»Saludos Amigos!«. Wer erinnert sich noch an Max Streibls (1932 – 1998) letzten großen Auftritt als Bayrischer Ministerpräsident beim Politischen Aschermittwoch in Passau? Ein verzweifelter Versuch, die Amigo-Affäre mit etwas Galgenhumor ins Lächerliche zu ziehen. »Freunde zu haben, ist das eine Schande bei uns in der CSU?«, fragte er unter Beifall der Teilnehmer noch. Hat ihm alles nichts genutzt, drei Monate später war er weg vom Fenster. Oder aus dem Weg. Wie man’s nimmt.
Siehe: Amigo-Affäre
Gute zwei Jahre zuvor hatte es seinen Amtskollegen Lothar Späth (CDU) in Baden-Württemberg mit der Traumschiff-Affäre erwischt. Ähnlich wie später Streibl ließ auch Späth sich seinen Urlaub von »Freunden« oder »Amigos« bezuschussen. Und offenbar war auch er jemandem im Weg. Nicht umsonst führt er den Beinamen »Tapferle«.
Siehe: Traumschiff-Affäre
Wie doch die Zeit vergeht. 21 Jahre hat Lothar Späths Traumschiff-Affäre mittlerweile auf dem Buckel. Max Streibls Amigos bringen es bereits auf knapp 19 Jahre. Zwischendrin bis heute weitere unappetitliche Skandale und Skandälchen. Zum Beispiel die Bonusmeilen-Affäre der vom Volke gewählten Spesenritter, die unter anderen Cem Özdemir (Grüne), Rezzo Schlauch (Grüne) und Gregor Gysi (PDS, heute Die Linke) in Erklärungsnot brachte. Oder die Hunzinger-Affäre, über die Rudolf Scharping (SPD) und einmal mehr Cem Özdemir (Grüne) stolperten.
Siehe: Bonusmeilen-Affäre
Und: Hunzinger-Affäre: Özdemir erhielt Darlehen und PR-Honorar
Und: Hunzinger-Affäre: Schröder feuert Scharping
Das ist alles noch im Gedächtnis, beziehungsweise gut dokumentiert zum Nachschlagen. Wie kommt dann Christian Wulff eigentlich auf die Schnappsidee, nach ein bisschen »Stahlgewitter« und einem Jahr des Wohlverhaltens sei die Sache vergessen? Noch dazu, wo er sich in der Angelegenheit sowas von abgrundtief dämlich angestellt hat, dass man schon Mitleid haben muss. Und woher nimmt Wulff die Stirn, die ganze Affäre jetzt zu ignorieren und zur Tagesordnung überzugehen?
Wulff ließ sich als amtierender Ministerpräsident von »Freunden« oder »Amigos« einen richtig günstigen Kredit einräumen. 500.000 Euro zu 4 % per anno und alles ohne Sicherheiten. Im Jahre 2008 lag der übliche Zinssatz bei 8 bis 10 %. Da waren 4 % schon ein echtes Schnäppchen. Einem Normalverbraucher wie mir würde ohne Eigenkapital von der Bank die kalte Schulter gezeigt werden. Aufgrund meines Alters sowieso. Und selbst wenn nicht; unter 5,5 % pro Jahr käme ich zurzeit nicht weg. Ganz davon abgesehen dass die Bank trotz Bonität natürlich ihre Sicherheiten haben möchte. Aber ein frisch geschiedener und frisch verheirateter Ministerpräsident von Niedersachsen, der 2008 auch bereits stark auf die 50 zuging, der bekommt so einen Kredit unter »Freunden« zu Traumkonditionen.
Wer vertraut noch den Politikern, wenn selbst der Bundespräsident mehrfach der Vorteilsannahme im Amt überführt wird und sich keinerlei Konsequenzen daraus ergeben. Wer traut noch den Medien, wenn die Bild Fotos aus Nepal reißerisch mit »Hunderte Tote bei Unruhen in Tibet« übertitelt und das ZDF alte Bilder aus dem Irak als aktuelle Gräueltaten in Syrien ausgibt?
