ins Amt gerufen widerspricht Hans-Peter Friedrich (CSU), neuer Bundesinnenminister im Regierungskarussell, seinem obersten Dienstherrn Christian Wulff (CDU). Letzterer hatte vor gut fünf Monaten mit der Behauptung, der Islam gehöre zu Deutschland, von sich reden gemacht. Und als Argumentationshilfe gleich noch Goethe aus einem Text zitiert, den Selbiger zu Lebzeiten nie veröffentlicht hat. Johann Wolfgang von Goethe wird seine Gründe gehabt haben. Was Christian Wulff – oder dessen Redenschreiber – offenbar nicht daran hindert, Formulierungen aus dem Papierkorb des alten Meisters zu verwenden wenn es gerade opportun scheint.

Hans-Peter Friedrich meint in Opposition zu Wulffs anbiedernden Äußerungen, übrigens ganz im Sinne der Bevölkerungsmehrheit, dass zwar die Muslime zu Deutschland gehören. Der Grundsatz der Religionsfreiheit gebietet es und de facto ist es so. »Dass aber der Islam zu Deutschland gehört, ist eine Tatsache, die sich auch aus der Historie nirgends belegen lässt«. Eigentlich würde niemand, der im Geschichtsunterricht auch nur ansatzweise aufgepasst hat, ernsthaft den Wahrheitsgehalt von Friedrichs Aussage in Frage stellen wollen. Nur ist es aber in dieser Bundesrepublik nicht oder nicht mehr möglich, heute einfach die Wahrheit zu sagen ohne dass die Heckenschützen der »Politischen Korrektheit™« aus allen Rohren auf einen feuern.

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Apropos Hydra

Dienstag, 07. Dezember 2010

WikiLeaks-LogoDie WikiLeaks-Hauptserver sehen sich zurzeit massiven Hacker-Attacken ausgesetzt. Auf der folgenden Seite stehen die Adressen von zurzeit knapp 1250 gespiegelten Präsenzen von WikiLeaks (ohne Garantie).

MfG
Hans

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Hydra? Wer ist schon Hydra?

Samstag, 04. Dezember 2010

WikiLeaks-LogoBereits die alten Griechen wussten: Schlage niemals der Hydra einen Kopf ab. Denn an seiner Stelle wachsen zwei neue. Am Donnerstag wurde bekannt, dass Amazon WikiLeaks die Serverkapazität gekündigt hat. Eine alberne Maßnahme in heutiger Zeit. Wikileaks zog auf Schweizer Server um. Gestern löschte EveryDNS.net die Domain »wikileaks.org«. Ein weiterer Schuss in den Ofen.

Wikileaks ist nunmehr erreichbar unter:

wikileaks.ch
wikileaks.de
wikileaks.fi
wikileaks.nl

wlcentral.org (Eine inoffizielle WikiLeaks Informationsquelle)

Außerdem unter den IP-Adressen:

213.251.145.96
46.59.1.2

Wegen gesetzlicher Bestimmungen in der BRD und diverser Gerichtsurteile gegen Betreiber von Webseiten mache ich hier bewusst keinen direkten Link auf WikiLeaks. Wer sieht sich schon gerne einer Hausdurchsuchung gegenüber, wenn er auch am Ende vor Gericht gewinnen mag.
(Adressen einfach in der Adressleiste des Browsers eingeben)

Die Zeiten ändern sich. Hydra war in der griechischen Antike. Heute ist WikiLeaks.

MfG
Hans

Volksverdummung für Fortgeschrittene

Montag, 17. August 2009

Der Kampf gegen Kinderpornographie im Web war die Planierraupe, mit der Ursula von der Leyen das Terrain für weitere Maßnahmen geebnet hat. Nur gänzlich Unbedarfte glaubten ernsthaft daran, dass sich unsere so genannten Volksvertreter auf die Kinderpornographie beschränken werden. Hatte Ursula von der Leyen – im Volksmund auch »liebevoll« Zensursula geheißen – erst kürzlich von der Ausbaufähigkeit des bereits abgenickten Zensurgesetzes gesprochen, Brigitte Zypries und Dieter Wiefelspütz deutliche Sympathie für eine real existierende Zensur geäußert, finden offenbar immer mehr dieser Musterdemokraten Gefallen an dem undemokratischen Treiben.