Wer glaubt ernsthaft an Demokratie, wenn die einzelnen Parteien keine wirkliche Alternative untereinander mehr zeigen? Andreas Popp von der Wissensmanufaktur – meines Erachtens einer der besten Analytiker und Querdenker die es gibt – hat eine Art von Weihnachtsansprache aufgezeichnet die sich erfrischend von der durchgestylten Weihnachtsansprache unseres selbstverständlich nicht korrupten Bundespräsidenten unterscheidet. Er stellt die Demokratie in diesem Lande in Frage. Erfolgreich.
Das Quecksilber fällt, die Zeichen stehen auf Sturm,
Nur blödes Kichern und Keifen vom Kommandoturm -
Und ein dumpfes Mahlen grollt aus der Maschine.
Und Rollen und Stampfen und schwere See,
Die Bordkapelle spielt “Humbatäterä”,
Und ein irres Lachen dringt aus der Latrine.
Die Ladung ist faul, die Papiere fingiert,
Die Lenzpumpen leck und die Schotten blockiert,
Die Luken weit offen und alle Alarmglocken läuten.
Die Seen schlagen mannshoch in den Laderaum,
Und Elmsfeuer züngeln am Ladebaum,
Doch keiner an Bord vermag die Zeichen zu deuten!
Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig um SOS zu funken.
Klabautermann fährt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus – und Kurs aufs Riff.
Am Horizont wetterleuchten die Zeichen der Zeit:
Niedertracht und Raffsucht und Eitelkeit.
Auf der Brücke tummeln sich Tölpel und Einfaltspinsel.
Im Trüben fischt der scharfgezahnte Hai,
Bringt seinen Fang ins Trockne, an der Steuer vorbei,
Auf die Sandbank, bei der wohl bekannten Schatzinsel.
Die andern Geldwäscher und Zuhälter, die warten schon,
Bordellkönig, Spielautomatenbaron,
Im hellen Licht – niemand muss sich im Dunkeln rumdrücken..
In der Bananenrepublik wo selbst der Präsident
Die Scham verloren hat und keine Skrupel kennt,
sich mit dem Steuerdieb im Gefolge zu schmücken.
Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig um SOS zu funken.
Klabautermann fährt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus – und Kurs aufs Riff.
Man hat sich glatt gemacht, man hat sich arrangiert.
All die hohen Ideale sind havariert,
Und der große Rebell, der nicht müd wurde zu streiten,
Mutiert zu einem servilen, giftgen Gnom
Und singt lammfromm vor dem schlimmen alten Mann
In Rom
Seine Lieder, fürwahr: Es ändern sich die Zeiten!
Einst junge Wilde sind gefügig und zahm,
gekauft, narkotisiert und flügellahm,
Tauschen Samtpfötchen für die einst so scharfen Klauen.
Und eitle Greise präsentiern sich keck
Mit immer viel zu jungen Frauen auf dem Oberdeck,
Die ihre schlaffen Glieder wärmen und ihnen das Essen vorkauen!
Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig um SOS zu funken.
Klabautermann fährt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus – und Kurs aufs Riff.
Sie rüsten gegen den Feind, doch der Feind ist längst hier.
Er hat die Hand an deiner Gurgel, er steht hinter dir.
Im Schutz der Paragraphen mischt er die
gezinkten Karten.
Jeder kann es sehen – aber alle sehen weg,
Und der Dunkelmann kommt aus seinem Versteck
Und dealt unter aller Augen vor dem Kindergarten.
Der Ausguck ruft vom höchsten Mast: Endzeit in Sicht!
Doch sie sind wie versteinert und sie hören ihn nicht.
Sie ziehn wie lemminge in willenlosen Horden.
Es ist, als hätten alle den Verstand verlorn,
Sich zum Niedergang und zum Verfall verschworn,
Und ein Irrlicht ist ihr Leuchtfeuer geworden.
Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken
Und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken,
Die Mannschaft lauter meineidige Halunken,
Der Funker zu feig um SOS zu funken.
Klabautermann fährt das Narrenschiff
Volle Fahrt voraus – und Kurs aufs Riff.
Erst wollte ich etwas dazu schreiben. Dann wieder nicht. Was nutzt es, auf einen toten Gaul einzuschlagen? Doch irgendwie kann ich es mir nicht verkneifen. Auch wenn Schadenfreude eigentlich nicht mein Ding ist.
Fast wie beim Fußball. Wie kürzlich erwähnt, fand in Durban (Südafrika) vom 27. November bis 9. Dezember die diesjährige UN-Klimakonferenz statt. Das Medienecho hielt sich in noch engeren Grenzen als die Jahre davor. Als es bei Spielschluss unentschieden stand, ging man in die Verlängerung. Während erste Delegationen bereits die Koffer packten, kam es in der Nachspielzeit bis Sonntag früh offenbar doch noch zu einem klitzekleinen Kompromiss. Prompt titelte das Propaganda-Medium Spiegel Online: »Uno-Konferenz – Durban-Gipfel beschließt neuen Klimavertrag«. Die Berliner Morgenpost backte da schon kleinere Brötchen und schrieb: »Durban – Klimagipfel ist am Ende immerhin nicht gescheitert«.
Fragt sich nur, was die Leute beim Spiegel den lieben langen Tag so konsumieren. »Der Berg kreißte und gebar eine Maus« als Titel wäre immer noch schamlos übertrieben. Doch einerseits brauchen unsere Volksverr … äh … treter mindestens einen kleinen Sieg, den sie dem staunenden Wahlvieh in der Heimat präsentieren können. Andererseits war vor dem Hintergrund von Klima- und Wirtschaftsrealismus nicht viel zu holen.
Das ganze Geschwafel von menschgemachter globaler Erwärmung und von Klimazielen ist ein Kartenhaus, das als Basis nicht taugt. Die Welt hat zurzeit ganz andere Probleme als ein Klima, das sich nur in ebenso sündteuren wie armseligen Computersimulationen verhält wie die Politik es wünscht. Da hilft es auch nicht viel weiter, dass die gleichgeschalteten Medien hysterisch Panik schüren wenn der Wind einem chinesischen Reisbauern den Strohhut vom Kopf weht.
Nun gut, oder eher schlecht, jetzt will man das Kyoto-Protokoll – das eigentlich 2012 auslaufen sollte – weiterführen. Bis 2015 soll ein Nachfolgeprotokoll erarbeitet werden, das ab 2020 in Kraft tritt. Dann müssen auch Russland, Brasilien, Indien, China und die USA mitspielen. Schlau eingefädelt. Bis 2015 beziehungsweise 2020 fließt noch viel Wasser die Isar runter. Hoffentlich hat man den Klimaschwindlern bis dahin kräftig in den Allerwertesten getreten. Diese Selbstbereicherer braucht die Welt ebenso nötig wie die Bankster.
Schöner Spruch, gell? Und so entwaffnend. Man möchte fast das Taschentuch zücken und sich ergriffen ein Tränchen wegtrocknen. Doch nein, die Sonne schickt tatsächlich keine Rechnung und sie scheint für alle. Die Rechnung dafür schicken Menschen. Beispielsweise versteckt in der Stromrechnung. Man möchte es nicht für möglich halten, aber es geschieht. Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher bezahlen, damit Hausbesitzer ihre Solaranlagen auf dem Dach finanzieren können. Als Begründung lügt man uns etwas von Umweltfreundlichkeit vor. Dabei geht es in Wahrheit nur darum, einen bestimmten Industriezweig mit erschwindelten Geld zu unterstützen.
Apropos Schwindel: Heute treffen sich wieder die Nutznießer der medialen Aufbauarbeit der letzten Jahrzehnte um bei einem fröhlichen Stelldichein zu beratschlagen, wie dem Bürger noch mehr Geld aus den Taschen geleiert werden kann. Dieses Jahr hat man sich einen Platz ausgesucht, an dem es zurzeit mit Sicherheit warm ist. Nachdem bei der UN-Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen massenhaft Teilnehmer wegen der Kälte absprangen und es 2010 in Cancún (Mexiko) so kalt war wie schon lange nicht mehr, wird die illustre Gesellschaft im südafrikanischen Durban sicher nicht Gefahr laufen, von ihrem Klimaglauben abzufallen.