Das Internet sei der größte Tatort der Welt und dürfe nicht sich selbst überlassen werden. Deshalb wünsche er sich 2.000 Cyber-Cops, die dort auf Streife gehen. Das meinte der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt letzten Freitag in einem Interview mit der »Berliner Zeitung«. In die selbe Kerbe schlägt die Berichterstattung im deutschen Bezahlfernsehen.

Das leuchtet jedem Menschen ein, nicht wahr? Zumindest, wenn man sich unkritisch von solcherart Propaganda berieseln lässt. Schon in der Anmoderation ist wieder vom größten Tatort der Welt die Rede. Immer mehr Betrüger, Kinderschänder und Rechtsradikale treiben dort ihr Unwesen. Womit das Problem offenbar ausreichend skizziert oder besser karikiert wäre. Die Lösung dafür wird gleich frei Haus mitgeliefert: 2.000 Cyber-Cops. Herrlich, wie einfach die Welt ist.

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Eine Zensur findet (noch) nicht statt

Sonntag, 28. Juni 2009

Jimi Hendrix ist tot, Janis Joplin ist tot, Michael Jackson ist tot und mir ist auch schon ganz komisch. Elvis Presley habe ich hier bewusst ausgespart. Bezüglich seines Ablebens gibt es bekanntermaßen noch immer diverse Gegenstimmen.

Eigentlich soll es hier gar nicht um verblichene Sängerinnen und Sänger gehen, sondern mehr um technische Aspekte. Doch hatte der überraschende Tod von Michael Jackson einen – zumindest für mich – lehrreichen Nebeneffekt. Freitag früh wollte ich wie jeden Morgen nach dem Aufstehen im Internet die Schlagzeilen und ein paar interessante Berichte oder Kommentare lesen. Eine meiner Anlaufstellen ist dabei auch MMnews, die Internetseite des bekannten Wirtschaftsjournalisten Michael Mross. Doch statt der gewohnten Webseite meldete sich dieses Mal mein eigener Apache-Server, den ich zu Entwicklungszwecken auf meinem Rechner laufen lasse. Ich habe schon viel gesehen, aber sowas noch nicht. Ein kurzer ping-Aufruf ergab, dass der DNS-Server meines Dienstanbieters für »www.mmnews.de« die IP-Adresse 127.0.0.1 lieferte. Was natürlich Quatsch ist. Denn 127.0.0.1 gibt es im globalen Netz normalerweise nicht. Das ist eine Adresse des IP-Kerns im lokalen Rechner. Deshalb fühlte sich bei der Eingabe von »http://www.mmnews.de« in die Firefox-Adressleiste mein Apache angesprochen.

ZensursulaMein erster Gedanke war: »Jetzt haben sie MMnews gesperrt«. Was ich weniger an Herrn Mross‘ Artikeln festmachte, sondern eher an den teils deftigen Leserkommentaren in seinem Blog. Man hört und liest ja immer häufiger von gewissen Empfindlichkeiten und Zensurbestrebungen unserer »Geliebten Bundesregierung™«. Zensursula – alias Ursula von der Leyen – lässt grüßen. Gut, dachte ich mir, dann greife ich eben zum Notfallplan. Wenn mein Dienstanbieter auf seinem DNS-Server jetzt neuerdings IP-Adressen verbiegt, dann gehe ich halt einfach über einen anderen DNS-Dienst. Der Chaos Computer Club (CCC) betreibt zu dem Zweck selbst einen unabhängigen DNS-Server und stellt auch eine Liste weiterer freier DNS-Dienste zur Verfügung. Nebst einer Anleitung zur Konfiguration der DNS-Einstellungen und weiteren wissenswerten Dingen über DNS. Doch egal welchen DNS-Dienst ich ausprobierte, immer wieder kam für »www.mmnews.de« die interne localhost-Adresse zurück. Auch das Löschen des DNS-Puffers und sogar der Routing-Tabelle brachte keine brauchbare Änderung.

Lehrreiche Erkenntnis: Der Notfallplan mit dem DNS-Server des CCC – den ich bisher für eine recht gute Idee hielt – könnte im Ernstfall unter Umständen nicht funktionieren. Sobald eine weltweite Aktualisierung der DNS-Dienste verschickt wird, sind erst einmal Alle betroffen. Auch Diejenigen, die sich noch frei und unabhängig wähnen.