Im Vorfeld wurde bereits wieder fleißig die Werbetrommel gerührt. Der CO2-Ausstoß sei so hoch wie nie, tönte es Anfang November aus den Gazetten der veröffentlichten Meinung. Selbstverständlich garniert mit Bildern von Eisbären, denen das Eis knapp wird. Gibt es eigentlich Belege dafür dass die Steinzeit zu Ende ging, weil den Steinzeitmenschen die Steine ausgingen? Ja ok, schlimme Sache das. Jemand müsste mal ein ernstes Wörtchen mit der Natur reden. Die ist nämlich für 96 % des CO2-Anstieges verantwortlich. Der Mensch hat daran nur einen Anteil von 4 %. Das heißt, dass sich der CO2-Anstieg auch ohne den Menschen fortsetzen würde. Was soll also dieser Unfug? Weiterlesen »
Langsam wird es kälter draußen. Der Winter kündigt sich an. Bald kommt wieder die heimelige Zeit, in der wir einen Schmarr’n vor die Haustüre hängen. Dazu eine Kinderbastelschere mit abgerundeten Enden, damit sich ein hungriger Wanderer ein Stückchen von der süßen Köstlichkeit abschnippeln kann. Ein schöner Brauch, nicht wahr? Ach, kennen Sie gar nicht? Tja, so wandeln sich eben die Gepflogenheiten. Früher war es wohl einmal Tradition, in der Vorweihnachtszeit einen großen Lebkuchen vor die Haustüre zu hängen, nebst einem Lebkuchenmesser. Damit sich erwähnter Wandersmann oder die Nachbarn daran laben konnten. Bis zu jenem denkwürdigen Dezembertag, an dem der damalige Passauer Polizeichef Alois Mannichl ein Opfer seiner fleißigen Brauchtumspflege wurde.
Es war der 13. Dezember 2008, draußen schon stockdunkel, da ging der Herr Mannichl in seinem Heimatort Fürstenzell noch einmal nach draußen. Er wollte offenbar schauen, ob genug Lebkuchen an der Türe hing. Vermutlich auch um generell nach dem Rechten zu sehen, in seiner Eigenschaft als Polizeichef. Wobei er seiner Aussage nach tatsächlich auf einen Rechten traf. Letzterer hatte sich des Lebkuchenmessers bemächtigt und dem Polizeichef damit heimtückisch die Brust geritzt. Behauptet Mannichl. Niemand eilte ihm zu Hilfe, niemand in der Nachbarschaft hatte etwas gesehen, niemand hörte den Attentäter höhnisch rufen: »Viele Grüße vom nationalen Widerstand …«. Und niemand sonst kannte dort in Fürstenzell den mysteriösen Lebkuchenbrauch. Doch seit diesem Tag hängen wir in der Vorweihnachtszeit einen Schmarr’n und eine Kinderbastelschere vor die Türe. Damit uns der große, böse, glatzköpfige und vor allem rechtsextremistische Lebkuchenmann nicht mit einem Lebkuchenmesser malträtieren kann.
Es gibt so Nachrichten, bei denen beschleicht einen auf der Stelle ein komisches Gefühl. Fast wie bei der Waschmittel- oder Zahnpastawerbung. So aufgeregt, so künstlich und so penetrant. Ein Riesengewese um ein Ereignis, bei dem sich jeder logisch denkende Mensch an die Stirn tippt.
So auch in den letzten Tagen. Dass mit NSU seit letztem Wochenende nicht mehr die altehrwürdige Automarke gemeint ist, dürfte sich bereits herumgesprochen haben. NSU steht jetzt für »National-Sozialistischer Untergrund«. Dem Vernehmen nach soll es diese Organisation bereits seit Ende der 1990er Jahre geben. Eine Terrorzelle in Zwickau, von der man in 13 Jahren keinen Piep gehört hatte. Mit ganz bösen Rechtsextremisten. Und die standen in Verbindung mit oder unter Aufsicht von bundesdeutschen Verfassungsschützern – so genau will man das anscheinend immer noch nicht abgrenzen.
Mindestens 10 Menschen soll die Bande in den vergangenen Jahren ermordet haben. Wahllos, wie es heißt. Aber freilich mit Fremdenhass, wie sich das »offenkundig« für einen gestandenen Neonazi gehört. Denn neun von den Ermordeten waren Ausländer, beziehungsweise hatten einen Migrationshintergrund. Die zehnte Ermordete war die Polizistin Michéle Kiesewetter, die im Jahre 2007 auf Streife in Heilbronn zusammen mit einem Kollegen unversehens in ein Feuergefecht mit den Bandenmitgliedern geraten ist.
Die übrigen Fälle wurden unter »Dönermorde« zusammengefasst, da es zwei Inhaber von Döner-Läden unter den Opfern gibt. Alternativ hätte man vielleicht »Obst- und Gemüsehändlermorde« wählen können. Was aber nicht so griffig herüber käme. Kenan Kolat, der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, regte sich bereits öffentlich über den Begriff »Dönermorde« auf. Er mache ihn wütend, weil er gedankenlos benutzt würde und niemand nach den Opfern fragt. Nunja, ich weiß nicht wie lange der nette Herr Kolat schon in Deutschland lebt. Aber eigentlich sollte er gelernt haben dass in Deutschland alles ein aussagekräftiges Etikett bekommt. Auch eine Serie von Morden. Und wenn er sich schon aufregt, dann sollte er sich auch über die zahlreichen Opfer aufregen die unter dem politisch nicht korrekten Etikett »Deutschenhass« abgeheftet wurden. Nach denen darf nicht öffentlich gefragt werden, und nicht nach den Tätern. Man könnte ja bestimmte Ethnien mit der Frage beleidigen.
Doch lassen wir das und zählen einmal die Opfer auf, nach denen laut Kolat niemand fragt: Weiterlesen »
Ist man denn als Künstler immer noch nicht vor denen sicher? So wie weiland Joseph Beuys (1921 – 1986) gleich zweimal, hat es nun auch Martin Kippenberger (1953 – 1997) erwischt. Seine Installation »Sperrmüll mit schmutziger Gummiwanne« … sorry, selbstverständlich muss es richtig heißen »Wenn’s anfängt durch die Decke zu tropfen« … na jedenfalls dieses Gebilde da rechts, wurde Opfer einer heimtückischen Raumpflegeterroristin. Dieses mal war wieder eine Wanne das Objekt des Anschlages. Mit unglaublicher Radikalität – und einem Essigreiniger – schrubbte diese Putzteufelin eine Jahrzehnte alte Kalkschicht weg. Unwiederbringlich! Ein déjà vue für alle Kenner der Szene.
Siehe auch: Kunst versus Arbeit
Versichert war dieses … Ding … mit einer Summe von sage und schreibe 800.000 Euro. Ganz schön viel Holz für so ein bisschen Holz nebst popeliger Wanne. Ein Sammler hatte das Werk aus dem Jahre 1987 dem Dortmunder Museum Ostwall Anfang diesen Jahres als Leihgabe überlassen. Wohl, weil auch der Erschaffer bereits nicht mehr lebt, sei der Ursprungszustand nicht mehr herzustellen. Meint jedenfalls die Museumsrestauratorin (nein, das ist nicht die Bedienung aus dem Museumsrestaurant).
Der Museumsleiter spricht von einem unersetzlichen Verlust für die Kunstgeschichte. Dabei bräuchten die nur zu mir kommen. Ich mache denen 10 Stück davon, jeden Tag. Nicht für 800.000, nicht für 80.000. Nein, für 8.000 Euro das Stück. Im Ursprungszustand und mit meiner Originalunterschrift. Angebot gilt nur solange die Baumärkte liefern können.
Kokain, auch Fickpuder genannt, gilt als die Gesellschaftsdroge Nr. 1. Sie suggeriert dem Konsumenten, ein extrem gut aussehender, höchst eloquenter Nobelpreisträger mit der sexuellen Anziehungskraft eines schwarzen Loches zu sein. Auf jemanden, der kein Kokain genommen hat, wirkt das eher wie ein exkommunizierter Trappistenmönch, der weiße Puderreste an den Nasenlöchern hat und sich um Kopf und Kragen quasselt.
Kokain steigert das Mitteilungsbedürfnis, lähmt aber in gleichen Maße die Selbstkritik, was dazu führt, dass man jeden chemischen Kurzschluss im Kleinhirn für bares Geld hält und meint, dass er umgehend einer breiteren Öffentlichkeit vermittelt werden muss. Kokaingenuss ist die Hauptursache für Rap-Lyrik und die Gesamtwerke von Rainer Werner Fassbinder und Hermann Göring.