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Trojanische Pferde

Samstag, 28. März 2009

Als die Griechen im Krieg gegen Troja auch nach zehnjähriger Belagerung der Stadt nicht so recht weiter kamen, ersannen sie eine Kriegslist. Sie täuschten ihren Rückzug vor, bauten ein großes hölzernes Pferd, versteckten darin Soldaten und machten das Standbild den Trojanern zum Geschenk.Giovanni Domenico Tiepolo - Detail aus »Die Prozession des Trojanischen Pferdes« Außerdem ließen sie die Stadtbevölkerung wissen, dass dieses Pferd der Göttin Pallas Athene geweiht sei und den Schutz der Göttin über Troja brächte wenn es sich innerhalb der Stadtmauern befände. Sollten die Trojaner das Geschenk aber ignorieren oder zerstören, dann würden sie den Zorn der Göttin auf sich ziehen. Nachdem die Trojaner das Holzpferd – nichts Böses ahnend – in ihre Stadt geholt hatten, kletterten nachts die Soldaten aus dem Bauch der Statue und öffneten dem lauernden griechischen Heer von innen die Stadttore. Die Bevölkerung von Troja wurde ermordet, versklavt oder vertrieben. Die Stadt ausgeplündert und zerstört. So in etwa die Kurzfassung. Wer kennt die Sage vom Trojanischen Pferd nicht? Es gibt sie in verschiedenen Varianten und mit vielen Ausschmückungen. Mal hatte der griechische Seher Kalchas die Idee zu der Kriegslist, mal war Odysseus der Urheber. Mal warnte die Seherin Kassandra vor dem drohenden Unheil, mal soll der Priester Laokoon den berühmten Ausspruch »Equo ne credite, Teucri! Quidquid id est, timeo Danaos et dona ferentes.«*) getan haben. Darüber, wie es sich vor über 3200 Jahren wirklich zugetragen hat, sollen die Gelehrten weiter debattieren. Geblieben ist bis heute das Trojanische Pferd als Synonym für den Erfindungsreichtum menschlicher Niedertracht.
*) Laokoon dürfte wohl eher einen altgriechischen Dialekt gesprochen haben. Den lateinischen Spruch legte ihm ca. 1200 Jahre später Publius Vergilius Maro (Vergil) in den Mund.

Wolfgang Schäuble alias »Dr. Seltsam« (CDU) ließ mit seinem Bundestrojaner einen späten Nachfahren des Trojanischen Pferdes schaffen. Ein Programm, das in den Computer von Verdächtigen eingeschleust die Geheimnisse des Ausgehorchten an das BKA oder andere Interessierte meldet.Wolfgang Schäuble Natürlich will man mit dem Einschleusen nicht das Zürnen der Göttin Pallas Athene abwenden, sondern den bösen internationalen Terrorismus. Gleiches gilt für die Vorratsdatenspeicherung. Dass sich beide Spielarten bei Bedarf auch für das automatisierte Ausspähen der ganzen Bevölkerung eignen, ist freilich eine böswillige Unterstellung. Das würde die Regierung der BRD gar niemals machen. Wirklich nicht? »Gelegenheit macht Diebe«, weiß schon der Volksmund zu berichten. Wenn die Mittel zur Verfügung stehen, dann werden sie früher oder später auch missbraucht. Eher früher. Bahnchef Hartmut Mehdorns Schnüffeleien bei seinen Bahnmitarbeitern geben seit Monaten Gesprächsstoff her über die skrupellose Selbstverständlichkeit, mit der die technischen Möglichkeiten genutzt werden. Oder – nach wie vor aktuell – die Spitzel-Affäre bei der Telekom, in die offenbar neben Ex-Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke auch der ehrenwerte Ex-Telekom-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel verstrickt ist. In beiden Fällen wurden »nur« die betrieblichen Datenströme der Mitarbeiter abgehorcht, bzw. Telefongespräche mitgeschnitten. Die Vorratsdatenspeicherung und Schäubles Bundestrojaner ermöglichen das Aushorchen aller Bundesbürger. Wer glaubt, diese Möglichkeiten würden nicht bereits genutzt, der möge weiterhin selig in seiner Naivität vor sich hin schlummern.

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