Für den Kokaingenuss in der Öffentlichkeit gelten ganz besondere Umgangsformen. So sollten Sie es vermeiden, wenn Sie sich auf einer wilden Party mit anderen Kokainisten befinden, dort eine ein Meter lange Koksstraße auf den Tisch zu legen und zu verkünden: »Die ist jetzt ganz für mich allein!«
Gehen Sie lieber aufs Klo. Aber auch dabei ist Vorsicht geboten! Sie können nicht 15 Minuten lang die einzige Toilette des Hauses blockieren, dabei Geräusche wie ein Industriestaubsauger machen und glauben, Sie kämen ungeschoren davon. Führen Sie deshalb immer einige Briefchen mit ungelöschtem Kalk mit sich, die Sie nachher großzügig an Ihre Freunde verteilen können.
Sex auf Kokain ist in der Tat eine Angelegenheit höherer Vergnügungsordnung. Dazu nur eines: Falls Sie jemals das Gerücht gehört haben, dass ein männliches Glied durch Kokaingenuss so hart werden kann, dass man damit einen gefrorenen Acker umpflügen kann: DAS STIMMT!
Wie man die Wirkung von Kokain simuliert:
Vier Tütchen Nescafe mit einer Tafel Schokolade aufkochen, auf Ex trinken.
Aktivitäten:
Freeclimbing, Volksreden, Zehnkampf
Musik:
Richard Wagners »Walkürenritt«
Quelle: Schöner Drogen mit dem kleinen Arschloch
(aus “Schöner Leben mit dem kleinen Arschloch” von Walter Moers,
kleine Korrekturen durch den Verfasser dieses Artikels)
Eigentlich sollte es »Schöner drogen …« und »Schöner leben …« heißen, wenn ein Substantiv als Verb Verwendung findet. Aber seit multiplen Schüben von Rechtschreibreform innerhalb weniger Jahre feiert die grammatikalische Kreativität im deutschsprachigen Raum offensichtlich fröhliche Urständ. Davon nehme ich meine Schreiberei noch gar nicht mal aus.
Dass Börsenmakler, Investmentbänker und Konsorten geldgierig sind muss nicht extra diskutiert werden. Sie sind es, sonst müssten sie sich nach einer anderen Stellung umschauen. Und dass sie zugleich unter einem enormen Erfolgsdruck stehen, kann man sich denken. Die Flucht in Drogen, besonders in Kokain, scheint Usus für alle die unter Stress stehen und sich das oben erwähnte »Fickpuder« auch leisten können. Soll ja nicht süchtig machen, wird gesagt. Aber auch Ecstasy und Alkohol wird in hohem Maße konsumiert.
Tja. Nun ist er tot, der böse Despot. Obwohl es die letzten paar Jahre so aussah, als würde der kauzige Muammar al-Gaddafi von der veröffentlichten Meinung hierzulande wieder etwas mehr gemocht. Aber nachdem er sich gegen die Revolution in seinem Lande wehrte, da war er wieder der böse Despot.
Schon komisch, wie die Dinge sich ändern können. Bis zum Jahre 2004 vom Westen isoliert, gaben sich plötzlich alle möglichen westlichen Politiker in Libyen die Klinke in die Hand. Großbritanniens Premierminister Toni Blair, Bundeskanzler Gerhard Schröder, Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und nicht zuletzt Karl-Theodor zu Guttenberg in seiner Eigenschaft als Bundeswirtschaftsminister machten Muammar al-Gaddafi ihre Aufwartung. Bundesverteidigungsminister Peter Struck fand nichts dabei, libysche Sicherheitskräfte von Deutschen Spezialisten ausbilden zu lassen. Und Monsieur le President Nicolas Sarkozy ließ sich von Gaddafi gar seinen Wahlkampf schmieren. Wer weiß, wem das noch alles zuteil wurde.
Aber Libyen unter Gaddafi muss ein schrecklicher Ort gewesen sein. Zumindest wenn es nach diversen Meldungen der »Deutschen Qualitätsmedien™« geht war Libyen bisher eines der unterentwickeltesten Länder Afrikas. Zu ganz anderen Schlüssen kam indes der 2010 erhobene »Human Development Index« (HDI) der Vereinten Nationen. Denn in Wahrheit war Libyen bis 2010 die bestentwickelte Nation auf dem afrikanischen Kontinent und belegte in der HDI-Weltrangliste Platz 53. Noch vor Saudi Arabien, dem EU-Mitglied Bulgarien und weit vor Russland oder der Türkei.
Quelle: UNDP – Human Development Report 2010
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